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Page context: Home > Transport International Magazine > Nr. 24 / Juli 2006 > Der schelmische Revolutionär
ER IST BEKANNT ALS HARTNÄCKIG, GERADEHERAUS UND RADIKAL IN SEINEN ANSICHTEN. GLEICHZEITIG FÜLLT RANDALL HOWARD SEINE FUNKTION ALS GENERALSEKRETÄR DER SOUTH AFRICAN TRANSPORT AND ALLIED WORKERS' UNION (SATAWU) MIT HUMOR UND CHARME AUS. DIE SATAWU WIRD IM AUGUST GASTGEBER DES ITF-KONGESSES IN DURBAN SEIN. EIN PORTRAIT VON RONNIE MAMBA
Randall Howard lacht gerne und sieht die Dinge meist von ihrer humorvollen Seite. Er nimmt sich auch gerne selbst auf die Schippe, was den weichen Kern hinter seiner relativ rauen Schale zum Vorschein bringt. Dies ist eine nützliche Eigenschaft in einer jungen Organisation wie der SATAWU, die vor gerade einmal fünf Jahren aus einer Fusion zwischen den beiden Verkehrsgewerkschaften Transport and General Workers' Union (T&G) und der South African Rail and Harbor Workers' Union (SARHWU) entstanden ist. Die beiden Organisationen hatten unterschiedliche Leitkulturen, und es hätte leicht zu Spannungen kommen können, wenn der Zusammenschluss nicht mit äußerster Umsicht vollzogen worden wäre.
Für viele liegt der Ursprung von Howards Führungsqualitäten in seiner Energie und Zähigkeit; ist sein unkonventioneller Umgang mit seinen Mitmenschen, aber auch politischen Themen sehr erfrischend. Er ist direkt und geradeheraus, gleichzeitig ist es ihm gelungen, selbst in einem Land wie Südafrika, wo schon eine unbedachte Bemerkung einen Konflikt entfachen kann, Harmonie zu stiften.
Er wurde in Bonteheiwel in den Cape Flats, damals eine der berüchtigtsten Gegenden von Kapstadt, geboren, und seine radikalen Ansichten wurden weitgehend geprägt durch die Realität des Apartheid-Systems, das seine Kindheit beherrschte.
Als er acht war, zog er mit seinen Eltern aus dem irrsinnigen Umfeld von Bonteheiwel fort, wo Drogen, Bandenkriminalität und soziale Missstände zum Alltag gehörten. Dennoch konnte er sich den Realitäten der Apartheid nicht völlig entziehen, die ihn als "Farbigen" klassifizierte und somit als jemanden, der in der sozialen Hackordnung ziemlich weit unten stand.
Barfüßiger Schulschwänzer
Obwohl sie nicht viel Geld hatten, schafften es seine Eltern, nach Green Haven, ein Viertel der unteren Mittelklasse, zu ziehen. Beide hatten Arbeit, sein Vater fuhr zur See und seine Mutter arbeitete in einer örtlichen Kleiderfabrik.
Randall brüllt vor Lachen, wenn er an die Tage zurückdenkt, als er lieber die Schule schwänzte, als sich dafür schämen zu müssen, dass er ohne Schuhe dort auftauchte.
"Ich bin in der Schule immer gut mitgekommen, auch wenn es öfter mal heftige Prügelstrafe gab," sagt er. Aber erst mit der Entdeckung des Sports hatte er das Gefühl, eine Zuflucht gefunden zu haben.
"Ich war als Kind sehr ehrgeizig, und ich glaube, ich bin es auch heute noch. Fußball und Leichtathletik wurden für mich damals sehr wichtig, und dafür bekam ich in meiner Gegend viel Anerkennung. Mit Hilfe des Fußballs überwand ich Rassenschranken. Ich kam mit den indischen Nachbarn in unserer Straße gut aus und spielte sogar in ihrer Mannschaft."
Als Stürmerstar in keiner geringeren Mannschaft als dem mächtigen Moon Lighters FC, der nur sieben Spielklassen unter der ersten Liga spielte, kam er bei den Frauen gut an. Er stolzierte durch sein Viertel und ließ seinen romantischen Charme spielen … was ihm im Alter von 20 Jahren Schwierigkeiten einbrachte, als seine Freundin schwanger wurde. Sie heirateten, aber die Ehe war nicht von Dauer.
