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Gemeinsame Erklärung von ITF und JNG über die Rechte von Seeleuten und die aktuelle Crewwechsel-Krise

06 Oct 2020

Über unsere Branche werden 90 Prozent des Welthandels abgewickelt. Historisch gesehen waren wir entscheidend an der Entwicklung von Volkswirtschaften und des globalen Wohlstands beteiligt. Nach wie vor sind wir der Lebensnerv der Weltwirtschaft und Schlüssel für den künftigen Wiederaufschwung, einschließlich der Arbeitsplätze von Milliarden von Menschen, im Rahmen der weltweiten Reaktion auf Covid-19.

Aber unsere Branche kann nur dabei helfen, die Welt aus dieser Pandemie zu führen und ihre lebensnotwendigen Güter zu befördern, wenn die Beschäftigungsbedingungen auf Schiffen den internationalen Seeverkehrsvorschriften entsprechen. Denn diese Bestimmungen bürgen für die Gesundheit, die Sicherheit, den Schutz und das Wohlergehen derer, die das Herzstück unserer Branche darstellen: die Seeleute der Welt.

Seeleute brauchen eine Branche, die sie, ihre Leistung und ihre Menschenrechte wertschätzt. Seeleute brauchen freie, gerechte und sichere Arbeitsplätze.

Die maritimen Arbeitgeber, die der Gemeinsamen Verhandlungsgruppe der Reeder (JNG) angehören, arbeiten unermüdlich und mit erheblichem finanziellem Aufwand daran, Crewwechsel zu ermöglichen. Dennoch sitzen immer noch über 400.000 Seeleute aufgrund der von zahlreichen Regierungen verhängten Grenz- und Reiserestriktionen und der knappen Verfügbarkeit von internationalen Flügen infolge der Pandemie weltweit an Bord von Schiffen fest und sind dazu genötigt, ihre ursprünglich vereinbarte Dienstzeit zu überschreiten.

Gemeinsam rufen wir Reeder, Befrachter, Schiffsverwaltungen, Bemannungs- und Heueragenturen sowie alle anderen Akteure dazu auf, sich dazu zu verpflichten, Seeleute nicht unter Druck zu setzen und auf irgendeine Weise dazu zu zwingen, ihre Verträge zu verlängern. Darüber hinaus sollten sie Seeleuten auch nicht die Möglichkeit zur Wahrnehmung ihres Menschenrechts nehmen, ihre Arbeit zu beenden, von Bord zu gehen und nach Hause zurückzukehren.

Dazu der Vorsitzende der IMEC Kapitän Belal Ahmed: "Es ist wichtig, dass Seeleute nicht dafür benachteiligt werden, dass sie für ihre Interessen einstehen, wenn sie ihre vertragliche Dienstzeit beendet haben, und psychisch und physisch nicht mehr dazu in der Lage sind, ihre Arbeit sicher fortzusetzen."

Wir rufen Ladungseigentümer/Schiffsbetreiber, Befrachter und Schiffsmakler dringend zum Abschluss von Charterverträgen auf, die Reedern/Managern die Flexibilität geben, ohne Verhängung von Sanktionen Schiffe zu Häfen umzuleiten, wo Crewwechsel möglich sind. 

ITF-Generalsekretär Stephen Cotton erklärte, die Föderation und ihre Mitgliedsorganisationen appellierten an alle Interessensgruppen der Branche, wo immer es ihnen möglich sei, Verantwortung für die Unterstützung von Besatzungswechseln zu übernehmen.

"Seeleute haben eine reale Angst, dass ihre Berufslaufbahn beendet sein könnte, wenn sie den Mund aufmachen und sich für ihre Interessen einsetzen. Die Angst, auf die schwarze Liste gesetzt zu werden, hält sie davon ab, ihre eigenen Arbeits- und Menschenrechte geltend zu machen. Angesichts der psychischen und physischen Erschöpfung aufgrund der verlängerten Dienstzeit an Bord ist es für Seeleute in dieser Crewwechsel-Krise wichtiger denn je, ihre Stimme erheben zu können. Wir werden mit aller Härte gegen all diejenigen in der Branche vorgehen, die glauben, sie könnten es sich erlauben, Seeleute zu schikanieren, die ihr Recht auf Ablehnung von Vertragsverlängerungen wahrnehmen. Ein solches Verhalten ist in unserer Branche fehl am Platz," so Cotton.

Alle Akteure im maritimen Sektor haben die Pflicht und die Verantwortung, die schlimme Lage der Seeleute in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken. Vor allem aber haben die internationalen Führungskräfte die Verantwortung, das Engagement und den Einsatz von Seeleuten in dieser beispiellosen Pandemie anzuerkennen und der Tatsache Rechnung zu tragen, dass ihre Notlage nicht länger ignoriert werden darf.


Belal Ahmed
Vorsitzender
International Maritime Employers' Council (IMEC)

Stephen Cotton
Generalsekretär
Internationale Transportarbeiter-Föderation (ITF)