Grenzblockaden erfolgreich
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Hubert Hollerich ist Verkehrssekretär der OGB-L, des Dachverbands der unabhängigen luxemburgischen Gewerkschaften. Er hat aktiv Grenzblockaden mit Tausenden von Fahrerinnen und Fahrern organisiert, um angemessene Arbeitszeiten durchzusetzen. Hier befasst sich Hubert mit Errungenschaften und künftigen Entwicklungen.
„Anfang 1997 waren unsere Aktionen im Rahmen des Internationalen Aktionstags für den Straßentransport noch sehr unbedeutend. Wir boten nur einen Bummelkonvoi auf, der ungefähr eine Stunde lang auf der Autobahn fuhr und an dem sich einige Gewerkschaften aus Luxemburg und Frankreich beteiligten. Danach aber wurden wir jedes Jahr aktiver. Es beteiligten sich immer mehr Gewerkschaften, zunächst aus Frankreich und Belgien, dann aus Deutschland und den Niederlanden. 2000 waren alle großen Fahrpersonalsgewerkschaften aus diesen Ländern mit dabei; hinzu kamen Aktivisten aus Großbritannien, Dänemark, Spanien, Portugal, Österreich und Italien. Sogar einige Bahnbeschäftigte machten mit.
2000 verbuchten wir beim Aktionstag eine Rekordbeteiligung. In Luxemburg trafen sich gerade die Verkehrsminister der EU, um über die Arbeitszeitrichtlinie für Straßentransportbeschäftigte zu beraten. Also führten wir an allen Grenzübergängen nach Deutschland, Belgien und Frankreich Blockaden durch. Eine ganze Nacht, von Sonntag 21.00 Uhr bis Montag 11.00 Uhr, war Luxemburg praktisch abgeschnitten. Durch die vielen Beteiligten aus verschiedenen Ländern kam eine schöne Atmosphäre auf. Zunächst wollten die Minister die ETF/ITF-Delegation nicht empfangen, dann aber erklärten sie sich wegen der Blockaden doch dazu bereit.
Die ITF versorgte uns mit vielen Informationen, konkreten Zahlen und Fallstudien, die wir den Politikern vorlegten, um unsere Forderungen zu untermauern. Unsere Stärke war, dass alle Gewerkschaften dieselben Argumente hatten und dieselben Fakten vorweisen konnten.
Auch die Fahrerinnen und Fahrer der Privat-Pkw, die im Stau steckten, bekamen diese Informationen. Wir öffneten die Blockaden für sie, damit sie durchfahren konnten, und sie unterstützten uns, weil wir sie auf den Zusammenhang zwischen der Sicherheit des Lkw-Fahrpersonals und der aller Verkehrsteilnehmer auf den Straßen hinwiesen. Auf einem Anhänger transportierten wir einen havarierten Lkw. Der Fahrer war am Steuer eingeschlafen, hatte einen Unfall verursacht und dabei beide Beine verloren. Die Leute konnten in das Führerhaus steigen und bekamen einen unmittelbaren Eindruck von dem, was passiert war.
Auch 2001 verlief der Aktionstag zu unserer Zufriedenheit. Wir führten Blockaden an der französischen und deutschen Grenze durch. Dank der intensivierten Lobbyaktionen bekamen wir die Arbeitszeitrichtlinie im Februar dieses Jahres durch, was wir meiner Ansicht nach den Blockaden zu verdanken haben.
Die Arbeitszeitrichtlinie definiert die Arbeitszeit für das Lkw-Fahrpersonal einschließlich der Wartezeiten. Sie legt fest, wie lang eine Lkw-Fahrerin bzw. ein Lkw-Fahrer innerhalb einer bestimmten Zeit arbeiten darf. Doch die Richtlinie hat ihre Mängel. Zum einen gilt sie nicht für Selbständige. Wenn die Unternehmen auf Einmann-Subunternehmen umsteigen, statt Fahrpersonal direkt zu beschäftigen, kann das zu Problemen führen. Die EU-Kommission will sich mit diesem Aspekt in zwei Jahren befassen.
Nachdem die ITF-Kampagne seit nunmehr fünf Jahren läuft, wird es meiner Meinung nach Zeit für etwas Neues. Vielleicht sollte jede Region ihre eigenen Schwerpunkte setzen. Viele Fahrerinnen und Fahrer, die ich kenne, möchten den Arbeitgeber und seinen Umgang mit dem Fahrpersonal stärker in den Vordergrund rücken.“
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