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Unternehmen können etwas für die Rettung von gestrandeten Seeleuten vor der chinesischen Küste tun

17 Feb 2021
Die MV Christine Oldendorff liegt seit dem 26. August 2020 in Caofeidian in der Bohai-Bucht bei Peking vor Anker. Die Besatzungsmitglieder sitzen nun seit acht Monaten, 20 von ihnen seit mehr als 18 Monaten, an Bord fest, und wollen nur Eins: nach Hause zu ihren Familien.

 

“Es ist teuer, aber es ist das einzig Richtige” - so lautet die Botschaft des globalen Gewerkschaftsverbands für Seeleute. Die ITF fordert die Reedereien auf, die Millionen Dollar zu zahlen, die erforderlich sind, um Seeleute von Schiffen herunterzuholen, die aufgrund des informellen australischen Exportverbots vor der chinesischen Küste gestrandet sind.

“Die Reederei MSC ist mit gutem Beispiel vorangegangen und hat den Charterern und Ladungseignern die anfallenden Kosten und Strafgelder gezahlt, um die Besatzung ihres Schiffes, der Anastasia, zu retten und sie über einen japanischen Hafen aus ihrem sechsmonatigen schwimmenden Gefängnis zu befreien,” erklärte der Präsident der Internationalen Transportarbeiter-Föderation (ITF) Paddy Crumlin.

“Wir rufen alle verantwortlichen Schiffseigner auf, dem Beispiel von MSC zu folgen und diese längst überfälligen Besatzungswechsel durchzuführen. Es wird für diese Reedereien teuer werden, aber es ist absolut notwendig, um die Gesundheit, das Leben und die Menschenrechte dieser Seeleute zu schützen.”

“Mehrere Seeleute auf diesen Schiffen haben in der verzweifelten Absicht, ihr andauerndes Leiden zu beenden, bereits versucht, sich das Leben zu nehmen. Die Gesundheitsbedingungen verschlechtern sich. Auf einigen Schiffen werden die medizinischen Versorgungsgüter knapp.”

“Wir sind sehr besorgt über Berichte, dass in einigen Fällen lokale chinesische Behörden Seeleuten den Zugang zu professioneller medizinischer Versorgung, einschließlich dringend erforderlicher Krankenhausaufenthalte, verwehrt haben,” so Crumlin.

Es wird angenommen, dass mehr als 60 Schiffe immer noch nicht in der Lage sind, ihre aus Australien stammenden Ladungsgüter, wie Kohle, zu entladen und endlich die dringend notwendigen Crewwechsel durchzuführen. Eine steigende Zahl von Seeleuten befindet sich schon länger als ein Jahr an Bord von Schiffen, einige sogar schon 20 Monate. Zwischen drei und sechs Monaten dieser Zeit haben sie wartend vor der chinesischen Küste zugebracht.

Crumlin erklärte, dass China für eine langfristige Lösung noch Protokolle einführen müsse, die die Ablösung aller ausländischen Seeleute ermöglichen. Bis China reguläre Crewwechsel in die Wege geleitet habe, hätten die Reedereien die humanitäre Pflicht, das Leben und Wohlergehen der auf ihren Schiffen beschäftigten Seeleute zu schützen, indem sie die Schiffe in Nachbarländer umleiten, so Crumlin.

“China hat es versäumt, sein Gezerre mit Australien zu beenden und etwas gegen diese von Menschen verursachte humanitäre Katastrophe, die sich nur wenige Kilometer vor seiner Küste abspielt, zu unternehmen. Auch Australien hat zu oft die Politik über das Wohl der Besatzung gestellt. Wir rufen die Branche dazu auf, in die Bresche zu springen, wo die Regierungen versagen: Zeigt Verantwortungsbewusstsein und holt diese verzweifelten Menschen von euren Schiffen. MSC hat bewiesen, dass das möglich ist,“ sagte Crumlin.

ENDE

Hinweise:

  • Für die beiden Schiffe Jag Anand und Anastasia wurde zum Teil durch die engagierte Lobbyarbeit der indischen ITF-Mitgliedsorganisationen NUSI und MUI eine Lösung herbeigeführt.
  • Lies die Erklärung der Reederei MSC über ihre Hilfsmaßnahmen für Seeleute, die seit September vor der chinesischen Küste festsitzen.
  • Chinesische Behörden verwehren Seeleuten den Zugang zu professioneller medizinischer Versorgung und Krankenhausbehandlung:
    • Hierzu schrieb MSC im Dezember 2020
    • Kapitän Tymur Rudov berichtete, dass einem chinesischen Staatsangehörigen an Bord seines Schiffes im Februar 2021 für längere Zeit die Einweisung in ein Krankenhaus verwehrt wurde.
  • Mehrere Seeleute können für Gespräche mit den Medien zur Verfügung stehen. Manche mit Gesicht und Namen, andere nur anonym. Weitere Auskünfte auf Nachfrage beim ITF-Kommunikationsteam.

Über die ITF: Die Internationale Transportarbeiter-Föderation (ITF) ist ein demokratischer, von Mitgliedern geführter Zusammenschluss und als die weltweit führende Institution mit Zuständigkeit für den Verkehrssektor anerkannt. Wir kämpfen leidenschaftlich für die Verbesserung des Arbeitslebens und vernetzen Gewerkschaften aus 147 Ländern miteinander, um Rechte, Gleichheit und Gerechtigkeit für ihre Mitglieder zu sichern. Wir sind Sprachrohr für fast 20 Millionen erwerbstätige Frauen und Männer im Verkehrssektor weltweit, darunter über eine Million Seeleute.

Medienkontakt:                media@itf.org.uk             +44 20 7940 9282