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Seeleute prangern Beschäftigungsbedingungen an Bord von Schiffen der Blumenthal-Flotte an

22 May 2019
Presseerklärung
Berichte ehemaliger und noch berufstätiger Seeleute über Ausbeutung auf Schiffen der Reederei Blumenthal geben Anlass zu großer Besorgnis über das Wohlbefinden und die Rechte der auf der globalen Flotte des Unternehmen beschäftigten Besatzungsmitglieder.


Derzeitige und ehemalige Crewmitglieder haben sich an die Internationale Transportarbeiter-Föderation (ITF) gewandt und erschreckende Aussagen über Einschüchterungsversuche, Bedrohungen und missbräuchlichen Bedingungen an Bord der Weltflotte des deutschen Schifffahrtsunternehmens gemacht.

"Die Seeleute sprachen von schrecklicher Ausbeutung und Diskriminierung auf Schiffen der Blumenthal-Flotte, Praktiken, die in der Schifffahrtsindustrie unhaltbar sind," kritisiert die ITF-Koordinatorin für maritime Industrien Jacqueline Smith.

Die Blumenthal-Whistleblower, die aus Angst vor Repressalien um Anonymität gebeten haben, schilderten Fälle von Zwangsüberstunden, Zurückhaltung von Heuern, Diskriminierung aufgrund der Staatsangehörigkeit und mangelnden Versorgungsgütern, wie Lebensmittel und Wasser.

"Wir werden gezwungen, mehr als die normalen Arbeitsstunden zu leisten und diese Überstunden werden nicht bezahlt ... Maschinenraum-Mannschaftsdienstgrade werden zu Vertäuungsarbeiten eingesetzt, und wenn etwas Schlimmes passiert, werden die betroffenen Besatzungsmitglieder nicht entschädigt. Jede Menge nicht bezahlter Zusatzaufgaben ... Wir erhalten Festheuern. Selbst wenn wir also viele Überstunden leisten und zusätzliche Arbeiten durchführen, wird uns jeden Monat derselbe Betrag ausgezahlt," so ein aktuell bei Blumenthal beschäftigter Seemann.

"Sie zwingen uns auch, vor dem Einlaufen in einen Hafen mit einer starken ITF-Gewerkschaft eine Erklärung zu unterzeichnen, dass wir, die Besatzung eines bestimmten [Blumenthal-]Schiffs der Gewerkschaft nicht beitreten wollen. Sie drohen, uns zu verklagen, wenn wir der Gewerkschaft etwas sagen."

"Auch die Verpflegung ist miserabel. Sie liefern uns Vorräte für einen Monat und strecken sie auf zwei Monate. Gemüse ist nur begrenzt vorhanden, und manche Früchte und Lebensmittel erhalten nur die Offiziere. Die Heuern werden immer zu spät ausgezahlt, und es gibt an Bord keinen Vorschuss," fügte er hinzu.

Ein Besatzungsmitglied eines anderen Schiffs der Blumenthal-Flotte klagte über mangelnde Grundversorgungsgüter: "Wir haben nur eine Kiste mit Wasser [übrig], und jetzt schlägt uns der Kapitän vor, Wasser aus dem Wassertank zu trinken, aber das ist noch nicht einmal gut genug fürs Waschen."

Ehemals bei Blumenthal beschäftigte Seeleute drängten die ITF, die Art und Weise, wie Blumenthal Besatzungsmitglieder behandelt, an die Öffentlichkeit zu bringen. Einer sagte:"Solche [Arbeitgeber] sollten bloßgestellt werden. Sie bringen der Besatzung, die für sie schuftet und sich abrackert, nicht den geringsten Respekt entgegen." Ein anderer sagte: "Bitte bleibt solchen Betreibern weiter auf den Fersen. Sie haben in der Schifffahrtsbranche nichts zu suchen."

Diese beunruhigenden Aussagen stehen in einer Reihe mit der Arrestierung der von Blumenthal bereederten Anna Elisabeth in Port Kembla in Australien am 26. März 2019, nachdem eine Inspektion schwerwiegende Mängel im Hinblick auf die Besatzungsstärke, die Heuerverträge, die Gewährung von Landgang und Lebensmittelbevorratung aufgedeckt hatte.

Die ITF hat heute die deutsche Bundesregierung und die Schifffahrtsindustrie dazu aufgerufen, sich der ITF anzuschließen und die Behandlung der Seeleute bei Blumenthal aufs Schärfste zu verurteilen.

"Wir sprechen hier von einer grundlegenden Missachtung der Rechte dieser Seeleute. Für die Arbeit, die sie leisten, bezahlt zu werden. Nahrungsmittel zu erhalten. Das Recht auf Vereinigungsfreiheit und Vertretung durch eine Gewerkschaft in Anspruch zu nehmen," so Smith.

"Wir appellieren heute mit Nachdruck an die deutsche Regierung, Charterer und weitere Akteure in den maritimen Industrien, die Ausbeutung dieser Beschäftigten durch Blumenthal zu verurteilen und den Vorstandschef des Unternehmens Dr. Matthias-K. Reith dazu aufzufordern, die Achtung der Rechte und Freiheiten der Seeleute und gute Beschäftigungsbedingungen sicherzustellen."

 

KONTAKT:
Luke Menzies | (+61433) 889 844
Sven Hemme | (+491512) 703 73 84

 

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