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#IWMD20: ITF fordert dringende Schutzregelungen für Verkehrsbeschäftigte

29 Apr 2020

Erklärung des Geschäftsführenden Ausschusses der ITF zum Schutz von Beschäftigten während und nach der Covid-19-Pandemie

Der Kampf gegen Covid-19 wird ohne Verkehrsbeschäftigte nicht gewonnen werden. Sie sind der Lebensnerv der Weltwirtschaft und für eine wirksame Reaktion auf die Herausforderungen der Pandemie unverzichtbar.

Es sind die Lokführer*innen, Seeleute, Flugbegleiter*innen, Taxifahrer*innen, Reinigungskräfte, Fahrkartenverkäufer*innen, Hafenbeschäftigten, Busfahrer*innen, Kurier*innen und alle anderen arbeitenden Frauen und Männer, die die lebensnotwendigen Dienste erbringen, die die globalen Verkehrssysteme und Lieferketten während der Pandemie funktionsfähig halten.

Hunderte von Verkehrsbeschäftigten in aller Welt haben ihr Leben durch Covid-19 verloren, weil sie sich bei der Erbringung von systemrelevanten Dienstleistungen für unsere Gesellschaft mit dem Virus infizierten, und Tausende weitere haben sich angesteckt. Unzureichende Gesundheits- und Sicherheitsnormen haben für Verkehrsbeschäftigte das Risiko erhöht, sich bei ihrem Einsatz an der vordersten Front der Krise zu infizieren, ein Risiko, von dem Frauen überproportional betroffen sind, da sie bei Tätigkeiten mit direktem Kundenkontakt und bei Reinigungsdiensten überrepräsentiert sind und in anderen Bereichen als Minderheit nicht unterstützt werden.

Am Internationalen Gedenktag für die Opfer von Arbeitsunfällen (International Workers' Memorial Day - IWMD) am 28. April zollen wir all den Beschäftigten Respekt, die bei der Arbeit ums Leben kamen oder verletzt wurden, und anerkennen den hohen psychischen Preis, den die Pandemie den Beschäftigten und ihren Familien abverlangt. Und wir halten inne, um der Tausenden von Beschäftigten zu gedenken, die jedes Jahr bei Arbeitsunfällen sterben.

Aus diesem Anlass wollen wir uns unter dem Leitsatz des #IWMD20 "Die Pandemie am Arbeitsplatz stoppen" zusammenschließen und Regierungen und Arbeitgeber dazu auffordern, Verkehrsbeschäftigte durch angemessene Gesundheits- und Sicherheitsnormen zu schützen und mit persönlicher Schutzausrüstung auszustatten, damit sie ihre wichtige Arbeit fortsetzen können.

Die ganze ITF kämpft für den zwingenden Schutz all unserer Mitglieder weltweit. In dieser Woche werden wir eine globale Charta mit Forderungen zum Schutz der Beschäftigten im öffentlichen Verkehrssektor vor Covid-19 herausgeben, mit der wir staatliche Stellen und Arbeitgeber in die Verantwortung nehmen wollen. Analog dazu werden allgemein gültige Betriebsprotokolle Hafengewerkschaften ein konkretes Instrument an die Hand geben, um globalen Netzwerk-Terminalbetreibern klarzumachen, was zum Schutz der Hafenbeschäftigten und aller Arbeitskräfte in den weltweiten Häfen zu tun ist.

Wir bemühen uns auch gemeinsam mit unseren Mitgliedsorganisationen und Sozialpartnern, darunter die Internationale Schifffahrtskammer (ICS) und die Gemeinsame Verhandlungsgruppe (JNG) des Internationalen Verhandlungsforums (IBF), weiter um Lösungen für die etwa 100.000 Seeleute, die auf ihren Schiffen auf Ablösung warten, sowohl um ihr physisches und psychisches Wohlergehen zu sichern, als auch um die sichere Beförderung lebensnotwendiger Güter zu gewährleisten. Dieser kollektive Ansatz gilt auch für die Zusammenarbeit zwischen der Sektion Straßentransport und der Internationalen Straßentransport-Union (IRU), der Sektion Zivilluftfahrt und der Internationalen Flug-Transport-Vereinigung (IATA), dem Ausschuss für öffentlichen Personennahverkehr mit dem Internationalen Verband für öffentliches Verkehrswesen (UITP), United Cities and Local Governments (UCLG) und dem Internationalen Eisenbahnverband (UIC), um innerhalb eines dreigliedrigen Rahmens für Verantwortlichkeit und Zuständigkeit mit der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO), der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) und der IATA wirksame einheitliche Maßnahmen zum Schutz der Sicherheit unserer Mitglieder in aller Welt abzustimmen.

