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Ein Jahr nach den ersten Kabinenpersonalstreiks: Ryanair hat noch immer Aufräumarbeit zu leisten

18 Apr 2019
Presseerklärung
Ein Jahr nach den ersten Streiks des Kabinenpersonals bei Ryanair sind zwar gewisse Fortschritte in den Arbeitgeber-/Arbeitnehmerbeziehungen des Unternehmens zu verzeichnen. Dennoch muss die Fluggesellschaft noch immer substanzielle Veränderungen umsetzen, um ihre Geschäfte auf eine tragfähige Basis zu stellen.


An Ostern 2018 hatte das Kabinenpersonal bei Ryanair erstmals in der 30-jährigen Geschichte des Unternehmens die Arbeit niedergelegt. In den darauf folgenden Monaten trafen Beschäftigte in Dublin (Irland) zusammen, um ihre Forderungen in Form der Ryanair Crew Charter zu veröffentlichen, und in mehreren europäischen Ländern wurde eine Reihe weiterer Streiks organisiert.

Nachdem die Fluggesellschaft auf diese Weise an den Verhandlungstisch gezwungen wurde, profitieren nun über 80 Prozent der Pilot*innen und Flugbegleiter*innen von der Anerkennung ihrer Gewerkschaften, wobei für 50 Prozent eine Art kombinierte kollektivvertragliche Regelung unter Anwendung nationaler Rechtsvorschriften gilt. Dennoch stehen für die Mehrheit der Beschäftigten konkrete Verbesserungen von Bezahlung und Bedingungen nach wie vor aus, und Ryanair muss sein Geschäftsmodell noch immer gründlich überholen, um sich auf eine Zukunft als gewerkschaftlich organisiertes Unternehmen einzustellen.

Erst im vergangenen Monat verfügte die niederländische Arbeitsbehörde, dass Ryanair die ehemals am Flughafen Eindhoven stationierten Beschäftigten nicht entlassen darf. Dort hatte die Fluggesellschaft entschieden, eher den Flugbetrieb einzustellen als mit den Gewerkschaften zu verhandeln. In Polen gehen Beschäftigte gerichtlich gegen das Unternehmen vor, nachdem es sie unter Verletzung des Grundrechts auf Vereinigungsfreiheit zur Unterzeichnung von Scheinselbständigkeitsverträgen gezwungen und sich über die rechtmäßige Gründung ihrer Gewerkschaft hinweggesetzt hatte.

Im letzten Jahresbericht über das EU-Emissionshandelssystem rangierte Ryanair unter den zehn schlimmsten CO2-Emittenten Europas. Die neun anderen Unternehmen sind alle Kohlekraftwerkbetreiber. Ryanair versuchte in seiner Reaktion, diese Ergebnisse zu ignorieren, indem es sich selbst als "Europas sauberste und grünste Fluggesellschaft" bezeichnete.

ITF-Generalsekretär Steve Cotton erklärte in einer Stellungnahme: "Zweifellos wurden seit den ersten Streiks im vergangenen Jahr Fortschritte erzielt, aber wir sollten nicht unterschätzen, welche enorme Arbeit noch vor uns liegt. Trotz seiner Ankündigung im Jahr 2017, Gewerkschaften anzuerkennen, haben über zwei Drittel seiner Beschäftigten die positiven Auswirkungen von ordnungsgemäßen Kollektivverhandlungen noch nicht zu spüren bekommen."

"Die Fluggesellschaft scheint indessen entschlossen zu sein, ihre traditionellen gewerkschaftsfeindlichen Strategien fortzusetzen, sobald sie denkt, mit schlechten Praktiken ungeschoren davonzukommen. Das jüngste Gerichtsurteil in den Niederlanden – das ohne die Beharrlichkeit unserer Mitgliedsorganisation FNV nicht zustande gekommen wäre – zeigt, dass selbst Ryanair sich nicht ewig seinen grundlegenden Verpflichtungen entziehen kann. Angesichts dieser anhaltenden Probleme sind wir in mehreren Ländern noch immer in Alarmbereitschaft für potenzielle Arbeitskampfmaßnahmen."

ETF-Präsident Frank Moreels fügte hinzu: "Wenn Ryanair wirklich als fairer Arbeitgeber gelten will, sollte es sein Kabinenpersonal besser direkt einstellen, als die Rechte der Beschäftigten durch Scheinselbständigkeit oder die Inanspruchnahme von Personalvermittlungen zu schwächen. Manipulationen des Vertragsstatus der Beschäftigten in der Absicht, gewerkschaftliches Engagement zu beeinträchtigen, sind inakzeptabel."

"Darüber hinaus lässt die Reaktion des Unternehmens auf die Brandmarkung als einer der schlimmsten Umweltverschmutzer Europas vermuten, dass seine Führungsspitze noch immer den Bezug zur Realität verloren hat. Ryanair sollte einfach akzeptieren, dass Beschäftigte, Gewerkschaften und die allgemeine Öffentlichkeit keine Ruhe geben werden, bis die Fluggesellschaft bewiesen hat, dass sie sich wirklich sich zum Besseren verändert hat."

 

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