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Im Kampf gegen Zwangsarbeit in der Fischereiwirtschaft müssen Regierungen Satellitentechnologie nutzen

05 Jan 2021
Presseerklärung

Vertreter*innen der Sektion Fischereiwirtschaft der Internationalen Transportarbeiter-Föderation (ITF), dem globalen Sprachrohr von Millionen von Fischereibeschäftigten weltweit, verweisen auf eine neue Studie von US-Wissenschaftler*innen auf der Grundlage von Satellitendaten, die sowohl dazu beitrage, das Ausmaß von Arbeitsrechtsverletzungen in der Branche aufzudecken, als auch zeige, wie die Strafverfolgungsbehörden Technologie nutzen können, um gegen moderne Sklaverei und Menschenhandel auf Schiffen vorzugehen.

Rossen Karavatchev, Koordinator der ITF-Sektion Fischereiwirtschaft, erklärte, die ITF sei zwar nicht überrascht über die Zahl von 100.000 Beschäftigten, die die Forscher*innen als mögliche Opfer von Zwangsarbeit an Bord großer industrieller Fischereifahrzeuge festgestellt haben, doch zeige die Studie neue Instrumente für die Strafverfolgung auf.

Die Forscher*innen kombinierten Satellitendaten von Global Fishing Watch mit maschinellem Lernen und Erkenntnissen von Menschen- und Arbeitnehmerrechtsorganisationen, um das Verhalten von Schiffen zu kartieren, auf denen wahrscheinlich Menschenrechtsverletzungen begangen werden. Bei 26 Prozent der 16.000 untersuchten Schiffe wurden Verhaltensweisen festgestellt, die darauf schließen lassen, dass die Besatzung einem hohen Risiko von Zwangsarbeit ausgesetzt ist.

"Wir sind nicht überrascht, dass eine weitere Studie die Welt auf die sich ausbreitende, inakzeptabel große Epidemie von Menschenrechtsverletzungen in der globalen Fischereiindustrie aufmerksam macht. Diese Untersuchung zeigt jedoch nicht nur das Ausmaß des Problems, sondern auch, wie Regierungen Technologie einsetzen können, um Zwangsarbeit und Menschenhandel zu bekämpfen, im Fischereisektor aufzuräumen und die Notlage dieser Hunderttausenden von Beschäftigten auf den Schiffen zu beenden," so Karavatchev.

"Diese Studie erhöht den Druck auf die Regierungen, ihre Ressourcen zu nutzen, um die verbreiteten Arbeitsrechtsverletzungen, Menschenrechtsverstöße und Fälle von Menschenhandel und Sklaverei zu bekämpfen, von denen wir wissen, dass sie an Bord von industriellen Fangschiffen geschehen. Die Regierungen haben die Instrumente – warum nutzen sie sie nicht?"

Der Vorsitzende der ITF-Sektion Fischereiwirtschaft Johnny Hansen erklärte, dass Ausbeutung im Fischereisektor nicht nur ein Problem der Entwicklungsländer sei, sondern sich oft nur ein paar hundert Meter vor den Küsten der reichsten Länder der Welt ereigne.

"Diese Studie der Universität von Kalifornien wirft ein Schlaglicht auf die Regionen, in denen die ITF zum Handeln gedrängt hat, wie Südostasien und der Südatlantik, aber sie belegt auch die zunehmenden Menschenrechtsverletzungen, die wir vor den Küsten Kanadas, Neuseelands und Nordeuropas beobachten."

"Die Regierungen müssen verstehen, dass es sich hier um eine globale Industrie handelt, in der große Schiffe aus Ländern wie Taiwan, China und Portugal durch die Welt fahren und Arbeitspraktiken umsetzen, wegen derer Arbeitgeber in ihren Heimatländern hinter Gitter kämen. Sie heuern Arbeitskräfte aus Ländern des globalen Südens an, schmuggeln und locken sie mit falschen Versprechungen an Bord dieser schwimmenden Gefängnisse und fahren dann durch die Hochsee- und Küstengewässer der ganzen Welt."

"Dieser Bericht macht deutlich, dass jede Regierung die Pflicht hat, gegen Ausbeutung in der Fischereiwirtschaft zu kämpfen," so Hansen.

Die ITF unterstützt sowohl in Europa als auch in Südostasien Projekte im Fischereisektor, um die Ausbeutung in der Branche zu bekämpfen und lokalen Fischereibeschäftigten die Möglichkeit zu geben, ihre Anliegen gegenüber den Regierungen vorzubringen.