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Verkehrsbeschäftigte verabschieden globale Grundsätze für den Schutz der Beschäftigten beim Einsatz von KI

NACHRICHTEN Presseerklärung

Verkehrsgewerkschaften, die mehr als 16,6 Millionen Beschäftigte weltweit vertreten, verabschieden globale Forderungen für die Nutzung von künstlicher Intelligenz im Verkehrssektor.  

Das heute in Colombo (Sri Lanka) verabschiedete Positionspapier mit dem Titel „Seizing Control: Transport Workers’ Principles for Artificial Intelligence“ (Kontrolle gewinnen: Grundsätze der Verkehrsbeschäftigten für künstliche Intelligenz) legt die Bedingungen fest, die Arbeitgeber, Technologieanbieter und Regierungen erfüllen müssen, wenn KI Auswirkungen auf Verkehrsbeschäftigte hat. Sie besagen, dass im Verkehrssektor kein KI-System verantwortungsvoll konzipiert, bewertet, eingesetzt und gesteuert werden kann, ohne die davon betroffenen Beschäftigten und die sie vertretenden Gewerkschaften einzubeziehen.

Während die weltweiten Warnrufe in Bezug auf KI immer lauter werden und selbst führende Branchenakteure nun eine Regulierung und Verlangsamung der Entwicklung fordern, konzentriert sich die Debatte zunehmend auf die Notwendigkeit von Transparenz, unabhängiger Prüfung und menschlicher Kontrolle von KI. 

„Die ITF-Grundsätze setzen diese Forderungen in durchsetzbare Rechte am Arbeitsplatz um,“ erklärte Frank Moreels, künftiger ITF-Präsident und Mitglied der ITF-Beratungsgruppe Zukunft der Arbeit. „Dazu muss das Recht gehören, zu wissen, welche Systeme eingeführt werden, ihre Auswirkungen zu bewerten, vor ihrem Einsatz zu verhandeln, KI-gestützte Entscheidungen zu hinterfragen und bei derart sicherheitskritischen Vorgängen die menschliche Kontrolle zu behalten.“

Schon jetzt übernimmt KI im gesamten Verkehrssektor Aufgaben wie die Arbeitszuteilung, die Überwachung von Fahrpersonal, die Festlegung von Fahrpreisen, den Betrieb von Signalanlagen sowie die Mitgestaltung von Entscheidungen über Personalbeschaffung, Vergütung und Disziplinarmaßnahmen. Verkehrsbeschäftigte und ihre Gewerkschaften verstehen am besten, wie ein Betrieb läuft, und sind oft die ersten, die feststellen, wenn durch eine Technologie Risiken für die Sicherheit, Rechte oder Arbeitsbedingungen entstehen. In den Grundsätzen wird die Einbeziehung von Beschäftigten und Gewerkschaften als wesentlicher Bestandteil der Bewertung, Einführung und Überwachung von KI definiert.

Dazu Moreels: „Jedes Unternehmen, das im Verkehrsbereich KI einführt, ist verpflichtet, zu wissen, welche Auswirkungen dieses System auf die Menschen hat, die damit arbeiten. Die Tech-Giganten, die KI für den Verkehrsbereich verkaufen, werden euch alles darüber sagen, was ihre Systeme tun können – aber nichts darüber, was passiert, wenn sie versagen.“

„Die Beschäftigten sind die ersten, die merken, wenn ein System einen Fehler macht: wenn ein Sensor einen Fahrer falsch erfasst, wenn ein Dienstplan Belegschaften über die Sicherheitsgrenzen hinaus belastet, wenn ein Algorithmus diskriminiert, wenn ein Mitarbeiter ums Leben kommt, weil Systeme versagen. Deshalb sind Gewerkschaften kein Hindernis für KI, sondern wir sind unverzichtbar, um keine Fehler zu machen und den Betrieb und die Arbeitsplätze zu verbessern.“

