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Australische FedEx-Beschäftigte streiken gegen Ungerechtigkeit und Unsicherheit durch Outsourcing

04 Oct 2021
Bildquelle: TWU, Australien
ITF sichert Unterstützung und weitere globale Maßnahmen gegen unsichere Geschäftspraktiken im Straßentransport zu.

In Australien treten heute [Donnerstag, 30. September 2021] Straßentransportbeschäftigte in FedEx-Niederlassungen in den Ausstand, nachdem sich die Unternehmensleitung wiederholt weigerte, Probleme im Zusammenhang mit der Arbeitsplatzsicherheit und dem Arbeitsschutz anzugehen.

Die Aktion ist Teil einer Reihe von 24-stündigen Arbeitsniederlegungen bei verschiedenen Logistikunternehmen in ganz Australien, die von der ITF-Mitgliedsorganisation Transport Workers' Union (TWU) organisiert werden. Die Beschäftigten protestieren gegen Outsourcing, Teil eines übergreifenden Problems, das durch die unethischen Praktiken der Einzelhandels- und Technologieunternehmen an der Spitze der Lieferketten im Straßentransport verursacht wird. 

Die Streiks signalisieren Unruhe auf der ganzen Welt als Reaktion auf die untragbaren Geschäftsmodelle von Online-Händlern und anderen Großkunden, die oft zu Lasten der Beschäftigungsbedingungen und der Sicherheit im Straßentransport gehen. Laut den Schätzungen der TWU kommt alle zehn Tage ein Lkw-Fahrer auf den Straßen Australiens ums Leben.

"Wir stehen geschlossen an der Seite unserer Kolleginnen und Kollegen in Australien," erklärte ITF-Generalsekretär Stephen Cotton. "Ihr Kampf für Beschäftigungssicherheit ist der, der in der gesamten Branche geführt wird. Online-Einzelhändler und Logistikunternehmen versuchen, Kosten durch Outsourcing und App-basierte Plattformen zu senken. Aber sie schaffen eine schreckliche Unsicherheit für die Beschäftigten und ihre Familien. Hinzu kommt, dass sie den Druck auf das Fahrpersonal erhöhen, länger unter gefährlichen Bedingungen zu arbeiten, was die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer*innen beeinträchtigt."

"Die ITF appelliert an die Unternehmen, die Straßentransportdienste nutzen, sich die verheerenden Auswirkungen ihres Geschäftsmodells bewusst zu machen."

Überwältigende Mehrheit für den Streik

Wie die TWU berichtet, stimmten die Beschäftigten mit sage und schreibe 97 Prozent für den Streik bei FedEx. Die Gespräche scheiterten in der vergangenen Woche, als das Unternehmen Forderungen nach einer Obergrenze für die Beschäftigung externer Arbeitskräfte und einer Arbeitsgarantie für die vorhandenen Beschäftigten vor der Entscheidung über eine Fremdvergabe zurückwies. Das Unternehmen weigerte sich ferner, die gleichen Löhne und Bedingungen für ausgelagerte Arbeitsplätze zu garantieren.

Der Aktion war in der letzten Woche ein Streik von 2.000 Beschäftigten beim Logistikunternehmen StarTrack vorausgegangen. Auch TWU-Mitglieder bei mehreren anderen Unternehmen, darunter Toll, Linfox und Bevchain, stimmten für einen Arbeitskampf. 

Der Onlinehandel setzt etablierte Transportunternehmen zunehmend unter Druck, Tätigkeiten auszulagern und Einschnitte bei den Löhnen und Beschäftigungsbedingungen vorzunehmen. Das Geschäftsmodell dieser Unternehmen – und von App-basierten Lieferplattformen wie Amazon Flex – unterminiert traditionelle Unternehmen, indem es die Beschäftigten wie Selbstständige behandelt, weniger zahlt und keine wirkliche Arbeitsplatzsicherheit bietet. Die Unternehmen behaupten, diese biete den Beschäftigten mehr Flexibilität, aber Untersuchungen von ITF-Gewerkschaften (Australien, Indien) haben ergeben, dass das Fahrpersonal sich unter Druck fühlt, schneller, länger und zu weniger sozialverträglichen Zeiten zu arbeiten. All diese Faktoren erhöhen die Unfallrisiken. Die neuen Geschäftsmodelle sind nachweislich unsicher.

