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Lebensgefahr für Seeleute im Hungerstreik

26 Jan 2021
Presseerklärung

Im Hafen von Shuaiba (Kuwait) befinden sich Seeleute aus Indien, der Türkei, Aserbaidschan und Bangladesch seit über zwei Wochen im Hungerstreik. Die zurückgelassene Besatzung des Massengutfrachters Ula (IMO-Nummer: 8102414) begann ihren Hungerstreik am 7. Januar im verzweifelten Bestreben, vom Schiff herunterzukommen und die über 400.000 USD an Heuern zu erhalten, die der Reeder ihnen schuldet.

Sechs der Besatzungsmitglieder mussten bereits zur Stabilisierung ihres Blutdrucks und Zuckerspiegels im Krankenhaus behandelt werden und wurden anschließend auf das Schiff zurückgebracht. Es besteht Gefahr für das Leben der Seeleute, wenn sie weiterhin Nahrung und Wasser verweigern.

“Die kuwaitischen Behörden müssen dringend handeln, um zu verhindern, dass sich diese Seeleute mit dem Hungerstreik das Leben nehmen. Es waren zwar der katarische Reeder und der Flaggenstaat Palau, die diese Seeleute im Stich gelassen haben, aber wir fordern Kuwait auf, bei der Lösung dieser Krise Verantwortung zu übernehmen,” so der Koordinator des Netzwerks für die arabische Welt und den Iran bei der Internationalen Transportarbeiter-Föderation (ITF) Mohamed Arrachedi.

“Die meisten der Besatzungsmitglieder sind seit 14 Monaten an Bord des Schiffes - einige haben mittlerweile über zwei Jahre an Bord verbracht. Diese Seeleute bitten Kuwait lediglich darum, sie durch einheimische Besatzungsmitglieder zu ersetzen, damit sie zu ihren Familien zurückkehren können.

Vor elf Monaten wurde die Besatzung vom katarischen Reeder der MV Ula, Aswan Trading and Contracting, im Stich gelassen. Assuan steht seit 2017 auf der schwarzen Liste.

Der Verlust ihrer Arbeitsplätze und Einkommen sowie die aussichtslose Situation infolge ihrer Zurücklassung haben die Seeleute dazu gezwungen, für ihre ausstehenden Heuern zu kämpfen. Sie sagen, ihre Familien können es sich nicht leisten, dass sie mit leeren Händen von Bord gehen.

“Meine Mutter, mein Vater, meine Schwester und mein jüngerer Bruder sind auf meinen Unterhalt angewiesen, seit mein Vater aufgrund der Covid-19-Pandemie seine Arbeit verloren hat,” berichtete einer der Seeleute der ITF. “Ich habe jetzt also als Einziger Arbeit, aber mir wurden seit elf Monaten keine Heuer mehr ausbezahlt. Wir haben einen Kredit aufgenommen, aber wir können ihn nicht zurückzahlen.”

Wenn ein Schiff zurückgelassen wird, schaltet sich normalerweise der Flaggenstaat des Schiffes ein und ergreift Maßnahmen, um das Leben der Besatzung zu schützen und sicherzustellen, dass alle ausstehenden Heuern gezahlt werden.

“Palau ist seiner Pflicht nicht nachgekommen,” kritisiert Arrachedi. “Die ITF hat wiederholt auf die fehlenden Vorräte und die ausstehenden Löhne hingewiesen, aber es wurde nichts unternommen.”

Palau trug das Schiff im September 2020 aus dem Flaggenregister aus, so dass es nun flaggenlos ist. Die Forderungen der Crew wurden bis heute nicht erfüllt.

“Da das Schiff keine Flagge mehr hat, ist es nun Aufgabe der kuwaitischen Schifffahrtsbehörde, eine Lösung herbeizuführen. Kuwait hat die rechtliche und moralische Verantwortung, diese Seeleute zu retten, solange noch Zeit ist. Wie immer steht die ITF auf Abruf bereit, um auf jede erdenkliche Weise zu helfen,” so Arrachedi.

ENDE

Über die ITF: Die Internationale Transportarbeiter-Föderation (ITF) ist ein demokratischer, von Mitgliedern geführter Zusammenschluss und als die weltweit führende Institution mit Zuständigkeit für den Verkehrssektor anerkannt. Wir kämpfen leidenschaftlich für die Verbesserung des Arbeitslebens und vernetzen Gewerkschaften aus 147 Ländern miteinander, um Rechte, Gleichheit und Gerechtigkeit für ihre Mitglieder zu sichern. Wir sind Sprachrohr für fast 20 Millionen erwerbstätige Frauen und Männer im Verkehrssektor weltweit, darunter über eine Million Seeleute.

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