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Führungsspitzen globaler Verkehrsorganisationen drängen bei der UNO auf eine Beendigung der humanitären Krise für die Beschäftigten in den Lieferketten

04 Oct 2021
Presseerklärung
Bildquelle: Kapitän Angelo U. Panganiban
IATA, ICS, IRU und ITF warnen in einem Brief vor dem "Zusammenbruch" des globalen Verkehrssystems.

Internationale Organisationen und Gewerkschaften aus den Bereichen Straßentransport, Luft- und Seeverkehr haben die Regierungschefs der Welt, die diese Woche auf der Generalversammlung der Vereinten Nationen zusammentreffen, am 29. September 2021 aufgefordert, eine globale humanitäre Lieferkettenkrise zu beenden.

In einem offenen Brief, der am Tag der Generaldebatte der UN-Vollversammlung in New York veröffentlicht wurde, appellieren die Internationale Straßentransport-Union (IRU), der Internationale Luftverkehrsverband (IATA), die Internationale Schifffahrtskammer (ICS) und die Internationale Transportarbeiter-Föderation (ITF) nachdrücklich an die Regierungschefs der Welt, die Freizügigkeit der Verkehrsbeschäftigten wiederherzustellen.

Die Verkehrsbeschäftigten haben während der Pandemie den Welthandel aufrechterhalten, aber die Pandemie hat einen erheblichen menschlichen Tribut gefordert. Auf dem Höhepunkt der Crewwechsel-Krise konnten 400.000 Seeleute ihre Schiffe nicht verlassen, einige arbeiteten bis zu 18 Monate über ihre ursprünglichen Verträge hinaus. Der Flugverkehr ist eingeschränkt und Luftverkehrsbeschäftigte sehen sich mit uneinheitlichen Grenz- und Reisebestimmungen, Beschränkungen und Impfvorschriften konfrontiert. Zusätzliche, systembedingte und unvorhersehbare Kontrollen an den Straßengrenzübergängen haben dazu geführt, dass Lkw-Fahrer*innen gezwungen sind, manchmal zu Tausenden und wochenlang in unhygienischen Verhältnissen ohne angemessene Einrichtungen zu warten, bevor sie ihre Fahrt beenden und nach Hause zurückkehren können.

 

Die globalen Lieferketten beginnen einzubrechen, da die seit zwei Jahren andauernde Belastung der Verkehrsbeschäftigten ihre Spuren zeigt. Die Spitzenvertreter des Verkehrssektors warnten, dass die Staaten weder auf ihre Forderungen eingegangen seien noch entschiedene und koordinierte Maßnahmen ergriffen hätten, und forderten die Staatschefs auf, die Schuldzuweisungen innerhalb und zwischen den Regierungen zu beenden und die Krise zu lösen, bevor die bevorstehende Weihnachtszeit die Nachfrage nach Gütern wieder ansteigen lässt und die Lieferketten noch weiter unter Druck setzt.

Die Organisationen repräsentieren einen Welthandel von mehr als 20 Billionen Dollar pro Jahr, 65 Millionen Verkehrsbeschäftigte weltweit, mehr als 3,5 Millionen Straßentransportunternehmen und Fluggesellschaften und mehr als 80 Prozent der Welthandelsflotte.

Der Brief enthält die folgenden Forderungen:

  • Verkehrsbeschäftigte sollen vorrangig mit von der WHO anerkannten Impfstoffen versorgt werden;
  • die Schaffung eines standardisierten Verfahrens für den Nachweis von Gesundheitsdaten; und
  • die Thematisierung dieser Anliegen auf der UN-Generalversammlung und bei nationalen Regierungen durch die WHO und die Internationale Arbeitsorganisation (IAO).

In allen Verkehrssektoren herrscht zudem ein Arbeitskräftemangel, und es ist zu erwarten, dass aufgrund der schlechten Behandlung, die Millionen von Beschäftigten während der Pandemie erfahren haben, noch mehr ihren Beruf aufgeben werden, wodurch die Lieferkette noch stärker gefährdet ist.

