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Kreuzfahrtunternehmen und Gewerkschaften bringen einen Großteil der Seeleute nach Hause – aber es stehen schwierige Zeiten bevor

10 Aug 2020
Presseerklärung

Während sich die Heimschaffung von fast 250.000 Seeleuten dank der gemeinsamen Anstrengungen von Seeleutegewerkschaften und der globalen Kreuzschifffahrtindustrie dem Abschluss nähert, warnt die Internationale Transportarbeiter-Föderation (ITF) davor, dass der Branche und ihren Arbeitskräften herausfordernde Zeiten bevorstehen.

Die ITF und ihre Mitgliedsorganisationen vertreten einen Großteil der Beschäftigten in der globalen Kreuzschifffahrt. Die Föderation und die ihr angeschlossenen Gewerkschaften unterstützten die Rückkehr von Zehntausenden von Seeleuten in allen Beschäftigungskategorien, von Cateringdiensten über Passagierbetreuung und Bord-Entertainment bis zum Personal an Deck und im Maschinenraum, die weltweit an Bord von Kreuzfahrtschiffen festsaßen, nachdem die Regierungen ihre Grenzen infolge der Covid-19-Pandemie schlossen.

Der Vorsitzende der ITF-Seeleutesektion David Heindel sagte, die Pandemie habe die beste und die schlechteste Seite der Menschheit offenbart.

"Auf der einen Seite haben wir erlebt, dass Regierungen von Hafen- und Transitstaaten, ja selbst der Herkunftsländer von Seeleuten, beschämenderweise ihre Tore vor Seeleuten verschlossen, wo sie doch eigentlich alles in ihrer Macht Stehende hätten tun müssen, um die Beschäftigten auf Fracht- und Kreuzfahrtschiffen nach Hause zu bringen. Auf der anderen Seite hat diese Pandemie die beste Seite der Gewerkschaften und zahlreicher Arbeitgeber zutage gebracht, die unter wirklich schwierigen Bedingungen nichts unversucht ließen, um diesen Seeleuten zu helfen," so Heindel.

"Wir können diesen Seeleuten nur Respekt und Bewunderung zollen. Diese Leute machten einfach ihre Arbeit und waren dann auf einmal an Bord der Schiffe gestrandet, die manche Seeleute als ihre 'schwimmenden Gefängnisse' bezeichneten, ohne an Land gehen zu können, und sei es nur für einen Spaziergang. Wir danken diesen Seeleuten für ihre Geduld und Stärke in einer unglaublich schwierigen Zeit. Manche von ihnen waren von der Situation überfordert, und einige haben sich tragischerweise aus Verzweiflung das Leben genommen. Diese Vorfälle machen uns zutiefst betroffen, und obwohl die meisten von uns nie eine Situation wie die ihre erlebt haben, fühlen wir mit ihnen und ihren Familien. Seeleute verdienen die Solidarität und den Respekt der Öffentlichkeit für das, was sie während dieser Pandemie durchgemacht haben."

"Das Ausmaß der Anstrengungen, die erforderlich waren, um fast 250.000 Seeleute von rund um den Globus verstreuten Kreuzfahrtschiffen in ihre Heimatländer zurückzuführen, kann schwerlich überschätzt werden. Die ITF-Familie der maritimen Gewerkschaften ist seit März rund um die Uhr damit beschäftigt, Visa, Flüge und Ausnahmen von Reisebeschränkungen für Seeleute zu organisieren, um sie zu ihren Familien zurückzubringen."

"Für den Kreuzfahrtsektor haben wir damit zwar großartige Ergebnisse erzielt, aber wir dürfen nicht vergessen, dass etwa 300.000 Seeleute nach wie vor über ihre ursprüngliche Vertragsdauer hinaus an Bord von Frachtschiffen festsitzen, manche von ihnen seit 16 Monaten. Also weit länger als die erwarteten acht bis neun Monate. Ihre Zahl wächst täglich. Die Lösung ist einfach: Die Regierungen müssen für Seeleute praktische Ausnahmeregelungen von den Reise- und Transitbeschränkungen verfügen, um die Wiederaufnahme funktionierender Crewwechsel zu gewährleisten. Es ist zwingend erforderlich, dass wir diese Hunderttausende von Seeleuten nach Ablauf ihrer Verträge von ihren Schiffen holen, so wie es im Kreuzfahrtsektor der Fall war," forderte David Heindel.

Johan Øyen, der Vorsitzende der ITF-Sonderarbeitsgruppe Kreuzfahrtschiffe, bezeichnete die gemeinsamen Bemühungen als großen humanitären Erfolg.

"Wir sprechen den Kreuzfahrtgesellschaften und den Regierungen, die mit ihnen zusammengearbeitet haben, um die Heimschaffung von fast einer viertel Million Seeleute zu erreichen, unsere Anerkennung aus. Dies erforderte eine enorme logistische Koordinierung," so Johan Øyen.

"Dieser Erfolg wurde erreicht, obwohl Regierungen, darunter auch Flaggen- und Hafenstaaten, ihren gesetzlichen und Menschenrechtsverpflichtungen nach internationalem Recht nicht nachgekommen sind. Es war nicht nur moralisch falsch, dass Staaten Seeleuten die Genehmigung verweigerten, an Land zu kommen, um in ihre Heimatländer zurückzukehren, es war auch illegal. Wir werden untersuchen, welche Art von Durchsetzungsmechanismen erforderlich sind, um Staaten daran zu hindern, sich ihrer Verantwortung zu entziehen," erklärte Øyen weiter.

"Trotz der schwierigen Umstände hat der Großteil des Kreuzfahrtsektors an diesem Ergebnis mitgearbeitet. Die ITF und die ihr angeschlossenen Gewerkschaften werden nun gemeinsam mit der Branche sicherstellen, dass Sanierungspläne umgesetzt werden und die Wiederaufnahme des Schifffahrtsbetriebs von offenen Gesprächen über eine Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen von Seeleuten an Bord von Schiffen begleitet wird."

Øyen zufolge ist die ITF besorgt angesichts von Berichten über Covid-Ausbrüche auf Kreuzfahrtschiffen in den letzten Tagen, obwohl mindestens einer dieser Ausbrüche vermutlich nur darauf zurückzuführen ist, dass wichtige Verfahren vor dem Antritt der Reise nicht eingehalten wurden.

"Kreuzfahrten können wieder stattfinden, wenn angemessene Gesundheits- und Sicherheitsmaßnahmen vorgesehen und umgesetzt werden und Zielländer für Kreuzfahrten sich bereit erklären, Seeleute für Landgänge sowie bei Bedarf für medizinische Versorgung und Crewwechsel an Land zu lassen. Damit Seeleute ein sicheres Arbeitsumfeld haben, müssen Kreuzfahrtunternehmen aus den Fehlern lernen, die viele von ihnen in der Anfangszeit dieser Pandemie begangen haben."

"Wir hoffen, dass die Weltgemeinschaft die Not von Seeleuten zur Kenntnis nimmt, die monatelang an Bord sitzengelassen werden und auf ihre Heimkehr warten, und ihnen gebührende Anerkennung entgegenbringt. Sie sind die Helden dieser Pandemie," so Johan Øyen.