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محتوى الصفحة: Home > مجلة النقل الدولي "Transport International" > Nr. 10 / Januar 2003 > Kommentar
Mit dem Rückgriff auf das vor 55 Jahren verabschiedete Taft Hartley-Gesetz zwang US-Präsident George W. Bush am 8. Oktober 2002 die Arbeitgeberorganisation Pacific Maritime Association (PMA), die Aussperrung von 10.500 Hafenbeschäftigten in den Häfen an der Westküste zu beenden. Ein solches Eingreifen seitens der Regierung ist äußerst selten; das letzte Beispiel liegt mehr als 20 Jahre zurück.
Aber nicht nur die Regierung interveniert in diesem Arbeitskonflikt. Gegen Jahresende 2000 wurde die so genannte West Coast Waterfront Coalition (WCWC) gegründet. Ihr gehören Giganten aus der Schifffahrtswirtschaft wie Maersk und APL ebenso an wie Unternehmen aus der herstellenden Industrie und dem Einzelhandel, z. B. Toyota, Martell, The Gap und Walmart. Die WCWC bezeichnet sich selbst als "Vertretung besorgter Geschäftsinteressen, in der Verlader, Anbieter von Beförderungsdiensten und andere Unternehmen der Zulieferkette im Verkehr zusammengeschlossen sind".
Im Mittelpunkt des Konflikts zwischen PMA und den Hafenbeschäftigten in der ILWU steht die Einführung neuer Logistiktechnologien in den Häfen an der Westküste der Vereinigten Staaten. Dies ist zugleich das erklärte Hauptziel der WCWC.
In den Westküstenhäfen kommt jedoch bereits ein breites Spektrum moderner Technik zum Einsatz. Die ILWU war stets zu Verhandlungen über die Einführung neuer Technologien bereit. Die größte Sorge der Gewerkschaft gilt dabei natürlich der Tatsache, dass neue Technologien die Arbeitsplätze ihrer Mitglieder zerstören. Allerdings hat sie auch immer akzeptiert, dass im Gegenzug eine gewisse Anzahl neue Arbeitsplätze geschaffen wird. Was die Gewerkschaft fordert, ist die Chance, sich auf die neuen Beschäftigungsformen in der Hafenwirtschaft einzustellen und die Beschäftigten in diesen, durch die neuen Technologien geschaffenen Stellen zu vertreten. Die Arbeitgeber ihrerseits sehen im technologischen Wandel eine Gelegenheit, eine gut organisierte Gewerkschaft zu zerschlagen.
Die WCWC hat sich für Verhandlungen ausgesprochen, in öffentlichen Erklärungen aber auch auf die Risiken gewerkschaftlicher Streikmaßnahmen für die Wirtschaft hingewiesen. Regelmäßig trägt sie ihre Sorge über eine drohende Störung der Abläufe für die "in globale Just-in-time-Zulieferketten eingebundenen US-Produzenten" vor.
Zulieferrouten um jeden Preis schützen
Die Gruppe pflegt enge Gesprächskontakte mit der Bush-Administration. Bereits in einer sehr frühen Phase des Arbeitskonflikts wurde mit dem Rückgriff auf die Bestimmungen des Taft Hartley-Gesetzes als Reaktion auf gewerkschaftliche Streikmaßnahmen gedroht. Letztendlich konnte durch geschickte Choreographie der gleiche Effekt erzielt werden: Die Arbeitgeber griffen zur Aussperrung, die WCWC forderte die Anwendung der Regelungen des Taft Hartley-Gesetzes, und der Präsident gehorchte.
Nach Angaben von Richard Trumka, Secretary-Treasurer beim US-amerikanischen Gewerkschaftsdachverband AFL-CIO, hat "erstmals in der Geschichte der Vereinigten Staaten ein Präsident die Aussperrung der Beschäftigten durch einen Arbeitgeber zugelassen, die letztendlich dem Ziel dienen soll, die Position der Gewerkschaft der Betroffenen zu untergraben (indem eine Krise vorgetäuscht wird), und die Arbeitgeber dann durch staatliches Eingreifen belohnt."
Der Arbeitskonflikt der ILWU ist aus vielerlei Gründen von globaler Bedeutung. Eine wichtige Erkenntnis ist die strategische Bedeutung, die globale Gesellschaften und Regierungen inzwischen der Logistik beimessen. Die WCWC stellt nur eine winzige Momentaufnahme neuartiger Formen von Lobbyarbeit dar, mit denen multinationale Geschäftsinteressen versuchen, die Zulieferketten zu schützen. Diese Entwicklung wird nicht auf die Vereinigten Staaten beschränkt bleiben. In dem Maße, wie die Arbeitgeber die ausschlaggebende strategische Bedeutung der globalen Zulieferkette erkennen und entsprechende organisatorische Antworten entwickeln, muss dies auch auf Gewerkschaftsseite geschehen.
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Issue 10 January 2003
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