Nach einer Reihe von Aushilfsjobs in Geschäften und Restaurants bekam er schließlich seine erste "richtige" Stelle in einem Containerdepot und wurde zum Revolutionär.
Vom Fußballspieler zum Vertrauensmann
"Als ich in dem Unternehmen anfing, lief gerade eine Mitgliederwerbekampagne für die Transport and General Workers' Union, weil der Boss, ein Ire, ein Tyrann und ein Rassist war."
Randall erklärte prompt seinen Beitritt, wurde, da er als örtlicher Fußballheld bereits bekannt war, sofort zum Vertrauensmann gewählt und einige Monate später zum Vorsitzenden des Vertrauensleuteausschusses.
"Als wir eine Versammlung einberiefen, um die offizielle Anerkennung einzufordern, wurde unser Chef fuchsteufelswild," erinnert er sich. "Es flogen Tische durch die Gegend, und wir beschimpften uns gegenseitig. Er war völlig schockiert, dass wir uns unter seiner Nase organisiert hatten.
Nach mehreren Arbeitsniederlegungen kam er schließlich zur Vernunft. Er entschuldigte sich und erkannte die Gewerkschaft an. Das war ein gewaltiger Sieg.
Dieses Ereignis veränderte mein Leben. Heute sehe ich mit den Erfahrungen der Jahre, dass es mich aber auch verwirrte. Ich machte den Kampf zwischen dem Boss und mir zu einer persönlichen Angelegenheit. Damit verscherzte ich mir einige Sympathien, da mein Drang, es ihm heimzuzahlen, mich sehr unvorsichtig machte."
Die Geier kreisten über dem anmaßenden Aktivisten, der es nicht für nötig hielt, irgendjemandem Rechenschaft für sein Verhalten abzulegen. Als er schließlich entlassen wurde, ließ die umfassende Personalakte, die die Geschäftsleitung über ihn vorlegte, keinen Zweifel daran, dass sie auf Nummer sicher gehen wollte. Selbst sein Einspruch wurde trotz der Proteste seiner Kolleg/innen rundweg abgewiesen.
In zweifacher Hinsicht lag in all dem aber auch etwas Gutes. Die Unterstützung, die ihm von seinen Kolleg/innen zuteil wurde, gab ihm das Selbstvertrauen weiterzumachen. Aber, was noch wichtiger war, es eröffneten sich ihm dadurch Perspektiven jenseits des South Africa Container Depot.
Seine sehr öffentlich ausgetragenen Kämpfe mit der Unternehmensleitung hatten Aufmerksamkeit erregt, sodass er, als er SA Container Depot verließ, als mutig und entschlossen genug galt, um den Gewerkschaftskampf auf höherer Ebene weiterzuführen. Nach einem kurzen Zwischenspiel als Organisationsbeauftragter wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden der T&G gewählt.
Wie wurde er vom unflätigen Rebellen zum respektierten Gewerkschaftsführer, dessen Meinung überall im Lande gefragt ist?
"Ich weiß heute viel mehr als in meiner Jugend. Ich bin teamfähiger geworden und habe gelernt, Dinge zu delegieren. Die Gewerkschaft hat mich großgezogen, und ich habe ihr viel zu verdanken."
Auch seinen Kontakt zur internationalen Gewerkschaftsbewegung über die ITF hält Howard für entscheidend für seine Entwicklung und Bildung.
"Während der Apartheid erhielten die ehemaligen Gewerkschaften TGWU und SARHWU breite, von der ITF koordinierte solidarische Unterstützung. Wir haben erfahren, wie wichtig das sein kann, sowohl was praktische Solidarität angeht, als auch in moralischer Hinsicht. Deshalb macht es uns umso stolzer, Gastgeber des ITF-Kongresses 2006 in Durban zu sein. Das gibt uns die Gelegenheit, uns erkenntlich zu zeigen, die Früchte unseres langjährigen Kampfes zu teilen und etwas von der Vitalität der südafrikanischen Gewerkschaftsbewegung und unserer Kultur weiterzugeben."
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