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Autonome Lkw: Neue Studie macht Vorschläge zu Fahrerjobs und Rechtsrahmen

30 May 2017
Presseerklärung
Autonome Lkw sparen Kosten, senken Emissionen und verbessern die Sicherheit. Aber der Verlust von Jobs erfordert einen geregelten Übergang.

Leipzig, 31. Mai 2017 – Regierungen müsssen sich auf die geordnete Einführung von fahrerlosen Lkw vorbereiten, um mögliche soziale Verwerfungen durch Arbeitsplatzverluste zu verhindern.

Das ist die Kernbotschaft einer Studie, die das International Transport Forum (ITF) gemeinsam mit drei Partnerorganisationen heute vorstellt.

 

Selbstfahrende Lkw helfen Kosten zu sparen, Emissionen zu senken und Straβen sicherer zu machen. Sie würden auch den Fahrermangel mindern, dem sich die Speditionsbranche ausgesetzt sieht, so der Report.

Doch autonome Lkw könnten die Nachfrage nach Fahrern in den USA und Europa bis 2030 um 50 bis 70% reduzieren. Bis zu 4,4 Millionen der für dann projizierten 6,4 Millionen Stellen für professionelle Trucker könnten wegfallen, so eines der Szenarien.

 

Selbst wenn das Aufkommen fahrerloser Lkw Berufsanfänger zunehmend davon abhält, den Fahrerberuf zu wählen, könnten immer noch mehr als 2 Millionen Fahrerjobs in the USA and Europa überflüssig werden, wie die untersuchten Szenarien ergeben.

 

Der Report gibt vier Empfehlungen zur Ausgestaltung des Übergangs zum fahrerlosen Straβengüterverkehr:

  • Einrichtung eines Übergangsrats mit beratender Funktion  speziell zu Arbeitsmarktaspekten;
  • Schaffung eines temporären Lizenzsystems, um die Geschwindigkeit der Einführung selbstfahrender LkW zu steuern;
  • Einführung internationaler Standards, Strassenverkehrsregeln und Fahrzeugspezifikationen für selbstfahrende Lkw;
  • Weiterführung von Pilotprojekten mit autonomen Lkw zum testen von Fahrzeugen, Netzwerktechnologien und Kommunikationsprotokollen.

 

[Anmerkung: Vollständige Empfehlungen im Anhang]

 

Diese Empfehlungen wurden von Verbänden der Lkw-Hersteller, Spediteure und Transportarbeiter gemeinsam unter der Koordination einer zwischenstaatlichen Organisation abgestimmt. Die breite Koalition der vertretenen Interessen verleiht diesem Aufruf zum Handeln besonderes Gewicht.

 

Der Report wurde gemeinsam erarbeitet vom Europäischen Verband der Automobilhersteller (ACEA), der International Transport Workers’ Federation und the International Road Transport Union (IRU), dem Weltverband des Spediteure, in einem Projekt unter Führung des International Transport Forum, einer bei der OECD in Paris ansässigen Organisation für globale Verkehrspolitik.

 

José Viegas, Generalsekretär des International Transport Forum (ITF) erklärte:

“Fahrerlose Lkw könnten innerhalb von zehn Jahren ein normaler Anblick auf unseren Strassen sein. Autonome Lkw sind heute schon unter kontrollierten Bedingungen im Einsatz, etwa in Häfen oder Minen. Tests auf öffentlichen Straβen finden in vielen Regionen statt, unter anderem in den USA und in der EU. Hersteller investieren groβe Summen in Automatisierung und viele Regierungen überprüfen derzeit die geltenden Rahmenbedingungen. Sich jetzt auf mögliche negative soziale Folgen durch verlorengehende Jobs vorzubereiten, wird die Risiken im Fall einer schnellen Einführung von fahrerlosen Lkw mindern helfen.“

 

Das ITF ist eine zwischenstaatliche Organisation mit derzeit 57 Mitgliedsländern. Die einzige globale Organisation für alle Verkehrsträger agiert als verkehrspolitscher Thinktank und veranstaltet den jährlichen Weltgipfel der Verkehrsminister in Leipzig.

