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Frauenarbeit

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Die Globalisierung hat einige neue Wirtschaftszweige entstehen lassen, andere zerstört, auf jeden Fall aber die Arbeitsmethoden überall in der Verkehrswirtschaft, in allen Ländern und allen Bereichen verändert. Die ITF-Frauenbeauftragte Sarah Finke zur Rolle der Frauen in den am stärksten betroffenen Sektoren und was dies für die Gewerkschaften bedeutet

  • Vor dem Hintergrund der mit unverminderter Geschwindigkeit voranschreitenden Globalisierung verschwimmen die Abgrenzungen zwischen multinationalen Unternehmen immer mehr, und die Beschäftigung im Verkehr verschiebt sich schwerpunktmäßig vom traditionellen Betrieb in die Bereiche Logistik und Transportkette.
  • Gleichzeitig steigt der Frauenanteil unter den Beschäftigten, allerdings vor allem in Teilzeit- und befristeten Stellen, in denen mit größerer Wahrscheinlichkeit Frauen anzutreffen sind. Auch der gewerkschaftliche Organisationsgrad wächst, doch gilt dies weniger im Privatsektor, und gerade dieser bietet dem Löwenanteil der Beschäftigten, die dem Organisationsbereich der ITF zuzurechnen sind, Arbeit.
  • Wenn die Verkehrsgewerkschaften ihre Stärke und Bedeutung für die Zukunft sichern wollen, müssen sie verstärkt berufstätige Frauen organisieren. Und das beschränkt sich nicht allein darauf, sie als Mitglieder zu werben und zu halten, sondern es heißt auch, dass ihre Forderungen und Erwartungen als Mitglieder erfüllt werden und sie sich auf der Führungsebene vertreten sehen.
  • Im Folgenden werfen wir einen Blick auf die veränderte Rolle der Frauen in den von der Globalisierung besonders betroffenen Wirtschaftsbereichen und die neuen Herausforderungen, die dies für die Gewerkschaftsbewegung mit sich bringt.

Lagerhaltung, Versand und Verpackung

Wie die europäischen Gewerkschaften berichten, sind die hoch qualifizierten High-Tech-Arbeitsplätze in der Regel Männerdomäne. Büro- und Versandtätigkeiten werden vorwiegend von Frauen ausgeübt. In Lagerhaltung und Verpackung sind die Belegschaften gemischtgeschlechtlich, aber sie bestehen zumindest in Europa oft aus Wanderarbeiter/innen unterschiedlicher Herkunft, die gering bezahlt werden und in der Regel nicht gewerkschaftlich organisiert sind.

Gleichzeitig bedeuten die strikten Vorgaben des Lieferkettenmanagements, dass der Transport nur mehr ein Glied in der Montage- und Vertriebskette zwischen Hersteller und Verbraucher ist. Für Frauen, die innerhalb dieser Kette im Herstellungs- und Lieferbereich einer bestimmten Firma beschäftigt sind, ergeben sich daraus gemeinsame Interessen, die von Gewerkschaften im Rahmen ihrer internationalen Kontakte vertreten werden können.

Beschäftigte in Callcentern

Callcenter können nur schwerlich als Sektor bezeichnet werden, sie sind eher Technologie- als Wirtschaftszweig. Fast alle Callcenter sind jedoch im privaten Dienstleistungsbereich angesiedelt. Ob es sich um Unternehmen des Personenverkehrs, im Tourismusbereich oder Express-Paketdienste handelt, alle bedienen sich Callcentern, um Buchungen durchzuführen und Reisen bzw. Güterbewegungen zu planen und zu verfolgen. Callcenter als solche haben ein sehr großes Wachstumspotenzial, und der Verkehr ist einer der Bereiche (zusammen mit dem Kommunikationsbereich sowie Finanz- und Geschäftsdienstleistungen), für den das steilste Wachstum vorhergesagt wird.

Bis Ende 2002 werden in Europa 1,3 Prozent aller Beschäftigten (2 Millionen Menschen) in Callcentern arbeiten. Die höchste Konzentration an Callcentern findet man in den nordeuropäischen Länder, die südeuropäischen Länder liegen hier weit zurück. Ähnliche Zahlen liegen für Ostasien und Australien vor, und in den USA sind seit 1990 über 5 Millionen neue Arbeitsplätze entstanden.

Die Arbeitsplätze in Callcentern sind in der Regel gering bezahlt, das Personal besteht vorwiegend aus Frauen und ist eher jung. Ein großes Thema ist Stress am Arbeitsplatz, verursacht durch überzogene Anforderungen, Kontrolle und zu wenig Pausen. Teilzeit- und Kurzschichtarbeit sind verbreitet. Je nach Geschäftsinhalt setzen manche Callcenter nur beschränkte Qualifizierungen voraus, andere wiederum verlangen technische oder Sprachkenntnisse.

