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Gewerkschaften werfen Ryanair bei angekündigtem Stellenabbau Unehrlichkeit vor

06 Aug 2019
Presseerklärung
Der von Ryanair angekündigte Stellenabbau erfolgt nach Meinung gewerkschaftlicher Führungskräfte in erster Linie in der Absicht, die Beschäftigten einzuschüchtern, und hat nur wenig mit betriebsbedingten Gründen zu tun.

Ryanair gab in dieser Woche bekannt, bis zu 900 Arbeitsplätze zu streichen, und führte als Rechtfertigung die späte Auslieferung der wegen Fehlfunktionen gesperrten Boeing 737 MAX 8, steigende Treibstoffpreise, niedrigere Flugpreise und den drohenden No-Deal-Brexit an.  

Diese Gründe sind für die Spitzengewerkschafter*innen nicht überzeugend.  Angesichts der Tatsache, dass die Fluggesellschaft gleichzeitig ein Passagierwachstum von 3 % innerhalb der nächsten zwölf Monate prognostiziert, kann sie die vorhandenen Stellen erhalten und alle negativen Auswirkungen durch interne Stellenwechsel auffangen.  Tatsächlich gibt das Unternehmen nach wie vor regelmäßig Stellenanzeigen auf.  Die Gewerkschaften vermuten als wahren Grund für die Ankündigung den opportunistischen Versuch, Kollektivverhandlungen zu untergraben.

Dazu Steve Cotton, der Generalsekretär der Internationalen Transportarbeiter-Föderation (ITF):  “Ryanair behauptet, jetzt ein gewerkschaftlich organisiertes Unternehmen zu sein, aber wir fragen uns, ob diese angedrohten Stellenstreichungen wirklich ernst zu nehmen sind. Es ist auffällig, dass dieser Stellenabbau genau zu dem Zeitpunkt angekündigt wird, wo Piloten und Pilotinnen in Großbritannien und Irland über einen Streik abstimmen. Im letzten Jahr reagierte Ryanair mit ähnlichen Drohungen auf den Pilotenausstand in Irland. Es sieht so aus, als würde die Fluggesellschaft erneut Drohungen einsetzen, um das Streikrecht zu unterlaufen.”

Im vergangenen Jahr hatte Ryanair als Reaktion auf die Gründung einer neuen Kabinenpersonalgewerkschaft in Polen taktisch versucht, die Gewerkschaften zu schwächen.  So wurden dort alle Besatzungsmitglieder gezwungen, Verträge abzuschließen, die sie als Selbständige einstuften und ihnen den Anspruch auf zahlreiche Aspekte der gewerkschaftlichen Vertretung nahmen. Auf dieser Grundlage lehnte die Fluggesellschaft dann alle Gespräche mit der Gewerkschaft ab.

Ryanair hat sich vor kurzem eine neue Unternehmensstruktur gegeben. Unter dem Dach der Gruppe sind nunmehr fünf verschiedene Airlines zusammengefasst. Nach Aussage des Unternehmens werden diese Fluggesellschaften miteinander um Flugzeuge und folglich auch um Arbeitsplätze konkurrieren müssen.  Die Gewerkschaften befürchten, dass hart erkämpfte Verbesserungen der Bezahlungs- und Beschäftigungsbedingungen nun bedroht sind, da Ryanair versucht, seine Beschäftigten mit Arbeitsplatzunsicherheit einzuschüchtern.

Erst letzte Woche haben die ITF und die Europäische Transportarbeiter-Föderation (ETF) in einem Schreiben an O‘Leary eine Vertretung der Beschäftigten auf Vorstandsebene gefordert.  In anderen Unternehmen hat sich gezeigt, dass eine solche Vertretung Arbeitsnormen schützt und dafür sorgt, dass alle Stellenstreichungen ordnungsgemäß geprüft und verhandelt werden.

ETF-Generalsekretärin Livia Spera erklärte: “Ryanair muss einsehen, dass es nicht länger einseitig handeln kann, ohne von seinen Beschäftigten und deren Gewerkschaften zur Rechenschaft gezogen zu werden. Wir haben wiederholt angeboten, mit dem Unternehmen zusammenzutreffen und über seine Zukunft zu beraten. Dieses Angebot steht noch, wenn Ryanair sich ernsthaft über aktuelle und zukünftige Fragen der Arbeitsbeziehungen auseinandersetzen will.”

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