Kontrolle über KI im Verkehrssektor erlangen

Horacio Calculli, Vorsitzender der ITF-Beratungsgruppe Zukunft der Arbeit, sagte: „Die Frage ist nicht, ob KI im Verkehrssektor eingesetzt wird, sondern wer sie kontrolliert, wer von ihr profitiert und wessen Interessen sie dient. Im Verkehrssektor muss KI den Beschäftigten dienen, die die Welt in Bewegung halten, und den Menschen, für die sie ihre Dienste erbringen, und nicht den Aktionären und Technologiegiganten.“

„Diese Grundsätze geben Verkehrsgewerkschaften, verantwortungsbewussten Arbeitgebern und Regierungen eine gemeinsame Plattform, um KI im Verkehrsbereich verantwortungsvoll zu bewerten, einzusetzen und zu steuern. Was wir vereinbart haben, ist eine gemeinsame Basis, die Rechte, die alle Verkehrsbeschäftigten haben müssen, ganz gleich, wie das System heißt und in welchem Land sie arbeiten.“

Auf der Grundlage der IAO-Normen und im Einklang mit den Leitprinzipien der Vereinten Nationen und den OECD-Leitsätzen stellen diese Grundsätze klar, dass die Einbeziehung von Beschäftigten und ihren Gewerkschaften ein zentraler Bestandteil der Sorgfaltspflicht beim KI-Einsatz ist, von der Konzeption bis zur Einführung im Betrieb. Unternehmen, die die von KI ausgehenden Risiken ernst nehmen, haben nun einen klaren Weg für die Zusammenarbeit mit Verkehrsgewerkschaften.

„Regierungen und Technologieunternehmen diskutieren gerade darüber, wie man KI unter menschlicher Kontrolle halten kann. Für Verkehrsbeschäftigte ist das keine theoretische Zukunftsfrage, sondern es geht darum, wer ihnen die Arbeit zuteilt, ihre Leistung bewertet, über ihre Löhne und ihre Arbeitsdisziplin bestimmt und Entscheidungen über ihre Sicherheit trifft,“ erklärte Baker Khundakji, die ITF-Beauftragte für Zukunft der Arbeit.

„Der erste Schritt ist Information. Arbeitgeber müssen offenlegen, welche KI-Systeme eingeführt werden, welche Daten sie nutzen, wie sie arbeiten und auf welche Entscheidungen sie Einfluss haben. Beschäftigte können nicht über ein System verhandeln, von dem sie gar nichts wissen. Ohne Transparenz sind keine sinnvollen Konsultationen oder Kollektivverhandlungen möglich.“

„Es muss dringend Regeln für den KI-Einsatz geben. Verkehrsgewerkschaften werden diese Grundsätze an den Verhandlungstisch mitnehmen und ihren Regierungen vorlegen, um verbindliche, durchsetzbare Vorschriften und die Ratifizierung des IAO-Übereinkommens Nr. 193 über menschenwürdige Arbeit in der Plattformökonomie zu fordern," so Khundakji.

Die Konferenz beauftragte die ITF, einen grenzüberschreitenden und den gesamten Verkehrssektor umfassenden Überblick darüber zu erstellen, wie KI in multinationalen Unternehmen und Lieferketten eingesetzt wird, praktische Instrumente für Verhandlungen, Informationsanfragen und Folgenabschätzungen für Mitgliedsorganisationen zu entwickeln und die Lobbyarbeit für verbindliche Vorschriften zu koordinieren. Dazu gehören unter anderem Kampagnen für die Ratifizierung und Umsetzung des IAO-Übereinkommens Nr. 193 über menschenwürdige Arbeit in der Plattformökonomie.

Die KI-Grundsätze der ITF

01 Menschenrechte, Arbeitsrechte und Democracy by Design
Menschenrechte, Arbeitsrechte, Gleichstellung und die Würde der Beschäftigten müssen im Mittelpunkt der KI im Verkehrssektor stehen.