Im Verkehrssektor wurden Callcenter, die Fluggesellschaften, Eisenbahnen und Paketzustelldiensten angegliedert sind, gewerkschaftlich organisiert. Seitdem wird dort erfolgreich daran gearbeitet, die Beschäftigungsbedingungen zu verbessern. Es stellen sich aber weitere Herausforderungen, z. B. bei der gewerkschaftlichen Organisierung von Beschäftigten in Callcentern, die außerhalb des Landes angesiedelt sind, in dem das Unternehmen seinen Sitz hat.

Es gibt eine heftige Konkurrenz um die Ansiedlung internationaler Callcenter. Sprach- und technische Kenntnisse sind Faktoren, aber auch Beschäftigungsbedingungen und Lohnhöhe. Diese Art von Konkurrenz verträgt sich nicht mit gewerkschaftlicher Organisierung. So hatten der ITF angeschlossene Gewerkschaften zum Beispiel vor, den Buchungsbereich der British Airways gewerkschaftlich zu organisieren, nachdem er nach Indien verlagert worden war, aber sie sahen sich mit einer gewerkschaftsfeindlichen Unternehmenspolitik konfrontiert.

Tele- und Heimarbeit

Ein Vorteil von Callcentern im Hinblick auf die gewerkschaftliche Mitgliederwerbung ist zumindest darin zu sehen, dass viele Beschäftigte an einem Ort konzentriert sind. Dies trifft jedoch nicht auf Heimarbeiter/innen zu. Bis dato ist uns noch kein Einsatz von Telearbeiter/innen in den Hauptverkehrssektoren bekannt, wie etwa die Ausführung von Buchungen über Heimarbeitsplätze. In Großbritannien arbeiten jedoch Autopannendienste schon mit Heimarbeiter/innen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Reisebuchungen, die Koordinierung von Expresspaketdiensten und Güterzustellung auf diese Weise vorgenommen werden.

Nach wie vor sind die meisten der Heimarbeiter Männer, die in Bereichen wie Informationstechnologie arbeiten oder andere professionelle oder halbprofessionelle Qualifikationen besitzen. Den deutlichsten Zuwachs an Telearbeitsplätzen in jüngster Zeit gab es jedoch unter Frauen, die ausschließlich zuhause arbeiten.

Hier handelt es sich zweifellos um einen Wachstumsbereich, auf den mit innovativen gewerkschaftlichen Ansätzen reagiert werden muss, möglicherweise auf lokaler Ebene.

Fluggesellschaften als "Rosinenpicker"

Die Beschäftigung ausländischen Personals und die Entstehung von Allianzen im Luftverkehr haben zu einer Situation geführt, in der Mitarbeiter/innen verschiedener Nationalität nebeneinander unter je nach Staatszugehörigkeit unterschiedlichen Beschäftigungsbedingungen tätig sind. Dazu zählen etwa auch die Mutterschutzbestimmungen. Fluggesellschaften haben auch schon versucht, für gemischtnationale Belegschaften die für sie selbst günstigsten Bedingungen "herauszupicken", ungeachtet dessen, an welchem Standort die Beschäftigten arbeiten.

Beschäftigungsgrundlage für das Personal bei United Airlines ist zum Beispiel das amerikanische Recht. Folglich gelten auch für die in Europa eingesetzten Mitarbeiterinnen die amerikanischen Mutterschutzbestimmungen. Sie werden also nach europäischem Recht besteuert, erhalten aber keine dem europäischen Niveau entsprechenden Mutterschutzleistungen. Allerdings wurde in einigen Gerichtsbeschlüssen in Deutschland und Großbritannien die – nach wie vor ungelöste – Frage aufgeworfen, welcher Gerichtsbarkeit das Flugzeug unterliegt und welche Bedingungen daher für Arbeitsplätze in der Luft gelten.

Frauen auf See

Das Billigflaggensystem wirft für alle Seeleute schwerwiegende juristische Probleme auf. Weibliche Seeleute stehen vor dem Problem, wie nationale Mutterschutzgesetze zur Anwendung gebracht werden können, wenn sie auf im Ausland registrierten Schiffen arbeiten, die ja der Gerichtsbarkeit des Flaggenstaates unterliegen. Diese Frage wurde bisher weder von einzelnen Seeleuten noch von der ITF angeschlossenen Gewerkschaften aufgegriffen, sie stellt aber ganz klar eine Gesetzeslücke im Billigflaggensystem dar.