 

Erik Jonnaert, Generalsekretär der European Automobile Manufacturers’ Association (ACEA), sagte:

“Harmonisierung der Regeln über Ländergrenzen hinweg is der Schlüssel dafür, die Vorteile der Lkw-Selbstfahrtechnologie voll nutzen zu können. Autonome Lastwagen sind keine nationale Frage, denn sie sollten natürlich Grenzen nahtlos passieren können. Wir brauchen interntionale Standards, Gesetze und Verfahren für die Erteilung für Ausnahmen von Verkehrsregeln für selbstfahrende Lastwagen. Ansonsten riskieren wir einen Flickentepich von Regeln, der Hersteller und Betreiber daran hindern könnte, in autonomes Fahren zu investieren.”

 

ACEA ist die Vertretung der Automobilindustrie in Europa und vertritt 15 führende Hersteller von  Kfz, Lkw, Lieferwagen und Bussen mit Werken in der Europäischen Union.

 

Christian Labrot, Präsident der International Road Transport Union (IRU), erklärte:

“Autonome Lkw bringen der Gesellschaft viele  Vorteile, angefangen bei Kostenersparnis und niedrigeren Emissionen. Sie werden den Speditionen ausserdem helfen, den derzeitigen Fahrermangel in vielen Teilen der Welt in den Griff zu bekommen. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass die engagierten Fahrer von heute Umschulungen brauchen werden, und wir müssen weiterhin Profis für Berufe im Straβengüterverkehr interessieren. Wir sollten alle zusammenarbeiten für eine geordneten Einführung der Selbstfahrtechnologie.”


Die IRU is der Weltverband für Straβenverkehr und vertritt Lkw-, Bus- und Taxi-Betreiber aus mehr als 100 Ländern.

 

Steve Cotton, Generalsekretär der International Transport Workers’ Federation, erklärte:

"Automatisierung des Straβengüterverkehrs erfordert einen geordnete und gerechten Übergang. Wir begrüβen ausdrücklich die Empfehlung des Berichts, dass Gewerkschaften in jedem Fall Teil dieses Prozesses sein müssen. Wir müssen übermäβige Härten für Lkw-Fahrer vermeiden und dafür sorgen, dass der Nutzen der Technologie in fairer Weise allen in der Gesellschaft zu Gute kommt. Selbstfahrende Lkw bedrohen die berufliche und persönliche Existenz von Millionen von Berufsfahrern. Diese Studie ist ein gut getimte Untersuchung dazu, wie der Übergang ablaufen könnte. Seine Empfehlungen werden Regierungen helfen, den betroffenen Fahrern einen gerechten Übergang zu ermöglichen.“

 

Die International Transport Workers’ Federation versamelt rund 700 Gewerkschaften, die rund 4,5 Millionen Transportarbeiter in rund 150 Ländern vertreten.

Bericht herunterladen (verfügbar ab 31. Mai, 09:00 Uhr MEZ):
https://www.itf-oecd.org/managing-transition-driverless-road-freight-transport

Bilddatei mit Titelseite des Berichts zum Herunterladen:  https://www.flickr.com/photos/internationaltransportforum/34718859792

 

Ansprechpartner für Medien:

Media Contacts:

Michael Kloth John Kidd Head of Communications Head, Communication and Events International Transport Forum International Road Transport Union M +33 (0)6 27 21 47 41 M +41 (0)79 386 95 44 E michael.kloth@itf-oecd.org E john.kidd@iru.org

 

Cara McLaughlin Sam Dawson Communications Director Press and Editorial Manager European Automobile Manufacturers' Association International Transport Workers’ Federation M +32 (0)485 88 66 47 M +44 (0)78 50 73 61 46 E cm@acea.be E dawson_sam@itf.org.uk

 

 

 

ANNEX

Empfehlungen
des Berichts

“Managing the Transition to Driverless Road Freight Transport”

Gemeinsam erarbeitet von
International Transport Forum (ITF),
European Automobile Manufacturers’ Association (ACEA)
International Road Transport Union (IRU)
International Transport Workers’Federation (ITF)

