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Neue Technologie bringt zahlreiche Möglichkeiten und Herausforderungen für die Luftfahrt mit sich

Die Luftverkehrswirtschaft war schon immer ein technologielastiger Sektor, doch nun hält die Nutzung von Technologie Einzug in Bereiche, die über das Flugzeug und den Kontrollturm hinausgehen.

In der Branche stehen zahlreiche Technologien im Gespräch, darunter die Entwicklung hybrider Flugzeuge, erschwinglicher Überschallflugzeuge und Drohnen. Diese werden global von verschiedenen Unternehmen getestet, die alle darauf erpicht sind, größtmögliche Gewinne aus einer prognostizierten Verdopplung der Anzahl von Maschinen sowie einer bedeutenden Zunahme an Fluggästen zu erzielen.

Die prognostizierte Zunahme wird zu erhöhtem Druck auf Infrastruktur und Dienstleistungen führen, weshalb viele Flughäfen Renovierungen und Erweiterungen vornehmen. Bei der derzeitigen Betriebsweise von Luftfahrzeugen werden mehr Piloten und Kabinenpersonal nötig sein, um die gesteigerte Nachfrage zu erfüllen. Es herrscht jedoch jetzt schon ein Mangel an Piloten. Eine von den Fluggesellschaften angestrebte Lösung ist die Entwicklung von Cockpits für nur einen Piloten. Wie dem auch sei – Technologie wird auf jeden Fall eine Rolle bei der Lösung der Probleme spielen, die mit dem rasanten Wachstum einhergehen.

Flugsicherung

Der Trend hin zur ferngesteuerten Flugsicherung über "Remote Towers" bietet die Möglichkeit, die Flugsicherungsdienste in einiger Entfernung vom Flughafen einzurichten und – je nach angewandter Technologie – mehrere Flughäfen gleichzeitig zu betreuen. Die Kosteneinsparungen sollen erheblich sein. Einigen Quellen zufolge kosten "Remote Towers" 30 bis 40 Prozent weniger als Türme vor Ort, und die Anzahl der Flughäfen mit solchen neuen Einrichtungen wächst ständig.

Bei kleinen Flughäfen kann ein einziger Fluglotse über ferngesteuerte Flugsicherung mehrere Flughäfen oder Landebahnen gleichzeitig kontrollieren. In Norwegen beispielsweise werden 15 Flughäfen mit niedrigem Verkehrsaufkommen über "Remote Towers" betreut, und weitere 17 stehen in Planung.

Die Auswirkungen der ferngesteuerten Flugsicherung auf Arbeitsbedingungen und Sicherheit werden davon abhängen, unter welchen Bedingungen Fluglotsen und andere Flugsicherungskräfte tätig sind und wie sehr sich ihre Arbeit aufgrund dieser neuen Bedingungen intensiviert. Der Umgang mit 360-Grad-Bildschirmen und Multi-Daten-Displays sowie die Überwachung mehrerer Flughäfen gleichzeitig, ohne eine entsprechende Analyse der damit verbundenen Auswirkungen auf Ermüdungs- und Spannungskennwerte – all dies erweckt Besorgnis bezüglich Sicherheit und Arbeitsbedingungen. Es ist also unbedingt notwendig, die Auswirkungen auf Beschäftigte zu berücksichtigen und sicherzustellen, dass die Technologie ihnen hilft, anstatt sie zu ersetzen.

Gepäckabfertigung

Das prognostizierte Wachstum in dem Sektor wird auch zu höheren Volumen in der Gepäckabfertigung führen, und Flughäfen versuchen, dieses Problem mit Hilfe von Technologie zu meistern. Die Tendenz geht mehr und mehr dahin, Technologien aus der Lagerhaltung zu übernehmen: kilometerlange Fließbänder, die das Gepäck in und zwischen Terminals befördern, sowie die Schaffung zentraler Lagerbereiche, in denen es mit Roboterkränen und -armen auf Wagen oder Container geladen wird, um es zum Flugzeug zu bringen. Robotereinrichtungen dieser Art gibt es derzeit an den Flughäfen Amsterdam-Schiphol, Seoul-Incheon und London-Heathrow.

