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Führende Verkehrsgewerkschafter weisen Schuldzuweisungen der Morrison-Regierung für die Überlastung der Häfen als haltlos zurück

NACHRICHTEN

Die Gewerkschaften der Verkehrsbeschäftigten weisen Anschuldigungen der australischen Bundesregierung zurück, wonach die aktuellen Probleme in der australischen Lieferkette nur in diesem Land bestünden und die Maritime Union of Australia (MUA) und ihren Mitglieder Schuld an möglichen Lieferverzögerungen an Weihnachten haben könnten.

Die Internationale Transportarbeiter-Föderation (ITF) ist ein globaler Gewerkschaftsverband, der unter seinem Dach fast 700 Gewerkschaften mit Mitgliedern aus den Sektoren Logistik, Lagerhaltung, Seeverkehr, Eisenbahn, Straßentransport und Luftverkehr vereint.

"In den meisten Teilen der Welt kommt es derzeit in irgendeiner Form zu Unterbrechungen der Lieferketten, und weltweit arbeiten die Gewerkschaften mit der Wirtschaft zusammen, um zu versuchen, den Druck zu verringern, der aufgrund einer beispiellosen globalen Gesundheitskrise entstanden ist," erklärte ITF-Generalsekretär Stephen Cotton. "Die ITF betrachtet die Lieferketten aus einer globalen Perspektive und wir raten den australischen Medien und Entscheidungsträgern, dies ebenfalls zu tun."

"Die ITF betrachtet die Lieferketten aus einer globalen Perspektive und wir raten den australischen Medien und Entscheidungsträgern, dies ebenfalls zu tun," so ITF-Generalsekretär Stephen Cotton I (Bildquelle: ITF)

"Wir sind uns der Tatsache bewusst, dass politische Maßnahmen und Störungen in einem Teil der Welt Auswirkungen auf die gesamte Lieferkette haben und letztendlich dazu führen, dass die Waren die Verbraucher nicht rechtzeitig erreichen. Wenn ein Beschäftigter einen positiven Covid-Test vorzeigt, schließen die chinesischen Behörden ein Terminal oder eine Fabrik für Wochen, und das führt zu Verzögerungen. Wenn ein Lkw-Fahrer bei unnötigen Grenzkontrollen stundenlang untätig in seinem Fahrerhaus sitzt, führt dies zu weiteren Verzögerungen," so Cotton weiter.

"Im Klartext: Die Störungen, Verzögerungen und Engpässe, die wir gerade bei den globalen Lieferketten beobachten, sind kein Phänomen, das sich ausschließlich auf Australien bezieht, und definitiv keines, das auf die MUA zurückzuführen ist."

Die globale Verkehrsbranche habe erkannt und die Regierungsspitzen der Welt im September davor gewarnt, dass die Lieferkette ernsthaft von einem "Zusammenbruch" bedroht sei, weil die Regierungschefs keine entschlossenen und koordinierten Maßnahmen ergriffen hätten, um Verkehrsbeschäftigten wieder den freien Grenzübertritt zu ermöglichen und damit die globalen Lieferketten zu sichern, so Cotton. Die Appelle wurden diese Woche von führenden Branchenvertretern erneuert, die zusammen einen Welthandelswert von mehr als 20 Billionen Dollar pro Jahr und 65 Millionen Beschäftigte in der gesamten Lieferkette repräsentieren.

Die australische Wettbewerbs- und Verbraucherkommission (Australian Competition and Consumer Commission, ACCC) hat in ihrem Container Stevedoring Monitoring Report 2020-21 festgestellt, dass die durch die Covid-19-Pandemie ausgelöste Nachfrage nach Containergütern gepaart mit der extremen Überlastung der globalen Lieferketten die Hauptursachen für Störungen und Verspätungen in australischen Häfen sind. Aus dem ACCC-Bericht geht ferner hervor, dass das Frachtaufkommen in der zweiten Jahreshälfte 2020 um 20 Prozent gestiegen ist und um 8 Prozent über dem Niveau des Jahres 2019 vor der Covid-19-Pandemie liegt.

