Eine neue Ära der Solidarität in der arabischen Welt
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Im Rahmen eines ITF-Seminars in der tunesischen Hauptstadt Tunis Ende letzten Jahres haben die Gewerkschaften der Hafenbeschäftigten der arabischen Welt Schritte zur Intensivierung ihrer Zusammenarbeit unternommen. Als erste Veranstaltung dieser Art für die arabischsprachigen Hafengewerkschaften gehört sie zu einer Reihe branchenspezifischer Aktivitäten, die die Kontakte zwischen den arabischen Verkehrsgewerkschaften festigen sollen.
Eine Reihe von Themen vom internationaler Tragweite haben diese Gewerkschaften dazu veranlasst, verstärkt Anschluss an die internationale Gewerkschaftsbewegung zu suchen.
Die Globalisierung zeigt in dieser Region ähnliche Auswirkungen wie in anderen Teilen der Welt: Privatisierung, Wettbewerb, Deregulierung usw. Die intensivierten Wirtschaftsbeziehungen zwischen den arabischen Mittelmeerstaaten und der Europäischen Union haben das Bedürfnis nach einem Erfahrungsaustausch mit den Gewerkschaften innerhalb der EU noch verstärkt.
Doch durch die besondere politische und soziale Situation im Zusammenhang mit dem Nahost-Konflikt und dem "Kampf gegen den Terrorismus" fühlen sich die arabischen Länder isoliert. Die existierenden Gewerkschaften gehen davon aus, dass die Kooperation mit den globalen Gewerkschaften ihnen bei der Bewältigung wirtschaftlicher, aber auch bedeutender politischer und rechtlicher Fragen in der Region helfen kann. Gewerkschaftsaktivitäten sind in vielen Golfstaaten nur in äußerst begrenztem Umfang zugelassen, in manchen sogar gänzlich verboten.
Neun Gewerkschaften der Hafenbeschäftigten aus acht Ländern nahmen an dem Seminar teil, darunter langjährige ITF-Mitglieder aus Marokko und Ägypten, Gewerkschaften aus Algerien und Tunesien, die der ITF erst vor kurzem beigetreten sind, sowie weitere Organisationen aus Jordanien, dem Libanon, Jemen und dem Sudan, die an einer Mitgliedschaft interessiert sind.
In allen arabischen Ländern werden auf unterschiedliche Art und Weise und mehr oder weniger zügig Hafenreformen durchgeführt. Einige Gewerkschaften, z. B. in Tunesien, konnten eine klare Gewerkschaftsstrategie entwickeln und umsetzen, die ihnen eine Mitwirkung an den Reform- und Modernisierungsprozessen in der Hafenwirtschaft ermöglichten. In anderen Ländern, wie z.B. in Jemen, haben sich globale Terminalbetreiber schon seit langem etabliert, und die Gewerkschaften haben es schwer, sich in den Reformprozess einzubringen.
Bereit für Veränderungen
Die teilnehmenden Gewerkschaften zeigten sich begeistert über die Aussicht auf eine verstärkte Zusammenarbeit und eine gewichtigere Rolle in der internationalen Gewerkschaftsbewegung.
Gleichzeitig erkannten sie, dass die Mitarbeit in der ITF aber auch beträchtliches Engagement erfordert. Um größtmöglichen Nutzen aus ihrer Mitgliedschaft zu ziehen, müssen die Gewerkschaften Fähigkeiten für eine aktive Beteiligung an Kampagnen und Solidaritätsaktionen entwickeln. Die ITF muss ihrerseits mehr Materialien in arabischer Sprache zur Verfügung stellen und hofft, ihre Präsenz in der Region auszubauen.
Frühere Bemühungen, die Gewerkschaften der arabischen Welt einander näher zu bringen, verliefen nicht sehr erfolgreich. Mit der Anzahl der beteiligten Organisationen ist jedoch mittlerweile auch die Motivation gewachsen. Ende 2001 lud die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) alle Globalen Gewerkschaftsverbände und den Internationalen Bund Freier Gewerkschaften (IBFG) zu einem Strategietreffen nach Algier ein, um sich mit diesem Thema zu befassen. Seitdem unterstützte die FES ein Regionaltreffen von Verkehrsgewerkschaften, das 2002 in Amman stattfand, und das Hafenseminar 2003. Mit Hilfe des algerischen Verbandes der Verkehrsbeschäftigten wurde 2002 in Algier ein Seminar für den Bereich Zivilluftfahrt organisiert. Im September 2002 wurde Bilal Malkawi, der Vorsitzende der jordanischen Air Transport and Tourism Union, auf ehrenamtlicher Basis zum persönlichen Beauftragten des Generalsekretärs für die arabischsprachigen Länder ernannt. Eine seiner Hauptaufgaben wird in der Vorbereitung einer großen Regionalkonferenz für 2004 bestehen.