Das Beladen von Wagen und Containern ist einer der arbeitsintensivsten Aspekte der Gepäckabfertigung, und Roboterlösungen werden den Bedarf an Arbeitskräften schätzungsweise um 60 Prozent reduzieren.

Dabei wird jedoch nicht der benötigte Arbeitsaufwand berücksichtigt, um die Fließbänder am Laufen und die Roboterkräne in Betrieb zu halten oder etwaige Probleme mit dem System zu lösen. Es spricht nichts gegen die Umschulung von Gepäckabfertigern, wie das in einigen Lagerhäusern geschehen ist.

Wachstum im Luftverkehr

Das Wachstum in der Luftverkehrswirtschaft wird auch dazu führen, dass mehr Luftfahrzeuge gereinigt werden müssen. Derzeit werden Flugzeuge (je nach Typ) circa vier Mal pro Jahr intensiv gereinigt. Dies ist ein arbeitsaufwändiger Prozess. Manche Flughäfen berichten, dass es 20 Personen zwischen 8 und 10 Stunden dauert, ein großes Flugzeug zu reinigen. Überall in der Welt kommen nun neue "Robotorreiniger" zum Einsatz, vornehmlich in Deutschland, Katar, Indien und Kanada. Allerdings werden diese Roboterreiniger von einem Bediener auf dem Boden ferngesteuert. Sie sollen jedoch angeblich bessere Arbeit in weniger Zeit leisten: etwa 4 Stunden für die Intensivreinigung einer großen Maschine.

Wartung

Aufgrund der Verbindung und Kommunikation zwischen Geräten, Werkzeugen und Komponenten kann die regelmäßige Trieb- und Flugwerkwartung durch ein bedarfsbasiertes System ersetzt werden. Zu wartende oder zu ersetzende Triebwerkteile lassen sich individuell identifizieren, was die Notwendigkeit einer allgemeinen Wartung reduziert. Die Wartung kann schneller durchgeführt werden, und Fluggesellschaften brauchen weniger Mechaniker. Doch das Wachstum des Sektors könnte diese Auswirkung mildern.

Automatisierte Flug-/Drohnentechnologie

Trotz der rasanten Entwicklung der Drohnentechnologie, vor allem im Militärbereich, ist es unwahrscheinlich, dass Drohnen in nächster Zukunft im Passagierluftverkehr gang und gäbe werden. Dies ist auf niedrige Passagierakzeptanz und regulatorische Hürden zurückzuführen. Gleichzeitig könnten jedoch aufgrund eines Mangels an Piloten und einer steigenden Nachfrage neben menschlichen Piloten auch Roboter eingesetzt werden. Ferner besteht die Möglichkeit, dass Luftfrachtunternehmen versuchsweise Drohnentechnologie in entlegenen Gebieten anwenden. Firmen wie Amazon benutzen diese Technologie bereits für kleine Nutzlasten.

Überwachungstechnologie

Überwachungstechnologie wie Videos und Mikrofone sowie die Anwendung von Technologie zur Durchsetzung einer bestimmten Arbeitsintensität führen zu einer allmählichen Veränderung der Arbeitsumgebung für die meisten Luftverkehrsbeschäftigten. So vergleichen und messen beispielsweise einige Fluggesellschaften die Leistung ihrer Kabinenpersonalmitglieder in Hinsicht auf den Verkauf an Bord.

Ob du Gepäckabfertiger/in, Sicherheitskraft, Mechaniker/in, Verkäufer/in oder Pilot/in bist – die Tendenz hin zu gesteigerter "Transparenz" bei allen Arbeitsprozessen im Sektor durch externe Überwachung wird wahrscheinlich zu einer qualitativen Veränderung deines Arbeitslebens führen. Dies ist etwas, mit dem sich die Gewerkschaften beschäftigen müssen.

Welche Daten können diese Technologien erfassen? Wie können sie genutzt werden? Welches Arbeitstempo erfordern sie? Ist dieses angemessen? Diese und andere Fragen müssen beantwortet werden – und zwar bald.

 

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