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'Jag Anand' und 'Anastasia': Regierungen müssen die festgefahrene Situation lösen und die Seeleute heimschaffen

20 Nov 2020

Die Internationale Transportarbeiter-Föderation (ITF) appelliert nachdrücklich an die Regierungen Chinas, Indiens und Australiens, zusammenzuarbeiten und die festgefahrene Situation in Bezug auf die Anlandung der Kohlefrachter in chinesischen Häfen zu lösen, da manche Besatzungsmitglieder sich seit über 20 Monaten an Bord befinden.

Die Jag Anand (IMO 9463308) und die Anastasia (IMO 9625970) bekommen seit Juni bzw. August dieses Jahres keine Genehmigung zum Anlegen.

Abdulgani Y. Serang, Generalsekretär der National Union of Seafarers of India, stellvertretender Vorsitzender des ITF-Sektionsausschusses der Seeleute für Asien/Pazifik und ITF-Vorstandsmitglied, erklärte, seine Gewerkschaft und die ITF hätten das Problem in den letzten Monaten über die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) wiederholt bei der Reederei und offiziellen Stellen zur Sprache gebracht.

"Wir haben es mit einer humanitären Krise an Bord zu tun, da die gesamte Besatzung übermüdet ist und dringend abgelöst werden muss. Aufgrund ihres überlangen Aufenthalts an Bord sind die Seeleute psychisch und physisch erschöpft," so Serang.

"Es wäre sehr besorgniserregend, wenn die Tatsache, dass die Schiffe Kohle aus Australien geladen haben, der Grund dafür wäre, dass die chinesischen Behörden ihnen das Andocken verweigern. Es wäre, wie wenn ein unschuldiger Lieferant in einen Kampf zwischen zwei Nachbarn verwickelt wäre."

"Die Reederei versucht ihr Bestes, um die Schiffsladung zu löschen – sie hat angeboten, einen Flug zu chartern, um die Crew ablösen zu lassen. Die indische Regierung versucht ebenfalls, bei der Lösung der Situation zu helfen und die Besatzung nach Hause zu bringen, aber es bewegt sich nach wie vor nichts."

"Wir haben vorgeschlagen, dass, wenn ein Crewwechsel nicht möglich ist, zumindest die Ladung gelöscht werden könnte, damit das Schiff weiterfahren und die Crew im nächsten geeigneten Hafen abmustern kann. Es gibt sogar Angebote von Nachbarländern, die Kohle zu kaufen, um eine Lösung herbeizuführen."

"Wir sind überrascht, dass die Bemühungen, das Schiff in ein anderes Land oder einen anderen chinesischen Hafen zu bringen, auf Widerstand stoßen. Was immer der Grund für diesen Stillstand sein mag, wir appellieren an alle Regierungen, ihre Konflikte beiseite zu legen und sich darauf zu konzentrieren, diese Seeleute zu unterstützen, damit sie nach Hause zurückkehren und von neuen Besatzungen abgelöst werden können," so Abdulgani Y. Serang.

Der Koordinator der ITF-Sektionen Seeleute und Binnenschifffahrt Fabrizio Barcellona, erklärte, die Notlage der 23 Seeleute an Bord der Jag Anand und 18 weiterer Seeleute an Bord der Anastasia unterstreiche die Notwendigkeit für Regierungen, Maßnahmen zur Lösung der Crewwechsel-Krise zu ergreifen, bevor es zu extremen Situationen wie dieser komme.

"Fakt ist, dass die Besatzung der Jag Anand bereits seit 15 Monaten an Bord war, als das Schiff in Australien die Kohle lud. Die Dienstzeit auf See ist nach internationalen Bestimmungen auf maximal elf Monate beschränkt. Die australischen Behörden hätten den Schiffen keine Genehmigung zur Weiterfahrt erteilen sollen, ohne dass diese Seeleute heimgeschafft und durch eine neue Crew an Bord abgelöst wurden," kritisiert Barcellona.

"Alle Regierungen – seien es Flaggenstaaten, Hafenstaaten oder die Heimatländer der Seeleute – müssen ihr Engagement verstärken, um die erforderliche Ablösung dieser übermüdeten und erschöpften Beschäftigten zu erleichtern. Staatliche Restriktionen und mangelnde Koordination zwischen verschiedenen Regierungsbehörden sind nach wie vor das Haupthindernis für die Durchführung von Crewwechseln."

"Es sollte kein geopolitischer Konflikt nötig sein, damit Minister erkennen, dass sich an ihren Küsten eine schwerwiegende humanitäre Krise abspielt. Schiffsbesatzungen wo auch immer in der Welt über ihre ursprüngliche Vertragsdauer hinaus einzusetzen, ist inakzeptabel und der sicherste Weg in eine menschliche und ökologische Katastrophe," schloss Barcellona.

Nach Schätzungen der Internationalen Schifffahrtskammer vom Oktober saßen zu diesem Zeitpunkt weltweit über 400.000 Seeleute an Bord von Frachtschiffen fest und waren genötigt, ihre vertraglichen Dienstzeiten zu überziehen. Es wird vermutet, dass die Zahl endlich langsam zurückgehen könnte, da immer mehr Arbeitgeber teure Besatzungswechsel vornehmen. 

 

Hinweis für Redaktionen:

Auf der Jag Anand befinden sich 23 Seeleute. Fünfzehn haben ohne Unterbrechung 16 Monate, die anderen acht 13 Monate Dienst an Bord hinter sich. Einige haben fast 20 Dienstmonate an Bord absolviert.

Abdulgani Y. Serang ist:

  • Generalsekretär und Finanzbeauftragter der National Union of Seafarers of India,
  • stellvertretender Vorsitzender der ITF-Seeleutesektion für die Region Asien/Pazifik,
  • stellvertretender Vorsitzender der ITF Region AsienPazifik


Medienkontakt: media@itf.org.uk