Springe zum Hauptinhalt

Beschäftigte im öffentlichen Verkehr prägen neue Agenda bei der Internationalen Arbeitsorganisation

13 Sep 2021
In dieser Woche präsentieren Beschäftigte und Gewerkschaften beim ersten sozialen Dialog der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) über den öffentlichen Verkehr seit den 1960er Jahren eine transformative Agenda.

In dieser Woche findet eine IAO-Fachtagung zu menschenwürdiger und nachhaltiger Arbeit im Personennahverkehr statt, zu der einige Delegierte persönlich nach Genf (Schweiz) reisen, während andere per Fernzuschaltung aus der ganzen Welt teilnehmen.

IAO-Fachtagungen sind dreigliedrige Beratungen, die einem bestimmten Sektor oder Thema gewidmet sind und Handlungsaufforderungen für Regierungen, Arbeitgeber, Gewerkschaften und die IAO selbst zu diesem Thema erarbeiten. Seit dem Jahr 1965 hat die IAO keine einzige Fachtagung zum Thema öffentlicher Verkehr ausgerichtet.

"Die Beschäftigten im öffentlichen Verkehr waren in nahezu allen Ländern an vorderster Front der Pandemie im Einsatz und hielten lebenswichtige Dienste aufrecht, damit andere, wie Pflegepersonal und Ärzte, ihre Arbeit machen konnten. Viele Beschäftigte sind in Ausübung ihrer Pflicht gestorben, um die Verbindungen zwischen unseren Städten zu gewährleisten," erklärte Wol-san Liem, die in dieser Woche die Arbeitnehmerdelegation leitet.

"Fast zwei Jahre nach Beginn der Covid-19-Pandemie könnte es keinen wichtigeren Zeitpunkt für Regierungen, Arbeitgeber und Gewerkschaften geben, sich zusammenzusetzen und die Herausforderungen für menschenwürdige Arbeit im öffentlichen Verkehrssektor weltweit zu erörtern," so Liem.

Die Fachtagung wird eine Reihe von wichtigen Fragen in Bezug auf den öffentlichen Verkehr thematisieren und darüber hinaus als Reaktion auf die verheerenden Auswirkungen der Covid-19-Pandemie einen Fokus auf das Thema Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz setzen. Des Weiteren werden die folgenden Themen behandelt: die Ausweitung informeller Beschäftigung und atypischer Beschäftigungsformen, unter anderem durch die Gig Economy, geschlechtsspezifische berufliche Segregation, die Auswirkungen neuer Technologien, die Rolle des Sektors bei der Reduzierung von Treibhausgasen, die Folgen von Auslagerung und Unterauftragsvergabe sowie neue Tendenzen zu Insourcing und Rekommunalisierung.

Als globaler Gewerkschaftsverband für Verkehrsbeschäftigte ist die ITF der wichtigste Impulsgeber in der Arbeitnehmerdelegation für die Fachtagung. Wie bereits erwähnt wird die Delegation geleitet von Wol-san Liem, der Leiterin der Abteilung für internationale Angelegenheiten der Koreanischen Gewerkschaft der Angestellten bei öffentlichen Diensten und Verkehr (KPTU) und stellvertretenden Vorsitzenden des ITF-Ausschusses für öffentlichen Personennahverkehr. Ihr gehören ferner Vertreter*ìnnen einiger der wichtigsten ITF-Mitgliedsorganisationen im Sektor an. Der Internationale Gewerkschaftsbund (IGB), die Internationale der Öffentlichen Dienste (IÖD) und das Global Labour Institute (GLI) sind ebenfalls in der Delegation vertreten.

In dieser Woche wird die Arbeitnehmerdelegation zwei Entschließungen für eine dreigliedrige Vereinbarung einbringen. Die erste fordert eine von den Beschäftigten geleitete Formalisierung informeller Dienstleistungen und Arbeitsplätze, um den Beschäftigten im öffentlichen Verkehr in vielen Städten des globalen Südens den Zugang zu grundlegenden Arbeitsrechten, menschenwürdigen Arbeitsplätzen und einem gerechten Übergang zu sichern. Der zweite unterstreicht die Notwendigkeit für die Regierungen, wieder in den öffentlichen Verkehr zu investieren, um die wirtschaftliche Erholung von der Pandemie voranzutreiben und den Kampf gegen die Klimakatastrophe zu unterstützen.

Darüber hinaus wird sich die Delegation nachdrücklich für ein auf Rechte zentriertes öffentliches Verkehrskonzept stark machen, das den öffentlichen Verkehr als eine grundlegende Dienstleistung anerkennt, zu der alle Menschen gleichen Zugang haben sollten. Dies umfasst den Schutz der grundlegenden Rechte aller Arbeitnehmer*innen des Sektors, einschließlich weiblicher und junger Beschäftigter in privaten und Subunternehmen, im Bereich informeller Dienstleistungen und der Gig Economy.

"Wir freuen uns auf eine konstruktive und fruchtbare Zusammenarbeit mit den Delegationen der Regierung und der Arbeitgeber und auf die Verabschiedung von Schlussfolgerungen und Entschließungen, die in den kommenden Jahren und Jahrzehnten Arbeitsplätze und Dienstleistungen in einem florierenden öffentlichen Verkehrssektor unterstützen können," erklärte Liem.