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Der Fall Hope Hicks ist kein Einzelfall und ein Signal für die Notwendigkeit eines praktischen Wandels im Schifffahrtssektor

NACHRICHTEN Presseerklärung

Auf die Nachricht, dass Hope Hicks Klage gegen den Schifffahrtsriesen Maersk erhoben hat, fordern Seeleutegewerkschaften die Arbeitgeber dazu auf, die tatsächliche Umsetzung ihrer Richtlinien für Sicherheit am Arbeitsplatz sicherzustellen, bevor noch mehr Seeleute aus der ohnehin schon unter Arbeitskräftemangel leidenden Branche abwandern.

Hicks wurde während der Ausbildung zur Offiziersanwärterin an Bord eines Schiffes der Maersk-Flotte von einem ranghohen Offizier vergewaltigt. Unter dem Pseudonym "Midshipman X" kritisierte sie die Reaktion des Unternehmens auf ihren Fall und löste damit innerhalb der Schifffahrtsbranche eine Debatte über die Behandlung von Frauen und Opfern von sexueller Belästigung und Übergriffen am Arbeitsplatz aus.

"Maersk hat eingeräumt, wie viele andere Unternehmen der Branche ein Problem mit der Behandlung von Frauen zu haben," erklärte der Vorsitzende der ITF-Seeleutesektion und Finanzbeauftragte der US-amerikanischen Seafarers' International Union (SIU) David Heindel.

"Es ist ermutigend, dass Maersk allmählich die notwendigen praktischen Schritte unternimmt, um dafür zu sorgen, dass seine Schiffe, die Arbeitsplätze unserer Mitglieder, frei von jeglicher inakzeptablen Form von geschlechtsspezifischer Gewalt und Belästigung sind, der diese Frauen ausgesetzt waren," so Heindel.

"Die Richtlinien und Regeln der meisten Arbeitgeber in dieser Branche enthalten bereits ausreichende Schutzbestimmungen für Schiffsbesatzungen," erklärte er. "Das Problem ist, dass diese Richtlinien in der Realität nicht immer befolgt werden. Es ist an der Zeit, dass die Unternehmen und die Akteure der Branche ihren Worten Taten folgen lassen und sicherstellen, dass diese Richtlinien an jedem einzelnen Tag des Jahres in die Praxis umgesetzt werden. Es reicht schon aus, dass nur einige wenige untätig zuschauen, damit solche Gräueltaten geschehen können."

"Seit dem Zeitpunkt, an dem diese mutigen Frauen an die Öffentlichkeit gingen, setzten sich der ITF und der Abteilung Seeverkehr der AFL-CIO angeschlossene Seeleutegewerkschaften in den USA für einen sofortigen kulturellen und legislativen Wandel ein," so Heindel weiter. Anfang dieses Monats verabschiedete die AFL-CIO einen Entschließungsantrag, in dem sie mehr konkrete Maßnahmen fordert, um für mehr Sicherheit in der Branche zu sorgen.

Die Frauenvertreterin der ITF-Seeleutesektion Lena Dyring erklärte, dass die im Sektor herrschenden Probleme in Bezug auf Frauen weit über die Geschehnisse bei Maersk hinausgehen:

"Wie wir bereits erklärt haben, ist dies kein Einzelfall, sondern für viele Seeleute, männlich wie weiblich und unabhängig von der Flagge oder dem Unternehmen Realität. In der Schifffahrtsbranche herrscht eine marode Kultur, und alle Bereiche des Sektors sind dafür verantwortlich, dies zu ändern," so Dyring.

"Diese Branche leidet unter einem kritischen Arbeitskräftemangel. Der Schifffahrtssektor wird keine weiblichen Beschäftigten gewinnen und halten, wenn diese Missstände nicht ernst genommen und angemessen angegangen werden."

"Verantwortungsvolle Arbeitgeber und Gewerkschaften können die Situation nicht alleine ändern. Regierungen kommt die klare Rolle zu, ihre legislativen und ordnungspolitischen Instrumente zu nutzen, um das Recht der Seeleute auf Sicherheit am Arbeitsplatz durchzusetzen," erklärte sie.

Nach Meinung von Dyring hätten die Vereinigten Staaten mit der Verabschiedung des "Safer Seas Act" und der Einführung des behördenübergreifenden Programms "Every Mariner Builds a Respectful Culture" (Alle Seeleute schaffen eine Kultur des Respekts) zwar Fortschritte erzielt, aber es seien weitere Maßnahmen erforderlich.

"Diese Fälle zeigen, warum der Kongress schleunigst Schritte zur Ratifizierung des IAO-Übereinkommens 190 ergreifen muss," erklärte sie.

 

Hinweise:

  • Der Safer Seas Act zielt konkret darauf ab, Besatzungsmitglieder vor sexueller Belästigung auf einem Schiff rechtlich zu schützen.
  • Im Jahr 2020 betrug der Frauenanteil an der Gesamtbeschäftigung im Schifffahrtssektor weltweit nur 1,28 Prozent und an den Offizier*innen nur 0,73 Prozent. Quelle: ICS und BIMCO (2021) Seafarer Workforce Report, Ausgabe 2021https://www.ics-shipping.org/publication/seafarer-workforce-report-2021-edition/

Über die ITF: Die Internationale Transportarbeiter Föderation (ITF) ist ein demokratischer, von Mitgliedern geführter Verband von Verkehrsgewerkschaften und als die weltweit führende Institution mit Zuständigkeit für den Verkehrssektor anerkannt. Wir kämpfen engagiert für die Verbesserung des Arbeitslebens und vernetzen Gewerkschaften aus 140 Ländern miteinander, um Rechte, Gleichheit und Gerechtigkeit für ihre Mitglieder zu sichern. Wir sind Sprachrohr für die knapp 20 Millionen Männer und Frauen, die die Mobilität der Welt sicherstellen.

Medienkontakt:  media@itf.org.uk  

 

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