Frauendilemma: Mehr Arbeitsplätze - aber auch jede Menge Diskriminierung
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Immer mehr Frauen arbeiten auf Kreuzfahrtschiffen. Allerdings sind sie in den schlecht bezahlten Dienstleistungstätigkeiten überproportional stark vertreten. Die rasche Ausweitung der Flotte und die daraus resultierende Nachfrage nach Arbeitskräften veranlasste die Schifffahrtgesellschaften, nach weiblichen Beschäftigten Ausschau zu halten, um den Bedarf zu decken. Da überdies Bedenken wegen sexueller Belästigung durch Passagiere und auch Besatzungsmitglieder vorgebracht wurden, hat man bewusst mehr Frauen angeheuert, um ein ausgewogeneres Verhältnis der Geschlechter in der Crew zu gewährleisten.
Minghua Zhao vom Internationalen Seeleuteforschungszentrum an der Universität Cardiff, einer von der ITF finanzierten Einrichtung, untersuchte die Verhältnisse auf mehr als 60 Kreuzfahrtschiffen. Es stellte sich heraus, dass der Frauenanteil bei der Besatzung derzeit bei rund 20 Prozent liegt, das sind etwa 15.000 Beschäftigte.
"Beim Betrieb auf Kreuzfahrtschiffen herrscht eine Art Geschlechtertrennung," so Zhao. "Sämtliche Kapitäne sind Männer. Auch auf Deck und im Motorraum findet man keine Frauen. Dagegen arbeiten viele weibliche Beschäftigte im Hotelwesen und in der Gastronomie sowie anderen 'nichttechnischen' Bereichen auf dem Schiff.
Auch die Nationalität spielt bei der Vergabe von Arbeiten eine Rolle. Frauen aus Industrienationen kommen viel leichter in die wenigen Führungs- oder Verwaltungspositionen und werden eher im Unterhaltungs-, Schönheitspflege-, Gesundheits-, Sport- und Empfangsbereich beschäftigt als ihre Kolleginnen aus Entwicklungsländern.
Gleichzeitig setzt man Frauen aus ärmeren Regionen wie Asien fast ausschließlich in Gastronomie-, Servier- und Zimmerdiensten sowie anderen hotelgewerblichen Funktionen ein.
Die Geschlechtertrennung setzt sich bei den Gehältern fort. Frauen aus dem Westen erhalten selbst bei gleicher Arbeit fast immer mehr Geld als ihre Kolleginnen aus weniger entwickelten Ländern.
"Das Lohnniveau schwankt sehr stark. Für dieselbe oder ähnliche Arbeit liegt die Spannweite beispielsweise zwischen 270 und 2.400 US-Dollar," erklärt Zhao. "Viele Faktoren spielen dabei eine Rolle, entscheidend aber ist vor allem die Nationalität. Kellnerinnen aus England, Frankreich und Deutschland verdienen auf einem großen, auf allen Meeren fahrenden Kreuzfahrtschiff mehr als zwei Mal so viel wie ihre Kolleginnen aus Indonesien, Thailand und von den Philippinen. Ähnliche Verhältnisse herrschen auf Schiffen im asiatisch-pazifischen Raum."
Frauen aus dem Westen sind meist jung und allein stehend und haben bereits im Hotel- oder Gastronomiebereich gearbeitet. Selbst wenn sie aus nicht englischsprachigen Ländern stammen, können sie sich doch auf Englisch verständigen.
Sie gehen zur See, um "Menschen aus unterschiedlichen Kulturen" zu begegnen oder "die Welt kennen zu lernen". Das Geldverdienen ist also nicht ihr Hauptbeweggrund. Viele dieser Frauen sind in bzw. in der Nähe von Hafenstädten aufgewachsen oder haben Freunde und Verwandte mit Berufserfahrung im Schifffahrt- und Hotel-/Gastronomiebereich. Sie wollen nicht länger als ein oder zwei Jahre auf See bleiben und kehren schließlich an einen Arbeitsplatz im Hotel- und Gastronomiegewerbe an Land zurück.
Frauen aus Asien hingegen haben öfter eine Familie und eine höhere Schulbildung genossen. Wie die meisten ihrer Kolleginnen aus dem Westen kommen sie aus dem Hotel- oder Gastronomiebereich. Ihre englischen Sprachkenntnisse sind sehr unterschiedlich; philippinische Frauen beherrschen die Sprache am besten. Im Gegensatz zu westlichen Frauen aber arbeiten sie vor allem aus finanziellen Gründen an Bord. Sie möchten länger auf dem Schiff bleiben als ihre Kolleginnen aus den Industrienationen - wie lange, das hängt größtenteils von ihrer finanziellen Situation ab. Wie ihre männlichen Pendants müssen sie lange arbeiten und sind sieben Tage die Woche im Einsatz. Die meisten sind getrennt von ihren männlichen Kollegen in Mehrbettkabinen untergebracht.
"Keine Frau hat angegeben, länger als sechs Jahre auf See arbeiten zu wollen," so Zhao. "Das ist auf die harte Tätigkeit an Bord und die Auswirkungen auf das Familienleben, insbesondere die Ehe und die Kinder, zurückzuführen. In dieser Beziehung gibt es kaum Unterschiede zwischen Frauen aus dem Westen und aus Entwicklungsländern - und auch nicht zwischen Männern und Frauen."