Wanderarbeitnehmer/innen

Wirtschaftliche Krisen in den Ländern des Südens veranlassen mehr und mehr Frauen, auf der Suche nach Arbeit ins Ausland auszuwandern. Viele dieser Frauen landen in den am wenigsten geschützten und gewerkschaftlich organisierten Randbereichen der Verkehrswirtschaft. Der Kreuzschifffahrtssektor beschäftigt als eine der Wachstumsbranchen der Welt immer mehr Wirtschaftsemigrantinnen. "Neben mir sind noch sechs weitere Peruanerinnen auf meinem Schiff. Keine von uns wäre hier, wenn wir zuhause gute Arbeit fänden," sagte eine der Beschäftigten auf einem Kreuzfahrtschiff, die eine fünfjährige Ausbildung in den Vereinigten Staaten absolviert hat und nun als Kellnerin auf der Carnival Fantasy arbeitet. Diese Frauen haben oft eine gute Ausbildung. Sie sind angetrieben von dem Ziel, Geld nach Hause zu schicken, aber die Beschäftigungsbedingungen sind so schlecht, dass viele von ihnen den Sektor schon nach einigen wenigen Diensttouren wieder verlassen wollen.

Informell Beschäftigte

Vielerorts auf der Welt hat die Deregulierung in Verbindung mit kommerziellem Druck zu einer Zunahme "alternativer" oder informeller Massentransportdienste geführt, häufig zum Nachteil der öffentlichen Verkehrsdienste, bei denen der Anteil der Gewerkschaftsmitglieder unter den Beschäftigten weitaus höher liegt.

Zunehmend mehr informell Beschäftigte im Verkehrssektor sind Frauen, von selbstständigen Taxifahrerinnen über Jeepney-Fahrerinnen (philippinische Taxis) bis hin zu Fremdenführerinnen. Viele von ihnen sind jung, manchmal noch Kinder. In vielen Ländern der Welt wird in Busstationen, auf Bahnhöfen und in Zügen unautorisierter und nicht regulierter Handel und Straßenverkauf betrieben. Hier handelt es sich um Arbeitsplätze mit schlechten Bedingungen und ohne gewerkschaftliche Organisationsstrukturen, die die ITF und ihre Mitgliedsorganisationen vor weitere Herausforderungen stellen.

Zielsetzungen für 2003

Im Rahmen ihres Kongresses in Vancouver (Kanada) verpflichtete sich die ITF im August 2002, u. a. den folgenden Aspekten ihrer gemeinsamen Arbeit mit Frauen Vorrang einzuräumen, um ihre Position in der globalisierten Verkehrswirtschaft zu stärken:

  • fortgesetzte Unterstützung für den Aktionstag der Globalen Gewerkschaften am 8. März, dem Internationalen Frauentag
  • Nutzung der Möglichkeiten im Rahmen der ITF-Kampagnen, um Frauen zu mobilisieren, Mitglieder unter den weiblichen Verkehrsbeschäftigten zu werben und sie gewerkschaftlich zu organisieren
  • Durchführung von Maßnahmen zur Abwehr von Einschüchterung und Gewalt
  • Erstellung einer geschlechtsspezifischen Analyse der Auswirkungen der Globalisierung auf die Beschäftigungsbedingungen der Verkehrsbeschäftigten als Grundlage künftiger Kampagnen
  • Behandlung des Themas Gleichstellung der Geschlechter als vorrangiges Anliegen der internationalen Gewerkschaften im Rahmen der Diskussionen über Kernarbeitsnormen
  • Zusammenstellung von Informationen über Verkehrsunternehmen, die ganz offen diskriminierende Praktiken anwenden, und Organisation von Öffentlichkeitskampagnen, um diese Unternehmen an den Pranger zu stellen
  • Kooperation mit anderen Globalen Gewerkschaftsverbänden, um bei einem oder mehreren multinationalen Unternehmen Bildungsmaßnahmen und Mitgliederwerbekampagnen speziell für weibliche Beschäftigte in der Transportkette durchzuführen
  • Schaffung eines Gremiums bzw. einer Konferenz für den Logistiksektor in Zusammenarbeit mit den anderen Globalen Gewerkschaftsverbänden, um sich schwerpunktmäßig mit geschlechtsspezifischen Themen auseinanderzusetzen
  • Gründung eines Gremiums für Callcenter, das sich vorrangig um breitere Umsetzung modellhafter Praktiken, Verhaltenskodexe sowie um die Mitgliederwerbung kümmern sollte
  • umgehende Einleitung von Untersuchungen über Telearbeit im Verkehrssektor.

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