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Im Ausland gestrandet: Suizide von Seeleuten in der Kreuzschifffahrt

14 May 2020
Inmitten der kritischen Lage für Schiffsbesatzungen bringt die ITF heute ihre Trauer über den Suizid einer jungen weiblichen Beschäftigten an Bord der 'Regal Princess' und den Tod eines jungen Chinesen an Bord der 'Mariner of the Seas' zum Ausdruck.

Während die Untersuchungen noch andauern, wird gemeldet, dass die junge Ukrainerin sich im Hafen von Rotterdam (Niederlande) das Leben nahm, wo sie auf die Rückführung in ihr Heimatland wartete. Was die Umstände des Todes des Mannes an Bord der Mariner of the Seas angeht, so bemühen wir uns derzeit um weitere Informationen.
 
Die Regal Princess traf am 6. Mai in Rotterdam zur letzten Phase des Rückführungsprozesses ein. Die Besatzungsmitglieder darunter die verstorbene Frau, sollten am Freitag, den 8. Mai mit einem Charterflug nach Hause zurückkehren, aber der Flug wurde annulliert. Der Crew wurde mitgeteilt, dass die nächste verfügbare Maschine am 12. Mai fliegen werde. Tragischerweise sprang die Frau über Bord in den Tod, nachdem ihr Charterflug nach Hause abgesagt worden war.
 
Fehlende internationale Flugverbindungen und staatliche Restriktionen sowie zusätzliche Einschränkungen in Häfen machen die Heimschaffung von Beschäftigten auf Kreuzfahrtschiffen zu einem äußerst schwierigen Unterfangen, und Tausende von Seeleuten in der Kreuzschifffahrt sind gezwungen, an Bord ihrer Schiffe auszuharren.
 
"Selbst in normalen Zeiten kann der Stress verbunden mit sozialer Isolation für Seeleute sehr hart sein. In der Covid-19-Pandemie erleben wir jedoch die tragischen Auswirkungen, die die erhöhte Stressbelastung und die Unsicherheit auf die psychische Verfassung der Seeleute haben," erklärte David Heindel, der Vorsitzende der ITF-Seeleutesektion.
 
"Seeleute werde durch die strengen Restriktionen, die von den Regierungen zur Eindämmung des Virus verfügt wurden, bestraft, obwohl es keine Rechtfertigung und keinen wissenschaftlichen Beweis dafür gibt, dass von Seeleuten auf Kreuzfahrtschiffen ein größeres Risiko ausgeht als von anderen Beschäftigtengruppen oder Mitgliedern der Bevölkerung," so Heindel weiter.
 
Etwa 150.000 Seeleute warten derzeit darauf, ein- oder ausgeschifft zu werden, und Zehntausende sitzen infolge der anhaltenden Reisebeschränkungen weltweit auf Schiffen fest.
 
Seeleute verlangen nun von Regierungen dieselben Maßnahmen, die innerhalb von wenigen Wochen zur Rückführung von Zehntausenden Passagieren auf Kreuzfahrtschiffen in aller Welt ergriffen wurden.
 
"Es ist längst überfällig, dass Besatzungsmitglieder genauso menschlich behandelt werden, wie die Passagiere. Erst in der letzten Woche warnten die ITF und ihre Sozialpartner davor, dass andernfalls die physische und psychische Gesundheit der Seeleute, die Sicherheit des Seeverkehrs und die wichtigen Lieferketten, auf die die Welt angewiesen ist, gefährdet sind. Es ist höchste Zeit, dass diese Seeleute in ihre Heimatländer zurückgeführt werden, bevor noch mehr Menschen sich das Leben nehmen," mahnte Heindel.
 
Berichten zufolge haben in weniger als zwei Wochen vier Besatzungsmitglieder ihrem Leben ein Ende gesetzt. Am 9. Mai fanden Besatzungsmitglieder der Carnival Breeze einen ungarischen Kollegen tot in seiner Kabine auf. Am 30. April hatte ein polnischer Beschäftigter der Kreuzfahrtgesellschaft Royal Caribbean mit einem Sprung von Bord der Jewel of the Seas den Freitod begangen.  
 
"Im Interesse der Gesundheit und des psychischen Wohlbefindens der Seeleute ist es nun zwingend geboten, dass Regierungen und Flaggenstaaten ihre Anstrengungen verdoppeln, um die Rückführung aller Seeleute zu ermöglichen, die in der aktuellen Zeit eine fürchterliche Last zu tragen haben. Ihre Dienste für die Weltwirtschaft sollten nicht als selbstverständlich angesehen werden," forderte Heindel.

 

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