02 Informationspflicht sowie verpflichtende Konsultation und Verhandlung
Gewerkschaften müssen einklagbare Rechte auf Information und Konsultation haben – und in der Lage sein, Verhandlungen zu führen –, bevor KI-Systeme, die Auswirkungen auf Beschäftigte im Verkehrssektor haben, eingeführt oder geändert werden.

03 Menschliche Aufsicht und Entscheidungsbefugnis
Beschäftigte müssen das Recht haben, KI-gestützte Entscheidungen anzufechten. Bei sicherheitskritischen Verkehrsvorgängen muss der Mensch die Kontrolle behalten.

04 Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz und Vorsorgeprinzip
Beschäftigte müssen das Recht haben, die Arbeit einzustellen, wenn durch KI unsichere Bedingungen entstehen. Die Beweislast dafür, dass KI-Systeme einen Arbeitsplatz sicherer machen, liegt bei den Arbeitgebern und nicht bei den Beschäftigten.

05 Datenrechte, Transparenz und algorithmische Rechenschaftspflicht
Von Beschäftigten generierte Daten sind ein Produkt ihrer Arbeit. Sie müssen Rechte darüber haben – informierte Einwilligung, Entschädigung, Kontrolle über personenbezogene Daten und Beschränkung von Überwachung.

06 Gleichstellung, Geschlechtergerechtigkeit und Jugendschutz
KI darf die ungleiche Behandlung von Frauen, jungen und älteren Beschäftigten, Migrant*innen, Beschäftigten mit Behinderungen und anderen marginalisierten Gruppen nicht verschärfen. Diejenigen, die am meisten von ihr betroffen sind, müssen mitbestimmen können, wie KI ihre Arbeit beeinflusst.

07 Verantwortung von Unternehmen und in der Lieferkette
Unternehmen müssen in ihrer gesamten Lieferkette Verantwortung für die Einhaltung von Arbeitsnormen und Sorgfaltspflicht tragen – nicht nur da, wo KI am strengsten reguliert wird.

08 Gerechte Verteilung der Produktivitätsgewinne
KI-gestützte Produktivität muss den Beschäftigten höhere Löhne, kürzere Arbeitszeiten ohne Lohnverlust, bessere Arbeitsplätze sowie Möglichkeiten zur Weiterbildung und Umschulung bieten.


Hinweise für Redaktionen

Die Grundsätze wurden zum Abschluss der ITF-Konferenz der Verkehrsbeschäftigten zu Künstlicher Intelligenz, die vom 15. bis 18. September 2026 in Colombo (Sri Lanka) stattfand, von den Delegierten verabschiedet. An der Konferenz nahmen gewerkschaftliche Führungskräfte, Verhandlungsführer*innen und Beschäftigte aus dem gesamten Verkehrssektor teil, einschließlich Luftverkehr, Häfen, Seeverkehr, Eisenbahn, Straßentransport, Lagerhaltung, Personennahverkehr und Plattformökonomie.

„Seizing Control: Transport Workers' Principles for AI“ steht unter dem folgenden Link zur Verfügung: 

https://www.itfglobal.org/en/resources/seizing-control-transport-workers-principles-artificial-intelligence.

Die Grundsätze basieren auf internationalen Arbeitsnormen wie der IAO-Erklärung über grundlegende Prinzipien und Rechte bei der Arbeit, dem IAO-Übereinkommen Nr. 190 über Gewalt und Belästigung, dem IAO-Übereinkommen Nr. 193 über menschenwürdige Arbeit in der Plattformökonomie, der Jahrhunderterklärung der IAO für die Zukunft der Arbeit und der Dreigliedrigen IAO-Grundsatzerklärung über multinationale Unternehmen.

Medienkontakt: media@itf.org.uk


Bildnachweis: USA TODAY Network via Reuters Connect

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