"Die australische Bevölkerung muss sich die Frage stellen, warum ihre Regierung dies zum Anlass nimmt, die Beschäftigten vor den Kopf zu stoßen und zu attackieren. Premierminister Morrison muss aufhören, politischen Aktionismus zu betreiben, und sollte stattdessen mit der Branche und den Gewerkschaften des gesamten Logistiksektors zusammenarbeiten, um die Probleme zu lösen und unnötige Ängste und Sorgen in der Bevölkerung zu zerstreuen," mahnte Cotton. "Die führenden australischen Politiker brauchen nur über den Pazifik zu schauen, um sich ein Beispiel daran zu nehmen, wie Präsident Biden mit der Industrie und den Beschäftigten zusammenarbeitet, um Anreize für die Güterabfertigung zu schaffen," so Cotton.

Indessen hat das Weiße Haus mitgeteilt, dass die Westküstenhäfen Los Angeles und Long Beach zwischen Januar und Mitte Oktober dieses Jahres 17 Prozent mehr Container umgeschlagen haben als vor der Pandemie im Jahr 2018.

"Ich verstehe nicht, wie die australische Regierung glaubhaft behaupten kann, dass die Probleme in der Lieferkette, die wir auf internationaler Ebene erleben, irgendetwas mit australischen Seeleutegewerkschaften zu tun haben," erklärte der Vorsitzende der ITF-Seeleutesektion David Heindel I (Bildquelle: ITF)

David Heindel, der Vorsitzende der ITF-Seeleutesektion und Finanzbeauftragte der US-amerikanischen Seafarers' International Union (SIU), erklärte, dass sich die Probleme in den australischen Lieferketten nicht von denen anderer Länder und Regionen unterschieden, deren Im- und Exporte stark vom Seehandel abhängen.

"Unerwartet hohe Verbraucherausgaben während der Pandemie und das Versäumnis von Charterern und Logistikunternehmen, diesen Nachfrageschub vorherzusehen, sind die eigentlichen Gründe für die Überlastung der Lieferkette, die wir in vielen Teilen der Welt erleben," so Heindel. "Ich verstehe nicht, wie die australische Regierung glaubhaft behaupten kann, dass die Probleme in der Lieferkette, die wir auf internationaler Ebene erleben, irgendetwas mit australischen Seeleutegewerkschaften zu tun haben, deren Mitglieder härter arbeiten als je zuvor," erklärte Heindel.

Der stellvertretende Vorsitzende der ITF-Sektion Häfen und Sekretär der niederländischen Gewerkschaft FNV Havens Niek Stam erklärte: "Die Behauptungen der Morrison-Regierung sind haltlos und eindeutig ein Versuch, die Verhandlungsposition der hart arbeitenden australischen Hafenbeschäftigten zu untergraben."

"Die Behauptungen der Morrison-Regierung sind haltlos," erklärte Niek Stam, stellvertretender Vorsitzender der ITF-Sektion Häfen und Sekretär der niederländischen Gewerkschaft FNV Havens I (Bildquelle: Carla van Thijn)

"In Europa beobachten wir die gleichen Verzögerungen, die zum Teil auf einen Mangel an einheimischen Arbeitskräften zurückzuführen sind, die dazu bereit wären, zu den seit Jahren katastrophalen Löhnen und Bedingungen z. B. als Lkw-Fahrer zu arbeiten. Wir gehen davon aus, dass noch mehr Beschäftigte in wichtigen Bereichen der Lieferkette wegen der Art und Weise, wie sie von den Regierungen und manchen Arbeitgebern in den letzten zwei Jahren behandelt wurden, ihre Stellen aufgeben werden. Die politisch Verantwortlichen täten besser daran, sich darauf zu konzentrieren und den Beschäftigten für ihre Opferbereitschaft zu danken, statt ihnen zu drohen," so Stam weiter.

SNTT-Präsident Esteban Barboza erklärte, dass in Kolumbien Hafenbeschäftigte, wie die Mitglieder seiner Gewerkschaft, härter arbeiteten denn je I (Bildquelle: Escuela Nacional Sindical)

Esteban Barboza, der Vorsitzende der kolumbianischen Hafengewerkschaft Sindicato Nacional de Trabajadores de Rama (SNTT), erklärte: "Wir haben dieselben Probleme. Unsere Mitglieder arbeiten härter und länger, um der gestiegenen Nachfrage nachzukommen. Ich verstehe nicht, warum eine Regierung lieber auf Aggression setzt, als mit den Beschäftigten zusammenzuarbeiten, die gerade jetzt für die Aufrechterhaltung ihrer Wirtschaft entscheidend sind."

 

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