Seit Beginn der Pandemie waren Verkehrsministerien nicht dazu in der Lage, in Zusammenarbeit mit den Gesundheitsministerien für Verkehrsbeschäftigte Erleichterungen bei den Reisebeschränkungen herbeizuführen. Solange die Regierungsverantwortlichen nichts ändern, wird die humanitäre Lieferkettenkrise auf unbestimmte Zeit andauern und weiteres Leid verursachen.

Dazu Guy Ryder, der Generaldirektor der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO): "Dieses Thema wurde letztes Jahr auf der UN-Generalversammlung von Generalsekretär Antonio Guterres angesprochen, und es ist entscheidend, dass sich die Delegierten bei der diesjährigen Versammlung in New York ihrer Verantwortung bewusst sind. Es ist von großer Bedeutung, dass die Spitzen der Organisationen, die Millionen von Verkehrsbeschäftigten weltweit vertreten, die Regierungen aufgefordert haben, dringend Maßnahmen zu ergreifen und die Beschränkungen aufzuheben, die eine unglaubliche Belastung für die Beschäftigten, ihre Familien und die globale Lieferkette darstellen. Es ist ein Appell, der nicht länger ignoriert werden darf."

ICS-Generalsekretär Guy Platten erklärte:
"Zwei der Themen der diesjährigen Generalversammlung sind Menschenrechte und Resilienz. Angesichts der unbeschreiblichen Belastbarkeit, die die Verkehrsbeschäftigten angesichts der immensen Schwierigkeiten demonstriert haben, fordern wir die Vereinten Nationen und die Staatsoberhäupter auf, endlich entschiedene und koordinierte Maßnahmen zur Lösung dieser Krise zu ergreifen."

Willie Walsh, der Generaldirektor der IATA, sagte: "Während der letzten 18 Monate haben die Beschäftigten im Luftverkehr mit erstaunlichem Durchhaltevermögen dafür gesorgt, dass die Welthandelsrouten offenbleiben. Das wurde ihnen durch unkoordinierte, uneinheitliche und bisweilen widersprüchliche Covid-19-Maßnahmen der Regierungen unnötig erschwert. Dies ist nicht nachhaltig, insbesondere wenn die Nachfrage beim Wiederaufschwung steigt. Es ist an der Zeit, dass die WHO und die IAO die Staaten zu einer Vereinbarung über ein weltweit harmonisiertes Maßnahmenpaket für Crews zusammenbringen, das eine effiziente globale Konnektivität ermöglicht."

ITF-Generalsekretär Steve Cotton erklärte:
"Die Verkehrsbeschäftigten haben die weltweiten Lieferketten und die Mobilität der Menschen aufrechterhalten, obwohl sie von den Staats-und Regierungschefs der Welt im Stich gelassen wurden. Trotz Grenzschließungen, der Unmöglichkeit ihrer Heimkehr, fehlendem Zugang zu Gesundheitsversorgung, restriktiven Quarantänebestimmungen und der völligen Unsicherheit aufgrund der Unfähigkeit der Regierungen haben sie weitergearbeitet. Offen gesagt, sie haben die Nase voll. Es ist an der Zeit, dass die Regierungsspitzen auf die Bedürfnisse dieser Beschäftigten eingehen. Andernfalls werden sie den Zusammenbruch der Lieferketten und das unnötige Sterben und Leiden von Beschäftigten und den Menschen, die von dieser Krise betroffen sind, zu verantworten haben. Das Blut und das Chaos werden an ihren Händen kleben."

Und IRU-Generalsekretär Umberto de Pretto sagte:
"Das Lkw-Fahrpersonal hat während der gesamten Pandemie unermüdlich weitergearbeitet, um den Warenverkehr aufrechtzuerhalten, obwohl die Grenzbeschränkungen oft sinnlos, unkoordiniert und für die Fahrer*innen sogar gesundheitsgefährlich sind. Dies hat den chronischen Fahrermangel noch verschlimmert. Fahrer*innen sind systemrelevante Beschäftigte: Die Regierungen müssen handeln und es ihnen ermöglichen, ihre wichtige Arbeit zu tun."