Springe zum Hauptinhalt

Deutsches Frachtschiff in Australien festgehalten: Beschwerden über Proviantknappheit, Schikanen und nicht gewährten Landgang

28 Mar 2019
Presseerklärung
Der in Liberia registrierte Massengutfrachter "Anna-Elisabeth" wird von australischen Behörden festgehalten, nachdem die internationale Besatzung des Schiffes über unzureichende Nahrungsversorgung, Schikanen an Bord und nicht gewährten Landgang geklagt hatte.

Die Beschwerden der Crew des Billigflaggenschiffs, das im Port Kembla Coal Terminal vor Anker liegt, gingen am Montag, den 25. März bei der Internationalen Transportarbeiter-Föderation (ITF) ein. Diese reagierte sofort und veranlasste binnen zwei Stunden eine ITF-Inspektion.

Der nationale ITF-Koordinator Dean Summers erhärtete die schwerwiegenden Vorwürfe unter Verweis auf die Ergebnisse der Kontrolle, wonach das Schiff nicht genügend Proviant mit sich führte und die Besatzung seit dem 23. Januar in Südafrika keinen Landurlaub mehr hatte. 

"Fleisch und Fisch waren durch Gefrierbrand verdorben, der Vorrat an frischen Lebensmitteln war sehr gering und mit Sicherheit nicht ausreichend, um 17 Seeleute auf der Weiterfahrt nach Singapur zu ernähren. Wir haben den Verdacht, dass dieses Unternehmen unter enormem finanziellen Druck steht und an allen Ecken und Enden Geld sparen will. Nach Aussage des Kapitäns standen als Lebensmittelration pro Tag 7 US-Dollar für alle Mahlzeiten zur Verfügung," so Summers.

Die ITF war darüber hinaus überrascht, dass das Unternehmen die neue Kategorie "Deck Rider" in ihrer Besatzungsliste aufführte, was sofort Zweifel an den Qualifikationen der gesamten Crew aufkommen ließ.

Die ITF ersuchte die Australian Maritime Safety Authority (AMSA) um eine Inspektion des Schiffs zur Prüfung der vorrangigen Probleme, nämlich Landgang, mangelnder Proviant, Schikanen, Bedenken hinsichtlich der Erfüllung der Mindestanforderungen für die sichere Bemannung sowie Zweifel an den Qualifikationen der Seeleute.

"Wir baten die AMSA um Bestätigung, dass die Crew qualifiziert und kompetent ist, das Schiff sicher zu führen. Den uns vorliegenden Berichten zufolge erweist sich dies inzwischen für das Unternehmen als größeres Problem," erklärte Summers.

Nachdem die ITF Alarm geschlagen hatte, ließ die AMSA das Schiff zum geplanten Zeitpunkt am Montag, den 25. März um 18.00 Uhr nicht auslaufen. Am Dienstag, den 26. März wurden Regierungsinspektoren zum Schiff geordert, um dort eine ganztägige gründliche Inspektion durchzuführen.

Das Schiff wird von der AMSA im Rahmen des Seearbeitsübereinkommens offiziell festgehalten. Das liberianische Register entsendet dem Vernehmen nach einen Vertreter, um gemeinsam mit dem Kapitän und der Reederei die lange Mängelliste abzuarbeiten. 

Die deutsche Reederei Johann M.K. Blumenthal ist für ihre Gewerkschaftsfeindlichkeit und ihren Konfrontationskurs berüchtigt.

"Wir appellieren an die australische Regierung, die dringende Warnung an die weltweite Schifffahrtswirtschaft auszugeben, Schiffe der Blumenthal-Flotte zu kontrollieren und festzuhalten, sobald Verstöße gegen Menschen- und Arbeitnehmerrechte festgestellt werden. Die einzige Sprache, die diese Räuber verstehen, ist zweifellos Profit," so Summers.

"Solcherlei Verstöße sind bei diesem Unternehmen systemisch und auf jeden Fall symptomatisch für das Billigflaggensystem, das die Ausbeutung und Misshandlung internationaler Seeleute ermöglicht.

"In den letzten Wochen haben europäische ITF-Inspektor*innen noch weitere Fälle von Proviantknappheit auf Schiffen der Blumenthal-Flotte aufgedeckt. Blumenthal steht also momentan im zentralen Blickpunkt der ITF, und wir werden unsere Inspektionen auf den Schiffen dieser Reederei rund um den Globus fortsetzen, um sicherzustellen, dass die über 700 auf ihrer Flotte beschäftigten Seeleute diesen ausbeuterischen Praktiken nicht zum Opfer fallen," schloss Summers.

Dies ist das jüngste Beispiel für die Situation in der Billigflaggenschifffahrt und verdeutlicht, welchen Tiefstand die Normen im australischen Binnenhandel inzwischen erreicht haben. Billigflaggenschiffe dominieren den australischen Küstenverkehr und stehen im Zentrum eines Konflikts zwischen maritimen Gewerkschaften und den Unternehmen BHP und BlueScope, nachdem diese die letzten australischen Frachtschiffbesatzungen durch ausländische Seeleute zu Billigflaggenbedingungen ersetzt haben.

Hier kann Videomaterial über die Lebensmittelvorräte heruntergeladen werden, das bei der ITF-Inspektion aufgenommen wurde.
 

---

KONTAKT:
Dean Summers, nationaler ITF-Koordinator | (+61419) 934 648
Luke Menzies, ITF-Medienbeauftragter für die maritimen Industrien | (+61433) 889 844 | menzies_luke@itf.org.uk

ÜBER DIE ITF:
Die Internationale Transportarbeiter-Föderation (ITF) ist ein demokratischer globaler Verband von 665 Verkehrsgewerkschaften, die über 20 Millionen Beschäftigte in 147 Ländern vertreten. Die ITF setzt sich weltweit für die Verbesserung der Lebensqualität von Verkehrsbeschäftigten ein, indem sie innerhalb des Netzwerks ihrer Mitgliedsorganisationen internationale Solidarität initiiert und organisiert. Die ITF vertritt die Interessen der Verkehrsgewerkschaften in Gremien, die Entscheidungen über Arbeitsplätze, Beschäftigungsbedingungen und die Sicherheit in der Verkehrswirtschaft fällen.

Aktuelle Meldungen der ITF sind unter www.itfglobal.org/de/news zu finden. 

 

Neuen Kommentar posten

Restricted HTML

  • Allowed HTML tags: <a href hreflang> <em> <strong> <cite> <blockquote cite> <code> <ul type> <ol start type> <li> <dl> <dt> <dd> <h2 id> <h3 id> <h4 id> <h5 id> <h6 id>
  • Lines and paragraphs break automatically.
  • Web page addresses and email addresses turn into links automatically.