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Gemeinsames Projekt von Gewerkschaften und Arbeitgeber für sicheren Crewwechsel philippinischer Seeleute

06 Nov 2020
Presseerklärung

Die Internationale Transportarbeiter-Föderation (ITF) und der internationale Arbeitgeberverband der Reedereien IMEC (International Maritime Employers' Council) haben in Manila (Philippinen) ein verbessertes Quarantäne- und Testprogramm ins Leben gerufen, mit dem sie den Sorgen der Regierungen hinsichtlich der Eindämmung der Pandemie Rechnung tragen, um inmitten der weltweiten Crewwechsel-Krise mehr philippinische Seeleute von und zu Schiffen zu bringen.

Das am 28. Oktober gestartete Programm umfasst die folgenden Punkte:

  • Vertragsabschluss über 300 sichere Isolierräume in zwei Hotels renommierter Hotelketten in Manila,
  • Sicherheit und Überwachung rund um die Uhr, um eine 14-tägige Quarantäne zu gewährleisten,
  • "Goldstandard"-PCR-Tests bei der Ankunft und vor der Einschiffung von Seeleuten,
  • sichere Zertifizierung der Testergebnisse unter Verwendung einer manipulationssicheren Blockkettentechnologie,
  • sicherer Transit zu Flughäfen in Gruppen von nicht mehr als fünf Personen (einschließlich Fahrer),
  • Anstrebung der Zusammenarbeit mit Regierungen und ihren Einwanderungs- und Hafenbehörden, um Bescheinigungen der Testergebnisse anzuerkennen, unnötige Quarantänezeiten zu reduzieren und mehr Besatzungswechsel durchzuführen.

Die Einrichtungen und das Verfahren werden von unabhängigen Drittprüfern begutachtet, bevor sie in die so genannte "WEISSE LISTE" aufgenommen werden, und in regelmäßigen Abständen weiteren Prüfungen unterzogen, um eine kontinuierliche Einhaltung zu gewährleisten. 

ITF-Generalsekretär Stephen Cotton erklärte, hinter dem Programm stehe der Grundgedanke, dass Gewerkschaften und Arbeitgeber bei der Erarbeitung von Lösungen in einer "Covid-Welt" zusammenarbeiten müssen.

"Realistisch gesehen wird uns dieses Virus noch einige Zeit begleiten. Solange es keinen Impfstoff gibt, müssen wir alle an einem Strang ziehen, um Seeleute in viel größerem Umfang, als es jetzt der Fall ist, sicher zu und von Schiffen zu bringen."

"Aus Sicherheits- und Umweltgründen darf ein Schiff nicht ohne Besatzung im Hafen liegen. Es müssen Seeleute zur Ablösung bereitstehen, bevor eine Crew ein Schiff verlassen darf."

"Unseres Erachtens bietet dieses System die sicherste Möglichkeit, die Ersatzcrew schnell auf die Schiffe zu bringen, damit Seeleute, die schon viel zu lang an Bord sind, ihr Recht auf Rückkehr in ihre Heimat wahrnehmen können. Es ist viel sicherer und effizienter, wenn ein Land den Nachweis hat, dass sich Seeleute vor ihrer Einreise in kontrollierter und überwachter Isolation befanden und zweimal negativ getestet wurden, anstatt sie bei ihrer Ankunft unter Quarantäne zu stellen."

"Da monatelang von so vielen Regierungen zu wenig getan wurde, um die Crewwechsel-Krise zu lösen, die hauptsächlich von ihnen selbst gemacht wurde, obliegt es den Beschäftigten, ihren Gewerkschaften und Arbeitgebern, praktische Lösungen wie diese vorzulegen, um die Seeleute aus diesen schwimmenden Gefängnissen herauszuholen und von denen abgelöst zu werden, die endlich wieder arbeiten und Geld verdienen wollen," so Cotton.

Das Programm wird von den der ITF angeschlossenen philippinischen Seeleutegewerkschaften AMOSUP und PSU unterstützt. Es wird ermöglicht durch eine Anschubförderung aus dem International Maritime Training Fund der AMOSUP. Der Fonds dient ausschließlich zur Unterstützung des Wohlergehens der philippinischen Seeleute.

Der IMEC-Vorsitzende Kapitän Belal Ahmed erklärte, das Programm sei aufgestellt worden, als Arbeitgebern und Gewerkschaften bewusst wurde, dass praktischere Lösungen erforderlich sind, um die von einer Reihe von Knotenpunkten für die Durchführung von Crewwechseln geäußerten Bedenken hinsichtlich der Zuverlässigkeit negativer Ergebnisse von auf den Philippinen durchgeführten Covid-Tests sowie der Wirksamkeit der Quarantäneverfahren für Seeleute vor der Einschiffung auszuräumen.

"Wir waren der Meinung, es müsse eine Technologie und ein Verfahren geben, um den Ländern erklären zu können: 'Diese Seeleute haben ihre Quarantäne in einer kontrollierten und überwachten Umgebung durchgeführt, hier ist ihr negativer Test. Lasst sie jetzt bitte wieder ihre Arbeit machen'. Dank dieses neuen Programms können wir das nun mit Gewissheit sagen."

"Wir hatten Informationen von Software-Entwicklern, die die Blockchain-Technologie bereitgestellt haben, um die Nachweise für die Covid-PCR-Testergebnisse manipulationssicher zu machen", so Ahmed. "Die Quarantäneeinrichtung befolgt die strengen Vorgaben der in Singapur geltenden SHN-Regeln (Stay Home Notice). Dies ist wichtig, um sicherzustellen, dass die Besatzung mindestens 14 Tage vor dem Einschiffen Covid-19 frei ist."

Vorerst stehen das Programm und die Plätze in seinen Einrichtungen nur IMEC-Mitgliedern offen.

"Wir werden in den nächsten Wochen sehen, wie der Prozess läuft. Wenn wir die Ergebnisse sehen, die wir uns wünschen, werden wir uns bemühen, es auszuweiten, um mehr Besatzungswechsel zu ermöglichen."

"Ich hoffe, dass dies als Modell dafür dient, wie man die Dinge angehen kann. Diese Art von Innovation ist so wichtig, um diese humanitäre Krise zu beenden," so Ahmed. 

Das Projekt arbeitet auch mit einem ähnlichen Programm des norwegischen Reederverbands zusammen, das Anfang des Monats gestartet wurde und dasselbe Hotel nutzt.


Hinweise:

  • Die Räume stehen seit dem 28. Oktober zur Verfügung und können ab sofort gebucht werden.
  • Alle Buchungsanfragen sollten an den Buchungskoordinator für dieses Projekt gerichtet werden: itfimeccrewchange@amosup.org
  • Dieses Ablaufdiagramm zeigt weitere Informationen über die Funktionsweise des Prozesses.