Schlüsselthemen auf dem Kongress

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محتوى الصفحة: Home > مجلة النقل الدولي "Transport International" > Nr. 9 / August 2002 > Schlüsselthemen auf dem Kongress


Der ITF-Kongress wird sich mit einer Reihe von Schlüsselthemen befassen, die für die Beschäftigten in der weltweiten Verkehrswirtschaft wichtig sind. Einige dieser Punkte hat der ITF-Vorstand zur Diskussion gestellt. Nachfolgend erläutern wir Themen, die in Vancouver auf der Tagesordnung stehen und aller Voraussicht nach das Arbeitsprogramm der ITF in den nächsten vier Jahren prägen werden.

Der Siegeszug der Logistik in der internationalen Speditionswirtschaft

Transnationale Zusammenschlüsse stellen ihre Produkte in aller Welt her und verkaufen sie auf Märkten rund um den Globus. Durch die Globalisierung der Produktion und die Liberalisierung des Welthandels aber wird auch das Transportwesen vor neue Aufgaben gestellt.

Viele globale Unternehmen können den weltweiten Transport ihrer Rohstoffe, Bauteile und Fertigprodukte zwischen den Zulieferern, Produktionsstätten, Verteilerzentren und Endverbrauchern nicht mehr rechtzeitig und kostengünstig bewältigen. Sie engagieren deshalb spezialisierte Logistikunternehmen. Immer häufiger vergeben die großen Unternehmen ihren Versorgungs- bzw. Logistikbereich an externe Firmen.

Aufgrund dieser Nachfrage ist eine neue Generation von Warentransport- und Logistikunternehmen entstanden. Spediteure weiten ihr Betätigungsfeld auf den Schiffsverkehr, die Häfen, den Straßentransport, den Schienenverkehr und die Luftfracht aus. Auf Schnelllieferungen spezialisierte Firmen wie UPS oder Federal Express expandieren zu global operierenden Logistikunternehmen. Selbst staatliche Postdienste, die zügig privatisiert oder in gewinnorientierte Gesellschaften umfunktioniert werden, betätigen sich als weltweite Spediteure. Sie setzen auf intermodalen Verkehr und richten weltumspannende, nahtlose Transportnetze ein.

Diese waren früher eher als Bestandteil nationaler denn globaler Verkehrspläne gedacht. Verkehrsangelegenheiten unterliegen nach wie vor sehr stark nationalen Normen und Gesetzen, allerdings wird der grenzüberschreitende Transport heute zu 90 Prozent von internationalen Spediteuren abgewickelt. Es verwundert daher nicht, dass die zunehmend von Logistik- und Speditionsunternehmen geführte Lobby enormen Druck ausübt, um den Abbau nationaler Hemmnisse zu erreichen und den Weg für eine vollständige Liberalisierung und Globalisierung des Transportwesens freizumachen.

Bei der Privatisierung der Häfen, Flughäfen, Fluggesellschaften und in jüngerer Zeit auch Bahnunternehmen ging es nicht nur um die Übertragung der öffentlichen Dienstleistungsunternehmen in private Hände. Es ging auch darum, den mit der nationalen Wirtschaftsplanung Betrauten die Entscheidung über Verkehrsinvestitionen zu nehmen und sie jenen zu übertragen, die die weltweiten Transportbedürfnisse transnationaler Gesellschaften berücksichtigen.

Diese Gesellschaften richten ihre Planungen immer häufiger an Investitions- und Betriebsstrategien aus, für die der Verkehr ein weltweiter, intermodaler Markt ist. Damit ergeben sich besondere Aufgabenstellungen für die Gewerkschaften, die sowohl national als auch international in der Regel auf einzelne Verkehrsträger spezialisiert sind. Der Kongress wird sich also mit der Frage befassen, ob die Strategien der einzelnen ITF-Sektionen durch sektorübergreifende Ansätze ergänzt werden sollen.

Internationale Gewerkschaftsbewegung im Wandel

Die internationale Gewerkschaftsbewegung steht vor einer neuen Herausforderung: der Globalisierung, die seit dem Ende des Kalten Krieges immer rascher voranschreitet. Alte ideologische Unterschiede sind belanglos geworden, weshalb heute ein weitaus koordinierteres globales Vorgehen möglich ist.

Der Begriff „Globale Gewerkschaften“ ist zu einer Art Markenzeichen geworden, das für eine enge Zusammenarbeit zwischen den großen internationalen Gewerkschaftsorganisationen steht. Dieses Zusammenrücken ermöglicht eine weit aktivere Reaktion auf globale Trends. So hat der Internationale Bund Freier Gewerkschaften (IBFG) eine neue Rolle in der Kampagne gegen die Beschleunigung der Liberalisierung durch die Weltbank und die Welthandelsorganisation (WTO), bei der Entwicklung neuer Möglichkeiten der Einflussnahme auf das Verhalten globaler Gesellschaften und bei der Verteidigung wesentlicher Arbeitsnormen und Gewerkschaftsrechte übernommen.

