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Erklärung des ITF-Vorstands an die Mitglieder

09 Nov 2020

Die ITF unterstreicht erneut die entscheidende Rolle, die Verkehrsbeschäftigte in der Covid-19-Krise bei der Aufrechterhaltung der Mobilität und Versorgung der Weltbevölkerung spielen, und bekräftigt ihren Mitgliedern, die ihre Gewerkschaften, Familien und Gemeinschaften mit Stolz erfüllen, ihre Solidarität. In dieser beispiellosen Krise halten wir zum Gedenken und zur Ehre derer inne, die in den letzten Monaten ihr Leben verloren haben. In ihrem Namen verpflichten wir uns, weiter für bessere Normen für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz mit einer zentralen Rolle für die Gewerkschaften und Beschäftigten in unseren Sektoren einzutreten.

Unsere mutigen Mitglieder setzen täglich ihr Leben aufs Spiel und sind infolge der Pandemie außerordentlichen Belastungen und psychischen Gesundheitsproblemen ausgesetzt. Verkehrsbeschäftigte halten entlang der Lieferketten wesentliche Dienstleistungen in Gang, sind aber in allen Sektoren mehr denn je dem Risiko der Ausbeutung ausgesetzt. Nach wie vor sind Beschäftigte ohne Arbeit oder Zugang zu den Sozialleistungen, die ihnen zustehen. Davon sind Beschäftige in prekären, informellen und atypischen Beschäftigungsverhältnissen, insbesondere Frauen und junge Menschen, überproportional betroffen.

Zu Beginn der Krise legte die ITF die notwendigen Maßnahmen dar, die Arbeitgeber und Regierungen in jedem Verkehrssektor und entlang der gesamten Lieferkette zum Schutz der Beschäftigten, der Bevölkerung und der Wirtschaft ergreifen müssen.

Gemeinsam mit unseren Sozialpartnern haben wir Lösungen zur Bewältigung der Crewwechsel-Krise erarbeitet. Dennoch sind immer noch 400.000 Seeleute auf See gefangen, getrennt von ihren Familien und jenseits des Limits der sicheren Schifffahrt. Wir engagieren uns unermüdlich für sie und sagen "Genug ist genug!". Gleichzeitig führen wir Organisierungsmaßnahmen und Kampagnen für die uns angeschlossenen Beschäftigten bei den Bahnen und im öffentlichen Verkehr durch, die ihre Gesundheit und ihr Leben für den Schutz anderer riskieren, und für unsere Lkw-Fahrer*innen, die dazu genötigt sind, noch länger und härter zu arbeiten. Der Luftverkehrssektor befindet sich in einer Krise, aber wir haben eine Roadmap für den Schutz von Arbeitsplätzen und Normen und den Aufbau einer zukunftsfähigen und nachhaltigen Branche.

Während manche Regierungen und Arbeitgeber Führung bewiesen haben, sind andere untätig geblieben. In manchen Fällen sind wir sogar damit konfrontiert, dass staatliche Hilfsprogramme bei gleichzeitigem Angriff auf Beschäftigungsbedingungen missbraucht werden. Die übereilte Einführung digitaler Technologien und Plattformdienste ohne Konsultationen wirkt sich indessen massiv auf Arbeitsplätze und Beschäftigungsbedingungen aus, wovon junge und weibliche Beschäftigte überproportional betroffen sind.

Erst diese Woche wurden 13 Bahnbeschäftigte aus unseren Mitgliedsorganisationen in Thailand zu drei Jahren Haft und hohen Geldstrafen verurteilt, nur weil sie versucht hatten, die nationalen Maßnahmen zur Verbesserung der Bahnsicherheit zu verbessern. Heute fordern wir ein Ende der Tatenlosigkeit und der Nutzung von Covid-19 als Vorwand für Angriffe auf Arbeitnehmer*innenrechte durch die Regierungen.

Das globale Wirtschaftsmodell hat für erwerbstätige Männer und Frauen versagt. Wir fordern eine nachhaltigere Umwelt-, Sozial- und Governance-Politik. Unsere Lösungen sind realistisch und gerecht, und sie müssen übernommen werden, wenn wir unsere Gesellschaften und Volkswirtschaften schützen wollen.

Parallel zu unserem weiteren Einsatz für branchenweite Lösungen leiten wir die nächste Phase unserer Krisenreaktion zum Schutz unserer Mitglieder ein.

Wir haben einen Plan zur Verteidigung von Arbeitsplätzen, Einkommenssicherheit und Arbeitnehmer*innenrechten und stellen eine Vision für nachhaltigen Verkehr ins Zentrum der Maßnahmen zur wirtschaftlichen Erholung.

Wir haben einen Plan für die Umsetzung universeller Gesundheits- und Sicherheitsnormen in allen Verkehrssektoren, unter der aktiven Beteiligung der Beschäftigten an innerbetrieblichen Entscheidungsprozessen.

Wir haben ferner einen Plan zur Stärkung unserer Mitglieder, einschließlich weiblicher, junger und informell Beschäftigter im Verkehrssektor, in Zusammenarbeit mit gesellschaftlichen Bündnispartnern. Unsere Botschaft an bedrohte Verkehrsbeschäftigte ist einfach: Tretet einer Gewerkschaft bei und stärkt euren Einfluss.

Die ITF ist Teil einer immer noch wachsenden globalen Bewegung. Gemeinsam mit unseren globalen Schwesterorganisationen und dem Internationalen Gewerkschaftsbund (IGB), der über 200 Millionen Beschäftigte vertritt, sind wir mehr denn je der internationalen Solidarität verpflichtet. Gewerkschaften verschaffen Beschäftigten Einfluss, und wir sind ihr internationales Sprachrohr.

Heute fordern wir ein Ende der unnötigen Risiken, mit denen Verkehrsbeschäftigte konfrontiert sind. Auf regionaler und internationaler Ebene appellieren wir an die Vereinten Nationen, mehr für den Schutz der Männer und Frauen zu tun, die mit ihrer Arbeit die Welt in Bewegung halten.

Auf nationaler Ebene fordern wir Regierungen und Arbeitgeber dazu auf, sich mit uns an einen Tisch zu setzen. Hört unsere Forderungen und die unserer Gewerkschaften und handelt, zeigt Führungsstärke für die Sicherung menschenwürdiger Arbeitsplätze und den Erhalt und die Umschulung von Arbeitskräften, um auf die Herausforderungen der Covid-19-Pandemie zu reagieren.

Wir, die ITF, haben Pläne, mit denen wir als eine stärkere und gerechtere Gesellschaft aus dieser Krise hervorgehen können.