TI Info: Die globale Berichterstattungsinitiative (GRI)
ITF translations available: English, Deutsch
Google free translation: Italiano, Norske, Português, Türk, 中国的, 한국의, Bahasa Melayu, ภาษาไทย, हिंदी, اردو,
தமிழ், Kiswahili, Español, Français, Svenska, Русский, العربية
Was ist die GRI?
Die globale Berichterstattungsinitiative (Global Reporting Initiative – GRI) ist eine der ungezählten Initiativen zur sozialen Verantwortung von Unternehmen, die in den letzten Jahren entstanden sind. In einigen Aspekten sticht die GRI jedoch hervor. So wurde sie u. a. offiziell von den Vereinten Nationen anerkannt, nachdem sie 1997 vom Uno-Umweltprogramm UNEP und der NGO Coalition for Environmentally Responsible Economies (NRO-Koalition für ökologisch verantwortungsvolle Wirtschaftssysteme) gemeinsam gegründet wurde. 2002 wurde sie zu einer ständigen unabhängigen Einrichtung. Darüber hinaus bauen ihre Strukturen auf einem Multi-Stakeholder-Dialog auf, also dem Dialog einer Vielzahl von Teilhabern, einschließlich der Gewerkschaften. Die Berichterstattungsnormen der GRI werden mittlerweile, ganz oder teilweise, von einer ständig steigenden Zahl weltführender Unternehmen und einigen Regierungen übernommen.
Was macht die GRI für Gewerkschaften interessant?
Die GRI appelliert an Unternehmen, Nachhaltigkeitsberichte zu erstellen, die über das Thema Umwelt hinausgehen und auch wirtschaftliche und soziale Leistungen mit einbeziehen, was manchmal mit Dreifachbilanz bezeichnet wird. Unter soziale Leistungen fallen eine Reihe von Aspekten von gewerkschaftlichem Interesse, wie z. B. Eingriffe eines Unternehmens in die Menschenrechte. Aber auch "soziale Gerechtigkeit am Arbeitsplatz" und die Leistungen eines Unternehmens im Bereich des Arbeitsschutzes werden thematisiert. Die Unternehmen sollen in ihren Berichten Informationen vorlegen, die den Verbraucher/innen und Kund/innen eine fundierte Beurteilung des Unternehmensverhaltens ermöglichen.
Wie wird der praktische Nutzen der Informationen gewährleistet?
Nach dem Wunsch der GRI sollen die Unternehmen Berichte vorlegen, die
- eine ausgewogene und akzeptable Darstellung der wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Leistungen enthalten,
- einen langfristigen Vergleich zulassen,
- einen Vergleich mit anderen Organisationen ermöglichen und
- zu den Anliegen der gesellschaftlichen Teilhaber Stellung nehmen.
Das geschieht über den Versuch, messbare Indikatoren zu finden. Theoretisch sollte damit erkennbar sein, ob ein Unternehmen sich in einem der genannten Bereiche zum Guten oder zum Schlechten hin entwickelt und wie es sich im Vergleich mit anderen Unternehmen ausnimmt. Einige Teile des Berichts gelten generell für alle Unternehmen, andere nehmen Bezug auf spezielle Wirtschaftsbranchen.
Wie wird z. B. "soziale Gerechtigkeit am Arbeitsplatz" gemessen?
Die GRI stützt sich auf Indikatoren wie den Anteil Beschäftigter, für die Kollektivverträge bestehen. Ein weiterer Indikator ist der Anteil Beschäftigter, die von unabhängigen Gewerkschaftsorganisationen oder "Arbeitnehmervertretungen" vertreten werden. Diese letztgenannte Kategorie verzerrt die Datenlage beträchtlich, da viele extrem gewerkschaftsfeindliche Unternehmen von sich behaupten, eine Art "Arbeitnehmervertretung" zu haben. Zu den Arbeitsschutzindikatoren zählen Daten zu Arbeitsunfällen mit Verletzungs- oder Todesfolge.
Woher weiß man, ob die Informationen stimmen?
Wie bei den meisten Programmen zur sozialen Verantwortung von Unternehmen liegt die Schwachstelle in der Überprüfung der Informationen. Die GRI arbeitet nach eigenen Angaben auf der Grundlage verschiedener "Gewährleistungsmechanismen".
Die eingereichten Informationen müssen in einer Weise offen gelegt werden, dass externe Gewährleister in der Lage sind, ihre Zuverlässigkeit zu bestätigen. Natürlich wissen alle, die je mit der Erstellung oder Auswertung von Statistiken zu tun hatten, wie unendlich viele Möglichkeiten es gibt, Daten zu interpretieren. Das GRI-Sekretariat achtet jedoch bei den angeforderten Informationen äußerst strikt auf die Einhaltung bestimmter Normen und scheint den Prinzipien der Initiative in Bezug auf soziale Verantwortung sehr verpflichtet.
Stellt die GRI betriebliche Normen auf?
Nein, die GRI gibt keine Normen und keinen Verhaltenskodex vor. Ihr geht es darum, dass Unternehmen Informationen über ihre Leistungen oder ihre Normen vorlegen, um beispielsweise beurteilen zu können, ob sie verschiedene internationale Normen erfüllen. Unter der Überschrift "Menschenwürdige Arbeit" werden die Unternehmen z. B. aufgefordert, ihre Unternehmenspraxis an den Kernarbeitsnormen der IAO zu messen.
Warum beteiligen sich die Unternehmen?
Anfang 2004 legten 380 Organisationen eine Berichterstattung nach GRI-Richtlinien vor. Die Zahl wächst, da die GRI das Branchenspektrum, das sie abdecken will, erweitert. So bezieht die GRI allmählich immer mehr Unternehmen in den Teilhaber-Dialog unter ihrem Dach ein. Ein Hauptmotiv für die Beteiligung von Unternehmen scheint zu sein, dass sie unter Zugzwang geraten. Sie werden sich bewusst, dass Kund/innen und Verbraucher/innen von ihnen Aufschluss über die Einhaltung von Normen verlangen, und versuchen, ihre Leistungen in dieser Hinsicht zu verbessern. Konkurrenz ist ein weiterer Faktor. Manche Unternehmen, von denen man es eigentlich nicht erwarten würde, machen wohl auch mit, weil sie ihren Konkurrenten durch deren Beteiligung keinerlei Wettbewerbsvorsprung gönnen wollen.
Ist die GRI für die ITF und die ihr angeschlossenen Gewerkschaften relevant?
Mehrere globale Gewerkschaftsverbände haben in den GRI-Arbeitsgruppen mitgearbeitet. Die ITF erhielt vor kurzem eine Einladung zur Teilnahme an einer Multi-Stakeholder-Arbeitsgruppe der GRI zum Thema Verkehr und Logistik, zu der auch Unternehmen wie UPS, DHL und Federal Express eingeladen waren.
Bei der GRI handelt es sich um einen echten Multi-Stakeholder-Dialog, der sich mit Informationen über Unternehmensverhalten befasst. Die Teilnahme ist natürlich absolut freiwillig. Die Beteiligung von Logistik- und anderen Verkehrsunternehmen an der Initiative könnte aber dem Einsatz der Gewerkschaften für verantwortungsvolle globale Sozialnormen im Verkehrssektor sehr zustatten kommen. Je mehr Informationen von Unternehmen zu bekommen sind, je besser. Die GRI ist jedoch noch eine sehr junge Einrichtung. Bleibt abzuwarten, wie sie sich weiter entwickelt.