Die Organisationen, die wie die ITF aus dem Kreis der Globalen Gewerkschaften stammen und bis vor kurzem Internationale Berufssekretariate genannt wurden, konzentrieren sich auf einen bestimmten Sektor oder eine einzige Berufsgruppe. Sie haben es aber mittlerweile mit Gesellschaften zu tun, die rund um den Globus Arbeitskräfte beschäftigen und globale Unternehmensstrategien umsetzen. Das Erstarken transnationaler Unternehmen ist in allen Sektoren zu beobachten. Die Gewerkschaften müssen darauf mit neuen Strategien reagieren, etwa mit der Aushandlung von „Rahmenverträgen“, die in den transnationalen Unternehmen die Grundlage für Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen festlegen.

Die Trennlinien zwischen den verschiedenen Sektoren verschwimmen. Ein gutes Beispiel dafür sind die Verkehrslogistikunternehmen und Postdienste. Ihre Betätigungsfelder überlappen sich immer stärker. Deshalb müssen die ITF und der internationale Dachverband UNI, in dem die Gewerkschaften der Postangestellten zusammengeschlossen sind, stärker zusammenarbeiten. Viele solcher Beispiele lassen sich anführen.

Durch die Auswirkungen der Globalisierung auf alle Sektoren, den globalen Privatisierungs- und Deregulierungstrend sowie die Zunahme grenzüberschreitender Investitionen und transnationaler Eigentümerstrukturen können die Gewerkschaften Arbeitsplätze und -bedingungen nicht länger wirkungsvoll vor Ort verteidigen, ohne auf internationaler Ebene Einfluss zu nehmen.

Das hat zwei weit reichende Folgen. Zum einen gewinnt ein kohärentes, wirkungsvolles Vorgehen der internationalen Gewerkschaftsorganisationen zunehmend an Bedeutung. Und zum anderen müssen die nationalen Gewerkschaften die Aktivitäten dieser Organisationen verstärkt zur Kenntnis nehmen und sich an ihnen beteiligen. Das erfordert zum Teil die Schaffung geeigneter Strukturen, vor allem aber eine Änderung der Einstellung und Arbeitsweisen. Der Kongress wird sich mit der Frage befassen, wie die ITF innerhalb der allgemeinen internationalen Gewerkschaftsbewegung arbeitet und wie wirkungsvoll ihr internationales Vorgehen ist.

Eine Bürgerbewegung für die Reform der Globalisierung

Nicht nur die Gewerkschaften bekommen die Globalisierung zu spüren, alle Menschen sind davon betroffen. Nicht nur die Arbeitsplätze sind gefährdet, sondern unsere ganze Umwelt. Nicht nur die Rechte von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sind unter Druck geraten, sondern die Menschenrechte.

Im Gegensatz zu vielen anderen Globalisierungsgegnern sind die Beschäftigten in den Gewerkschaften relativ gut organisiert. Die Gewerkschaften haben bereits Kommunikationskanäle für den Austausch mit Organisationen wie der Weltbank eingerichtet, um zu gewährleisten, dass die Stimme der Erwerbstätigen Gehör findet (wenngleich sie auch oft ignoriert wird). Doch nicht nur die Gewerkschaften sind organisiert. An den jüngsten Massenprotesten in Seattle, Prag, Göteborg, Genua und anderen Städten waren viele bestens organisierte Gruppen beteiligt. Die meisten verurteilen die Gewalteskalationen, die in den Medien für Schlagzeilen sorgen. Für diese Bürgerbewegung ist das Weltsozialforum in Puerto Alegre (Brasilien) als eine Art Gegengewicht zum Weltwirtschaftsforum – die Gewerkschaften sind an beiden Zusammenkünften beteiligt – zur wichtigsten Plattform geworden.

Die Gewerkschaften sind nicht mit allen Gruppierungen bzw. ihren Ansichten einverstanden, denn manche kritisieren die Gewerkschaften oder zeigen wenig Verständnis für sie. Trotzdem kämpfen die meisten wie die Gewerkschaften auch gegen Armut und für soziale Gerechtigkeit sowie Menschenrechte. Erste Gespräche über strittige Themen haben bereits stattgefunden und zu einem besseren gegenseitigen Verständnis geführt.

Die Entstehung einer großen Bürgerbewegung, die den globalen Markt und das weltweite Profitstreben in Frage stellt, ist für die Gewerkschaften von immenser Bedeutung. Sollen sich die Gewerkschaften daran beteiligen – und wenn ja, welche Rolle sollen sie spielen? Sollen sie aktivere Bündnisse mit anderen Organisationen eingehen – und wenn ja, wie sollen diese aussehen? Sollen die Gewerkschaften sich weiterhin auf Beschäftigungsthemen konzentrieren oder sich auch mit umfassenderen sozialen Fragestellungen befassen?

