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محتوى الصفحة: Home > مجلة النقل الدولي "Transport International" > Nr. 1 / Juni 2000 > Blick hinter die Kulissen
Eigentlich eine verlockende Vorstellung: Man bereist die Welt auf hochmodernen, schönen Schiffen und wird auch noch dafür bezahlt. Ein romantisches Abenteuer voller Glamour also.
Es klingt zu schön, um wahr zu sein - und ist es auch. Auf fast allen Kreuzfahrtschiffen bestimmen Überstunden, niedrige Bezahlung, die Angst um den Arbeitsplatz und Ausbeutung den Alltag.
Der Arbeitstag ist in der Regel 10-13 Stunden lang und die Arbeitswoche hat sieben Tage. Wer ständig unter Deck - etwa in der Kombüse - arbeitet, sieht nur selten das Tageslicht, ganz zu schweigen vom klaren Wasser der Karibik.
Die Heuern beginnen bei 400 US-Dollar monatlich. Ein ausgebildeter Koch und ein Maschinenschlosser bekommen 700 US-Dollar, während viele Angestellte im Servicebereich als so genannte "Trinkgeldverdiener" arbeiten, die rund 50 US-Dollar im Monat erhalten und ansonsten auf die Großzügigkeit der Passagiere angewiesen sind. Manche Gäste geben Kellner/innen und Zimmerstewards auf Empfehlung bis zu drei US-Dollar täglich, andere wiederum lassen ihr Geld in Duty-free-Shops, Casinos und Bars. Die Einkommen werden aber für Schiffe errechnet, die bis auf die letzte Koje gefüllt sind.
Viele Seeleute, insbesondere wenn sie von den Philippinen stammen, zahlen ihrem Vermittlungsagenten eine Gebühr von bis zu 1.500 US-Dollar, um auf ein Schiff zu kommen. Geht man von der niedrigstmöglichen Heuer und dem üblichen Achtmonatsvertrag aus, müssen sie also allein vier Monate arbeiten, um diese Kosten hereinzuholen.
Ein weiterer Trick der Arbeitgeber ist die Einforderung einer "Sicherheitsleistung" von bis zu 750 US-Dollar von jeder Arbeitskraft. Damit sollen angeblich Desertierungen verhindert und die daraus resultierenden, von der US-Einwanderungsbehörde verhängten Geldstrafen für das Unternehmen abgedeckt werden. Deshalb müssen Seeleute zuweilen sechs von acht Monaten nur zur Kostendeckung arbeiten.
An Bord herrscht strenge Disziplin, die zum Teil willkürlich durchgesetzt wird. Beschweren sich Gäste, werden Angestellte oft in weniger angenehme - bzw. nicht voll besetzte - Bereiche versetzt oder entlassen. Es ist auch schon vorgekommen, dass sich Passagiere nur deshalb beschwert haben, um sich um eine Zahlung der Mindesttrinkgelder zu drücken.
All diese Faktoren und die beengten Unterkunftsverhältnisse, die begrenzten Freizeiteinrichtungen sowie das Fehlen von Rentenbeiträgen des Arbeitgebers und anderen Sozialleistungen schrecken viele Seeleute von der Arbeit auf Kreuzfahrtschiffen ab, insbesondere wenn sie aus Industrienationen stammen.
Deshalb steigt auch die Fluktuationsrate: Lag die durchschnittliche Verweildauer von Hotelpersonal 1970 noch bei drei Jahren, fiel sie bis 1990 auf 18 Monate und beträgt derzeit nur neun Monate.
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Issue 1 June 2000
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