"Es gibt eine einfache Lösung, um diese Abwärtsspirale zu stoppen," erklärte der Sekretär der ITF-Binnenverkehrssektionen Noel Coard. "Die Regierungen müssen mit Gewerkschaften und anderen Akteuren zusammenarbeiten, um sichere Normen für die Bezahlungs- und Beschäftigungsbedingungen festzulegen. Das ist der 'Safe Rates'-Ansatz, der erwiesenermaßen funktioniert. Wenn die Löhne und Beschäftigungsbedingungen einheitlich geregelt sind, müssen die Unternehmen nicht gegen die Rechte der Beschäftigten verstoßen und können stattdessen um die Qualität ihrer Dienstleistungen miteinander konkurrieren."

"Mit 'Safe Rates' sind alle Gewinner. Die Verkehrsunternehmen und ihre Kunden profitieren von einem weniger volatilen Markt. Die Beschäftigten profitieren von besserer Bezahlung und Arbeitsplatzsicherheit, und auf den Straßen gibt es weniger Unfälle."

Aktionswoche für "Safe Rates"

Vom 21. bis 28. Oktober organisiert die ITF eine Aktionswoche für menschenwürdige Arbeit und Sicherheit im Straßentransport. Sie wird die Regierungen auffordern, sichere Frachtsätze (Safe Rates) einzuführen, und an Kunden und Transportunternehmen appellieren, ihre unsicheren und unnachhaltigen Geschäftspraktiken einzustellen. Während der Woche werden Gewerkschaften ihre Solidarität mit ITF-Mitgliedsorganisationen, unter anderem in Australien und Südkorea, zum Ausdruck bringen, die in einen Arbeitskampf verwickelt sind.

Südkorea führte im Jahr 2020 ein "Safe Rates"-System ein, das sich bereits positiv auf die Sicherheit ausgewirkt hat. Große Auftraggeber im Verkehrssektor wollen jedoch, dass das System abgeschafft wird.

"Diese Unternehmen scheinen entschlossen, für kleine Kosteneinsparungen das Leben von südkoreanischen Straßenverkehrsteilnehmern aufs Spiel zu setzen," so Coard. "Sie stellen sich weiterhin blind gegenüber den längerfristigen Vorteilen dieser Art von System."

Unsichere und unnachhaltige Geschäftsmodelle sind die Hauptursache für den weltweiten Fahrpersonalmangel. Während der Aktionswoche werden die ITF und ihre Mitgliedsorganisationen für sichere Frachtsätze als die einzig praktikable Lösung werben. Das 'Safe Rates'-System wurde bereits von Regierungen, Gewerkschaften und Arbeitgebervertreter*innen bei der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) durch die Leitlinien für den Straßentransport unterstützt. Neben der Gewährleistung von sicheren Frachtsätzen geben diese Leitlinien den Regierungen, Transportunternehmen und Kunden die Verantwortung für eine Vielzahl von Normen, die für alle Fahrer*innen unabhängig von ihrem Beschäftigungsverhältnis gelten. Im Einzelnen sind dies:

  • Vereinigungsfreiheit und Recht auf Kollektivverhandlungen;
  • Arbeitsschutzprotokolle, Schulungen und Präventivmaßnahmen;
  • Transparente Dokumentations- und Vergabepraktiken;
  • Ausweitung der Beschäftigung von Frauen durch ein verbessertes Lieferkettenmanagement, das die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die Verhinderung von Gewalt und Belästigung sowie angemessene sanitäre Einrichtungen gewährleistet;
  • Sorgfaltspflicht für Menschenrechte; und
  • Überprüfung und Durchsetzung.

"Als die Gewerkschaft, die Verkehrsbeschäftigte weltweit vertritt, richten wir diese Warnung an das Management von FedEx in Australien sowie an Logistik- und Kundenunternehmen in aller Welt," so Coard. "Dies ist kein lokales Problem. Ihr missbraucht die Veränderungen im Kaufverhalten der Menschen dazu, Verkehrsbeschäftigten und ihren Familien das Leben schwer zu machen. Die Gewerkschaften werden das nicht dulden. Wir haben eine Lösung, die den Beschäftigten eine gerechte Behandlung bietet, die Straßen sicherer werden lässt und die Straßentransportbranche für uns alle nachhaltiger macht."