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محتوى الصفحة: Home > مجلة النقل الدولي "Transport International" > Nr. 10 / Januar 2003 > Solidarität ist keine Einbahnstraße
Zu tief sitzen die Bilder aus den Medien über die Ausschreitungen einer kleinen Minderheit der Teilnehmer/innen von Protestveranstaltungen rund um die internationalen Treffen der WTO, der G7 und der Weltbank (Seattle, Prag, Salzburg usw.). Ja sogar die Abhaltung des Weltsozialforums wurde oft in Frage gestellt.
Ein Grund mehr, aufzustehen und darüber zu reden. Denn dass die Kraft einer solchen Veranstaltung als Gegenbewegung zur neoliberalen Globalisierung eine nicht mehr zu unterschätzende ist, wurde schon beim Blick auf die Homepage (www.forumsocialmundial.org.br) klar. Und dass diese Bewegung für eine gerechte Globalisierung auch einen (über)lebenswichtigen Faktor für Gewerkschaften darstellt, war angesichts der Themenschwerpunkte von weit über 800 Großveranstaltungen, Seminaren, Symposien und Workshops deutlich zu erkennen.
Die globalen neoliberalen Institutionen wie WTO, IWF und NAFTA treffen in ihrem Tun die Arbeit der Gewerkschaften praktisch im Zentrum. Und wenn dieser rein monetären Gestaltung der Welt durch die oberen Zehntausend und den großen Konzernen nicht begegnet wird, dann drohen Arbeits- und Sozialgesetze, Menschen- und Umweltrechte so unter die Räder zu kommen, dass gänzlich irreparable Schäden entstehen.
Offenheit statt Isolation
Die Auseinandersetzung damit muss in die Arbeit aller Gewerkschaften einfließen. Es geht um intensive Bewusstseinsbildung und Information für Funktionär/innen und Mitglieder gleichermaßen. Es geht um die Bereitschaft aller Gewerkschaften zu einer weltweit vernetzten Kooperation mit allen NGOs. Und es geht darum zu erkennen, dass Grenzen mehr und mehr verschwimmen. "Jede dritte Welt hat ihre erste, jede erste Welt hat ihre dritte!" – ein Zitat des deutschen Wissenschaftlers Claus Offe, dem nichts mehr hinzuzufügen ist.
Was hat dieses Forum für eine(n) Gewerkschafter/in und unserer Organisation gebracht? Einmal mehr die Erkenntnis, dass isoliertes Handeln in einer Welt wie dieser zum Scheitern verurteilt ist. Öffnung für Verbündete mit ähnlichen bzw. gleichen Interessen ist ein Gebot der Stunde und entspricht auch dem auf dem ITF-Kongress im August 2002 verabschiedeten Arbeitsprogramm "Solidarität globalisieren".
Das Weltsozialforum und die Bündnisfähigkeit mit den globalisierungskritischen Organisationen ist nicht nur eine Entscheidung im Hinblick auf die gegenseitige Solidarität, sondern auch eine strategische. In ihrem Referat vor den Teilnehmer/innen des WSF hat Naomi Klein besonders die Macht im Zusammenschluss der Gewerkschaften mit der globalen Bewegung beschrieben.
"Erst im Zusammenschluss mit der Gewerkschaft sieht die WTO", so Naomi Klein, "die wirkliche Gefahr, da dadurch diese Bewegung bis in die Betriebe organisiert wäre und so direkt ihren Protest kundtun könnte".
Gewerkschaften brauchen Verbündete
Während die Verhandlungen der WTO zum GATS-Abkommen in einer entscheidenden Phase sind (Erstellung der Angebots- und Forderungslisten bis März 2003), habe ich beim ITF-Kongress versucht, die Wichtigkeit einer solchen Bündnispolitik für die Arbeitnehmerbewegung zu unterstreichen.
Aber auch bei den uns ursächlichsten Aufgaben als (nationale) Verkehrsgewerkschaft und (internationale) ITF kann die Zusammenarbeit einen Mehrwert ergeben. Solidarität ist keine Einbahnstraße! So kann es auch für die ITF von Bedeutung sein, ihre eigenen weltweiten Kampagnen und Aktionstage im Rahmen von eigenen Workshops einer großen Anzahl interessierter Teilnehmer/innen am WSF zu präsentieren und zur Diskussion stellen. Wie viele internationale Beispiele zeigen, kommen erfolgreiche Kampagnen – wie auch gewerkschaftliche Maßnahmen – oft erst durch eine positive Unterstützung der Öffentlichkeit zum Durchbruch.
Eine weitere Möglichkeit, am Weltsozialforum teilzunehmen, wird sich im Januar 2003 bieten. Wie bereits die Jahre zuvor wird das Weltsozialforum sich in Porto Alegre treffen und über die Globalisierung der Demokratie, der Arbeitnehmer/innen- und Menschenrechte beraten und globale Strategien erarbeiten. Im Vorfeld dazu werden dieses Mal auch regionale Kontinentaltreffen organisiert. Es wird sich zeigen, wie weit es der Gewerkschaftsbewegung möglich sein wird, diesen Brückenschlag zu unternehmen. Eine andere Welt ist möglich!
Wilhelm Haberzettl ist Vorsitzender der österreichischen Gewerkschaft der Eisenbahner (GdE), Vizepräsident der ITF und Präsident der Europäischen Transportarbeiter-Föderation (ETF).
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Issue 10 January 2003
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