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Crewwechsel-Krise trifft die australische Hüttenindustrie

10 Aug 2020
Presseerklärung

Die Internationale Transportarbeiter-Föderation (ITF) und die Maritime Union of Australia (MUA) werfen der australischen Regierung vor, dass ihre Untätigkeit hinsichtlich der Ermöglichung von Crewwechseln eine Aluminiumhütte Millionen von Dollar und die lokale Ökonomie sogar noch mehr kosten wird. Die beiden Organisationen unterstützen gerade die erschöpften Besatzungsmitglieder des Frachtschiffs Unison Jasper, die ihre Arbeit beenden und das Schiff verlassen wollen.

Der Massengutfrachter Unison Jasper war gerade mit einer Ladung Aluminium auf dem Weg zur Tomago-Aluminiumhütte, als er von der australischen Behörde für Seeverkehrssicherheit (AMSA) im Hafen von Newcastle festgehalten wurde. Die Maßnahme erfolgte aufgrund von Beschuldigungen, dass Besatzungsmitglieder misshandelt und eingeschüchtert, und zur Unterzeichnung von Vertragsverlängerungen genötigt worden seien, die ihre Dienstzeit an Bord auf bis zu 14 Monate, also weit länger als die gesetzlich zulässige Höchstzeit von elf Monaten hinaus, ausgedehnt hätten.

Die Gewerkschaften meldeten die Menschenrechtsverletzungen bei der AMSA, woraufhin die Behörde aktiv wurde. Der australische ITF-Koordinator Dean Summers erklärte, die Arrestierung des Schiffes zeige, dass Hafenstaatkontrollbehörden wie die AMSA zur Tat schreiten, wenn Seeleute sagen "Genug ist genug" und in der sich zuspitzenden Crewwechsel-Krise ihr Recht auf Ausschiffung geltend machen.

"Dies ist der jüngste Fall, wo Seeleute sich zur Wehr setzen und nach Ablauf ihrer Heuerverträge ihr Menschenrecht auf Beendigung ihrer Arbeit und Verlassen der Schiffe wahrnehmen. Es ist absolut skandalös, dass diese Seeleute bereits 13 Monate auf See waren, als die australischen Behörden dem Schiff die Genehmigung für diese Fahrt entlang der australischen Küste erteilten," so Summers.

"Ausbeutung ist die unvermeidliche Konsequenz, wenn die Bundesregierung es zulässt, dass mit ausländischen Seeleuten bemannte Schiffe australische Arbeitsplätze ersetzen."

"Die Besatzungsmitglieder weigerten sich, die Ladung auch nur eine Meile weiter zu befördern, und sind nun tatsächlich die Gangway hinunter und an Land gegangen. Das Schiff fährt nirgendwo mehr hin. Die taiwanesischen Reeder, die aus der Ausbeutung dieser Seeleute Profit geschlagen haben, müssen nun sehen, was sie mit einem toten Schiff an einem sehr teuren Liegeplatz anstellen, zumal die Verluste für die Aluminiumhütte und ihre Kompagnons steigen," so Summers weiter.

Die Gewerkschaften bauten am letzten Freitag im Hafen einen Windschutz für die an Bord zusammengekauerte Besatzung, die sich aufgrund der Restriktionen im Zuge der Covid-19-Pandemie nicht weiter als 13 Meter vom Schiff entfernen durfte.

"Das zeigt die Absurdität der von Regierungen wie Australien verhängten Regeln in der Pandemiewelt. Trotz der beängstigenden Erfahrungen, die diese Seeleute gemacht haben, hindert man sie daran, weiter als 13 Meter vom Schiff wegzugehen. Aufgrund unserer lächerlichen Regeln wird ihnen selbst diese Würde nicht zuteil," kritisierte Summers.

"Die ITF und ihre Mitgliedsorganisationen haben klargestellt: Die Regierungen müssen praktische Ausnahmen von Reise-, Transit- und Quanrantäneregelungen für Seeleute erlassen, um ihre Ein- und Ausschiffung zu ermöglichen. Diese Situation auf der Unison Jaspers ist meiner Ansicht nach zweifellos darauf zurückzuführen, dass die Bundesregierung nichts unternommen hat, um für die Branche Maßnahmen der Bundesstaaten und Behörden sowie auf internationaler Ebene zu koordinieren."

"Dies ist eine Lektion für die Politiker und Bürokraten, die nicht dazu in der Lage zu sein scheinen, 'Green Lanes' zur Ermöglichung von Besatzungswechseln für Seeleute zu schaffen, sodass Seeleute nicht mehr zu der drastischen Maßnahme greifen müssen, Schiffe lahmzulegen, wie sie es hier getan haben," erklärte Summers.

Das Schiff wird nun an Ort und Stelle bleiben, bis die Reederei neue Besatzungsmitglieder gefunden hat, die sich wiederum einer zweiwöchigen Quarantäne unterziehen müssen, selbst wenn sie in ihren Heimatländern negativ auf Covid-19 getestet wurden.

"Die Unison Jaspers wird wochenlang, vielleicht einen Monat, hier festsitzen, ohne einen Beitrag zum wirtschaftlichen Aufschwung Australiens zu leisten. Das ist der Preis der Vernachlässigung der Notlage müder und erschöpfter Seeleute und der Anwendung pauschaler Regeln auf systemrelevante Arbeitskräfte. Der Vorfall war vermeidbar, aber dazu hätten die politisch Verantwortlichen handeln müssen. Tun sie das nicht, wird dies nicht das letzte Schiff sein, das festgehalten wird," warnte Summers.

"Unsere Häfen sind kurz davor, an Schiffen zu ersticken, die nicht auslaufen können, und zwar nicht aufgrund von Arbeitskampfmaßnahmen der Gewerkschaften, sondern wegen der völligen Erschöpfung und Übermüdung vergessener Seeleute. Wenn schon aus keinem anderen Grund, so sollten die australischen Exporteure zumindest angesichts des drohenden Handelsstillstands die Frage an die Politik richten, warum diese Krise sich weiter ausdehnt."

"Dieser Fall verdeutlicht die fehlende Koordinierung unter den staatlichen Behörden, und Seeleute sind die Leidtragenden. Wenn Behörden und Regierungen nicht auf nationaler und globaler Ebene zusammenarbeiten, werden immer mehr Seeleute sagen 'Genug ist genug', und noch mehr Schiffe werden lahmgelegt. Das könnte die Branche Milliarden kosten. Vielleicht werden die Politiker und Bürokraten dann endich Interesse zeigen," so Summers.
 

Hinweis:
Ausführliche Informationen zu den Anschuldigungen über Lohndiebstahl, Misshandlung und Einschüchterung sind unter dem folgenden Link in einem von der MUA veröffentlichten Bericht nachzulesen: https://www.mua.org.au/news/newcastle-bulk-carrier-detained-after-seafarers-intimidated-underpaid-and-forced-sail-14-months