31. Mai 2017

Einrichtung eines Übergangsrates für den Straβengüterverkehr

Regierungen sollten einen Übergangsrat für den Straβengütersektor schaffen, der Vorschläge mit Blick auf die Arbeitsmarktfolgen der Einführung selbstfahrender Lkw unterbreiten würde. Der Auftrag des Gremiums sollte zeitlich begrenzt sein. Repräsentaten der Gewerkschaften, der Speditionsgewerbes, der Fahrzeughersteller und der Regierung  sollten vertreten sein. Das Gremium würde die politische Verantwortlichen dabei unterstützen, Massnahmen so zu wählen, dass Kosten, Nutzen und Risiken der Einführung autonomer Lkw fair verteilt sind.  

 

Schaffung eines temporären Lizenzsystems, um die Geschwindigkeit der Einführung selbstfahrender Lkw zu steuern und bei weiterhin fairem Marktzugang einen gerechten Übergang für betroffenen Fahrer zu schaffen.

Regierungen sollten die Einführung eines Mechanismus’ erwägen, mit dem sich der Übergang zu fahrerlosen Lkw gestalten lässt. Ein Lizenzsystem würde es erlauben, die Geschwindigkeit des Übergangs zu steuern. Gleichzeitig würde es finanzielle Mittel verfügbar machen, die für die betoffenen Fahrer eingesetzt werden könnten. Wo vorhandene Arbeitslosenunterstützung als unzureichend erachtet wird, könnte weitere Hilfe in Form gezielter Arbeitsmarktprogramme zur Umschulung von Fahrern geleistet werden. Wo alternative Tätigkeiten durch Automatisierung ebenfalls seltener werden, könnte Hilfe auch in Form zusätzlicher Einkommensunterstützung ausgestaltet werden. Aus Gründen der Fairness sollten die Mittel für Unterstützungsleistungen von den Gewinnern der Einführung selbstfahrender Lkw kommen. Der Verkauf von Lizenzen an Betreiber, die durch fahrerlose Lkw Kostenvorteile erlangen, sollte ergänzt werden durch Beiträge aller Straβennutzer, die von erhöhter Verkehrssicherheit profitieren. Sorgfältiges Design des Lizenzsystems würde sicherstellen, dass es für die Ausgestaltung des Übergangs zu autonomen Lkw eingesetzt wird, und nicht als Vorwand zur Einschränkung des freien Warenverkehrs.

 

Einführung internationaler Standards, Straβenverkehrsregeln und Fahrzeugspezifikationen für selbstfahrende Lkw

Harmonisierung der Regeln über Ländergrenzen hinweg ist von entscheidender Bedeutung, um die Vorteile fahrerloser Lkw vollständig nutzen zu können. Gemeinsame Regeln und Betriebsstandards ermöglichen autonomen Lkw nahtlosen Wechsel zwischen Ländern; sie sollten deshalb mindestens  auf der Ebene von Kontinenten, vorzugsweise aber weltweit eingeführt werden. Das proaktive Verhalten vieler Regierungen mit Blick auf Tests und Ausnahmegenehmigungen erlaubt es, unterschiedliche Technologien parallel zu testen, was zu ihrer schnelleren Reifung beitragen kann. Allerdings trägt dieser Wettbewerb auch das Risiko in sich, dass das Endziel einer Harmionisierung nicht ausreichend beachtet wird.

 

 

Weiterführung von Pilotprojekten mit autonomen Lkw zum Testen von Fahrzeugen, Netwerktechnologien und Kommunikationsprotokollen.

Regierungen, Industrie und Forschung sollten im Rahmen ausgewiesener Teststrecken weiterhin Versuche auf öffentlichen Straβen vorantreiben, um Fahrzeuge, Netzwerktechnologie und Kommunikationsprotokolle zu testen. Dies erlaubt es, unterschiedliche Ansätze zu testen, ohne sich früh im Entwicklungsprozess auf einen Anbieter, einen Standard oder eine Technologie festzulegen und zu verhindern, dass teure und umfangreiche Investitionen in nicht angemessene Infrastruktur flieβen. Dies trägt dazu bei, dass der durch autonome Lkw geschaffene gesellschaftliche Nutzen voll ausgeschöpft wird.

 

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