Einsatz für Gelegenheitsbeschäftigte

Eine der bedeutendsten Änderungen in der Arbeitswelt war in den letzten Jahren die Zunahme der Gelegenheitsarbeit. Strukturelle Veränderungen, Deregulierung und Privatisierung haben neben dem verstärkten Einsatz von Subunternehmen sowohl in den Industrienationen als auch in den Entwicklungsländern zu einer erhöhten Nachfrage nach Gelegenheits- und Zeitarbeit und damit dazu geführt, dass Arbeit immer „informeller“ wurde.

Zwar ist nicht genau definiert, was unter „informeller“ Arbeit zu verstehen ist, doch der Trend dahin ist eindeutig. Die Zahl der abgesicherten, gut regulierten Arbeitsplätze sinkt dramatisch, die der ungesicherten hingegen steigt. Die Grenze zwischen formeller und informeller Arbeit verschwimmt zusehends. Ehemals regulierte, geschützte Tätigkeiten werden flexibilisiert und damit geht auch die Arbeitsplatzsicherheit verloren.

Im Verkehrssektor vergibt man Arbeiten oft an Beschäftigte, die rein rechtlich als selbständig eingestuft sind. Viele Straßentransportunternehmen etwa engagieren mittlerweile Einmannunternehmen, statt Fahrpersonal anzustellen. Damit kann der Unternehmer seine Verpflichtungen den Beschäftigten gegenüber und seine Sozialkosten auf ein Minimum reduzieren, während er gleichzeitig die Arbeitsbedingungen des Fahrpersonal bis ins kleinste Detail selbst festlegt. Ein nominell unabhängiger Betreiber kann sozusagen fest an ein einziges Unternehmen gebunden werden.

In einer Reihe von Ländern sind die Gewerkschaften der Ansicht, dass die Einmannunternehmen alles andere als echte unabhängige Betreiber sind, die sich ihre Arbeit aussuchen können. Viele Gewerkschaften nehmen diese „Scheinselbständigen“ daher in ihre Organisation auf.

Auf dem Kongress wird man eine Reihe von Fragen aufwerfen: Sollen die Gewerkschaften Einmannunternehmen und andere Gelegenheitsbeschäftigte organisieren? Sind sie dazu überhaupt in der Lage? Und wie kann die ITF ihren Mitgliedern helfen, diese Berufsgruppe zu organisieren?

Mehr Frauenbeteiligung

Im Verkehrssektor herrscht eine Art Geschlechtertrennung. Zwar haben manche Verkehrsgewerkschaften mehr weibliche als männliche Mitglieder, insbesondere Kabinenpersonalsgewerkschaften, ansonsten aber sind Frauen oft in der Minderheit.

Zur Vorbereitung auf den Kongress hat die ITF eine groß angelegte Umfrage unter den ihr angeschlossenen Gewerkschaften durchgeführt, um herauszufinden, wie stark Frauen in allen gewerkschaftlichen Aktivitäten und Strukturen vertreten sind. Wie viele Generalsekretärinnen gibt es in der ITF? Brauchen die ITF-Gewerkschaften mehr Aktivistinnen bzw. Funktionärinnen? Von der Umfrage erhofft sich der ITF-Frauenausschuss Antwort auf diese Fragen.

Im Vorfeld des Kongresses findet zum dritten Mal die ITF-Frauenkonferenz statt. Die erste Konferenz dieser Art wurde 1994 in Genf abgehalten; auf ihr wurde die Erarbeitung eines Gleichstellungsprogramms beschlossen. Die zweite fand 1998 in Neu-Delhi statt; danach wurde der erste ITF-Frauenausschuss überhaupt gewählt.

Sowohl auf der Frauenkonferenz als auch auf dem Kongress in Vancouver wird man über die Auswirkungen der Verkehrsglobalisierung auf Frauen diskutieren und insbesondere über die damit verbundenen Herausforderungen für Frauen im ÖPNV und für Gewerkschaften, die ihre Mitglieder aus dem wachsenden Logistik-, Verteiler- und Callcenterbereich rekrutieren.

Ferner wird man sich auf beiden Zusammenkünften mit Möglichkeiten befassen, wie man die Rolle der Frauen in den Verkehrsgewerkschaften stärken kann. Der Frauenausschuss wird Satzungsänderungen vorschlagen, um die Einbindung der Frauen in die Arbeit der ITF zu verbessern. In einem Vorschlag geht es um den Frauenanteil an Kongressdelegationen, in einem anderen wird angeregt, die Frauenkonferenz zum Bestandteil des ITF-Kongresses zu machen, womit sie denselben Status wie eine Sektionssitzung bekäme. Falls der 40. Kongress die Änderungsvorschläge genehmigt, treten diese 2006 in Kraft.



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Issue 9 August 2002

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