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Crewwechsel: ITF-Gewerkschaften in den USA und der Ukraine machen Druck auf ihre Regierungen

02 Jun 2020

Die Gewerkschaftsbewegung erhöht den Druck auf Regierungen, Maßnahmen zur Bewältigung der eskalierenden Auswirkungen der Corona-Krise im Hinblick auf Crewwechsel zu ergreifen, von denen inzwischen schätzungsweise 200.000 Seeleute betroffen sind. In dieser Woche haben sich US-amerikanische und ukrainische Gewerkschaften der Forderung ihrer australischen Kolleginnen und Kollegen nach einer Lösung angeschlossen.

Die Präsidenten von sechs US-amerikanischen Seeleutegewerkschaften haben sich mit einem Schreiben an den Außen- und den Verteidigungsminister der USA gewandt und sie dringend dazu aufgefordert, die Entlastung von im Ausland festsitzenden US-amerikanischen Seeleuten zu ermöglichen. Das Schreiben wurde unterzeichnet von SIU-Präsident Michael Sacco, AMO-Präsident Paul Doell, MEBA-Präsident Marshall Ainley, MM&P-Präsident Don Marcus, SUP-Präsident Dave Connolly und MFOW-Präsident Anthony Poplawski.

Den Gewerkschaftsvorsitzenden zufolge sitzen "US-Seeleute an Bord von Frachtschiffen fest, die sie aufgrund von strengen Covid-19-Lockdown-Maßnahmen nicht verlassen dürfen, um in ihr Heimatland zurückzukehren." Wenn diese humanitäre Krise nicht baldmöglichst gelöst werde, geriete die wichtige Lieferkette für etwa 200.000 aktive US-Militärangehörige, die derzeit im Ausland Dienst tun, in Gefahr, so warnen sie.

"Es ist unvorstellbar, dass die Vereinigten Staaten – die reichste und mächtigste Nation der Welt, die Militärbasen, -flugzeuge und -einrichtungen rund um den Globus unterhält – nicht dazu in der Lage sind, ihren eigenen, auf See gestrandeten Marineangehörigen zu helfen. Unsere Bemühungen um eine Lösung dieses Problems mit Mitarbeiter*innen ihrer jeweiligen Ministerien haben bislang keine Ergebnisse erzielt. Aus diesem Grund bringen wir Ihnen das Problem nun persönlich zur Kenntnis."

Am Donnerstag folgte Michailo Kirjejew, der Vorsitzende der Ukrainischen Gewerkschaft der Beschäftigten in der Schifffahrtswirtschaft, ihrem Beispiel und wandte sich mit einem Schreiben an den Ministerpräsidenten und den Präsidenten seines Landes. Die Ukrainische Gewerkschaft der Beschäftigten in der Schifffahrtswirtschaft ist eine der größten Seeleutegewerkschaften der Welt und Mitgliedsorganisation der ITF.

Gemeinsam mit ITF-Generalsekretär Steve Cotton appellierte sie eindringlich an die ukrainischen Staatsoberhäupter, alle in ihren Möglichkeiten stehenden Maßnahmen zu ergreifen, um die Rechte und legitimen Interessen der ukrainischen Seeleute zu schützen und so die ordnungsgemäße Umsetzung der von internationalen Organisationen vorgelegten Empfehlungen zur Ermöglichung der Freizügigkeit von Seeleuten und Marinepersonal zu gewährleisten.

Seeleuten muss es möglich sein, regelmäßige Crewwechsel durchzuführen. Deshalb muss die Ukraine "Ausnahmeregelungen" einführen, die es den Seeleuten der Welt erlauben, die Grenzen der Ukraine zu überqueren und mit dem Flugzeug oder auf anderem Weg in ihre Heimatländer zurückzukehren.

Schon vorher hatte ITF-Präsident Paddy Crumlin im Namen der ITF und der Maritime Union of Australia an den australischen Premierminister appelliert, auf nationaler Ebene unverzüglich umfassende Verfügungen zu treffen, um die sich abzeichnende humanitäre Krise abzuwenden.

Die Appelle der US-amerikanischen und ukrainischen Gewerkschaften verleihen der Forderung der globalen Kampagne Nachdruck, Seeleute, Hafen- und Fischereibeschäftigte während der Pandemie als "systemrelevante Arbeitskräfte" zu behandeln und ihnen den Anstand und Respekt entgegenzubringen, die dem aufopferungsvollen Einsatz dieser Beschäftigten und ihrer Leistung während einer turbulenten Zeit gebühren.

Laut Seeverkehrsübereinkommen können Schiffe, deren Besatzungen zu lange an Bord sind, von Hafenstaatkontrollbehörden gestoppt werden.

Handeln sie nicht, drohen den Regierungen zunehmend schwerwiegende Konsequenzen, da immer mehr gestrandete Seeleute unter psychischen Problemen und wachsender Müdigkeit leiden, während sie gleichzeitig immer noch für den sicheren Betrieb der Schiffe sorgen müssen, auf die der Welthandel und Milliarden von Menschen – und Wähler*innen – angewiesen sind.

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