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Tod eines Fischereibeschäftigten und anschließende Vertuschungsversuche entfachen Wut bei einer ITF-Gewerkschaft in Uruguay

NACHRICHTEN

Der tragische Tod eines peruanischen Fischereibeschäftigten vor der Küste Uruguays erbost die Verkehrsgewerkschaft des Landes, nach deren Meinung Missstände in der internationalen Branche in Bezug auf den Umgang mit Beschäftigten schon zu lange ignoriert werden.

Am 2. November legte die unter portugiesischer Flagge fahrende Verdemilho im Hafen der uruguayischen Hauptstadt Montevideo an. An Bord war ein peruanischer Staatsangehöriger, der gestorben war, nachdem bei ihm Symptome von Covid-19 aufgetreten waren.

Adan Suarez arbeitet für die Verkehrsgewerkschaft, die ihren Sitz in Montevideo hat, und kämpft gegen die nach seinen Worten "grausamen, geradezu entsetzlichen" Bedingungen der Zehntausenden von Fischereibeschäftigten, die in den Hafen kommen, um ihren Fang aus dem Südatlantik abzuladen.

"Wir wissen, dass das Besatzungsmitglied auf dem Schiff seit über 30 Tagen krank war und nicht zur Behandlung an Land gebracht wurde. Sie fischten einfach weiter," so Suarez, der auch die ITF-Kontaktperson für Uruguay ist.

"Der Kapitän weigerte sich, in den Hafen einzulaufen, weil das kranke Besatzungsmitglied Covid-19-Symptome zeigte, und er das Schiff, wenn die Ergebnisse positiv wären, unter Quarantäne hätte stellen müssen. Das hätte bedeutet, dass er den Fang nicht hätte fortsetzen können. Aus diesem Grund lehnte er es einfach ab, in den Hafen zu fahren. So berichten es die anderen Besatzungsmitglieder."

Suarez sagte, der peruanische Fischereibeschäftigte könnte noch am Leben sein, wenn der Kapitän die Gesundheit der Beschäftigten über den Profit gestellt und das kranke Besatzungsmitglied zur ärztlichen Behandlung nach Montevideo gebracht hätte.

Dieser traurige Zielkonflikt ist Ausdruck der gefährlichen Art und Weise, wie Fischereibeschäftigte im Südatlantik behandelt werden.

Als die Gewerkschaft die Beschäftigungsverträge in die Hände bekam, die die Betreiber der Verdemilho der Besatzung aufgezwängt hatten, war selbst sie schockiert, so Suarez.

"Da erklären sie diesen Beschäftigten schwarz auf weiß: 'Du wirst 18 bis 20 Stunden am Tag arbeiten, und zwar jeden Tag', 'du wirst kaum Ruhepausen haben', 'du wirst nicht mehr als 600 Dollar pro Monat verdienen'. Die Besatzungsmitglieder müssen sogar ihre Sozial- und Krankenversicherung selbst bezahlen," berichtet Suarez.

"Besonders schlimm ist, dass ihrem Bericht zufolge verletzte oder kranke Besatzungsmitglieder, die während des Dienstes auf dem Schiff an Land in ein Krankenhaus gebracht werden müssen, selbst bzw. ihre Familien für alle Kosten aufkommen müssen. Das wäre diesem jungen Peruaner auch so gegangen. Anstatt ihn zu unterstützen und für ihn zu sorgen, enthielt sein Arbeitgeber ihm die Behandlung vor und versuchte, ihm das bisschen Geld, das er hatte, wegzunehmen, weil er das Verbrechen begangen hatte, krank zu sein. Es ist widerwärtig."

Suarez zufolge versuchte das Unternehmen sogar, den Tod des Fischereibeschäftigten zu vertuschen und seine Familie zum Schweigen zu bringen.

"Der Bruder des verstorbenen Besatzungsmitglieds will das Unternehmen nun verklagen, weil es dessen Tochter 15.000 Dollar zahlen wollte, wenn sie von einer Klage wegen Fahrlässigkeit und Verletzung von Menschenrechten absehen würde."

Als Land und Hafenstaat kann Uruguay solche Menschenrechtsverletzungen nicht zum Normalfall werden lassen oder sie wissentlich ignorieren. Das wird in unserem Namen nicht geschehen," sagt der sichtlich wütende Suarez.

Die 'Verdemilho' im Hafen

Der Koordinator der ITF-Sektion Fischereiwirtschaft Rossen Karavatchev ist über die Geschehnisse auf der Verdemilho bestürzt, aber nicht überrascht. Er sagt, die Fischgründe um die Atlantikküste Südamerikas seien eine wachsende Brutstätte von Ausbeutung und Menschenrechtsverletzungen.

Ein Teil des Problems in der Region sei auf die umstrittene Fangtätigkeit um die Falklandinseln/Malwinen zurückzuführen.

"Die Situation ist so, dass einige Länder so sehr daran interessiert sind, Fischereirechte zu verkaufen, dass ihnen die offenkundigen Missstände bei der Behandlung von Beschäftigten, die direkt vor ihren Häfen zutage treten, vollkommen gleichgültig sind. Dies ist eine milliardenschwere Branche, und es gibt viele, die von ihr profitieren."

"Das Ergebnis dieser geldgetriebenen Fahrlässigkeit ist, dass die Behörden die Augen vor der Unterbezahlung und Misshandlung sowie vor Gesundheitsschäden und selbst Todesfällen von Beschäftigten an Bord verschließen."

"Ich frage mich, ob die Verbraucher in Europa, Asien und Nordamerika sich dessen bewusst sind, dass der aus dem Südatlantik stammende Fisch, den sie essen, mit dem Blut von ausgebeuteten Fischereibeschäftigten befleckt ist? Die Situation vor der Küste Westafrikas ist ähnlich."

Seit 2018 seien mindestens 17 Besatzungsmitglieder in uruguayischen Gewässern an Bord von ausländischen Fischereifahrzeugen gestorben, so Karavatchev. Acht von ihnen kamen aus Indonesien, vier aus China, zwei aus Peru und einer aus Taiwan.

"Wir danken Adan und der Verkehrsgewerkschaft von Uruguay dafür, ein Licht auf diese Fälle geworfen zu haben. Jeder von ihnen steht für eine Mutter, einen Vater, eine Schwester, einen Bruder, eine Tochter oder einen Sohn, denen der geliebte Mensch aus Profitgier entrissen wurde. In dieser Branche muss um ihretwillen aufgeräumt werden."

 

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