Gemeinsam mit der globalen Gewerkschaftsbewegung setzen wir uns bei Arbeitsschutzbehörden weltweit dafür ein, Covid-19 als Berufskrankheit anzuerkennen, um Arbeitgeber in die Haftung zu nehmen und zu gewährleisten, dass Schutzmaßnahmen in vollem Umfang umgesetzt werden. Damit hätten alle Beschäftigte, die sich mit dem Virus infizieren, im Krankheits- oder Todesfall ein Anrecht auf Entschädigung.

Arbeitgeber tragen die Verantwortung dafür, dass alle Präventiv- und Schutzmaßnahmen zur Minimierung von Berufsrisiken durchgeführt werden. Sie sind verantwortlich dafür, die Beschäftigten kostenlos mit geeigneter Schutzkleidung und -ausrüstung auszustatten und die strikte Einhaltung von Social-Distancing- und Hygienemaßnahmen sowie die Umsetzung von Test- und Verfolgungsprotokollen für exponierte Arbeitskräfte zu gewährleisten. Diese Verantwortung gilt unmittelbar auch für führende Unternehmen und wirtschaftliche Arbeitgeber, die dafür sorgen müssen, dass den Beschäftigten in ihren Lieferketten geeignete persönliche Schutzausrüstung und Verfahren zur Verfügung stehen, um das Ansteckungsrisiko für sie, ihre Familien und ihr soziales Umfeld einzudämmen.

Wir werden weiter für alle Verkehrsbeschäftigten weltweit, auch diejenigen, die in atypischen Beschäftigungsformen und in Lieferketten tätig sind, das Anrecht auf geeignete Schutzausrüstung, sichere Arbeitsbedingungen und Maßnahmen zur Senkung des Übertragungsrisikos einfordern und Einkommensschutz für die Tausenden von Arbeitskräfte verlangen, die jetzt infolge von Covid-19 arbeitslos oder unterbeschäftigt sind.

Wir rufen alle Verkehrsbeschäftigten auf, sich unseren Forderungen anzuschließen. Verlangt Schutzmaßnahmen an eurem Arbeitsplatz! Verlangt sie in eurer Branche! Verlangt sie von eurer Regierung! Verlangt sie für alle Verkehrsbeschäftigten!

Die Krise hat arbeitenden Menschen in aller Welt klargemacht, dass eine Rückkehr zum Status quo nach dem Coronavirus keine Option ist. Beschäftigungs- und Einkommenssicherheit und die Rechenschaftspflicht entlang der Lieferketten müssen verbessert, prekäre Beschäftigung und Sozialdumping reduziert, Ungleichheit zwischen Randgruppen bekämpft und Arbeitnehmer*innenrechte wiederhergestellt werden. Weibliche und junge Beschäftigte müssen in allen Sektoren die treibenden Kräfte sein. Verkehrsgewerkschaften setzen sich seit jeher konsequent für diese Positionen ein.

Die Rechte von Verkehrsbeschäftigte werden seit Jahrzehnten systematisch angegriffen, untergraben und missachtet. Was die Covid-19-Pandemie offenbart, ist die wichtige Rolle von Verkehrsbeschäftigten in der Realwirtschaft und ihre Funktion beim Wiederaufbau der Weltwirtschaft, wenn die Welt diese Pandemie überwunden hat. Diese Krise birgt die Chance, dass die Volkswirtschaften nachhaltiger aus ihr hervorgehen, und Wohlstand und menschenwürdige Arbeit für alle bieten werden. Jetzt ist die Chance da, es liegt an uns, sie zu ergreifen.
 

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