40. ITF-Kongress - Konferenz für Arbeitnehmerinnen in der Verkehrswirtschaft: Schlussfolgerungen
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Die ITF-Konferenz für Arbeitnehmerinnen in der Verkehrswirtschaft vom 11. und 12. August 2002 in Vancouver (Kanada)
1. BEKRÄFTIGT das praxis- und kampagnenbezogene Vorgehen des ITF-Frauenausschusses bei der Umsetzung seines Arbeitsprogramms der letzten vier Jahre.
2. IST sich der Bedeutung des ITF-Bildungsprogramms bei der Unterstützung und Förderung der Beteiligung von Frauen an der Gewerkschaftsarbeit und der Übernahme gewerkschaftlicher Führungspositionen durch Frauen auf örtlicher und internationaler Ebene bewusst.
3. ERINNERT daran, dass das grundlegende Ziel der ITF-Frauenarbeit die konkrete Verbesserung der Lebensbedingungen von Arbeitnehmerinnen in der Verkehrswirtschaft weltweit ist.
4. VERWEIST darauf, dass im Bemühen um Erreichen dieses Ziels den in der Konferenzvorlage "Frauen und Gewerkschaften in der globalisierten Verkehrswirtschaft" genannten Themen Priorität eingeräumt werden muss, und stellt insbesondere Folgendes fest:
• Die Globalisierung wirkt sich auf Arbeitnehmerinnen in der Verkehrswirtschaft anders aus als auf ihre männlichen Kollegen, denn in vielen der "neuen" Beschäftigungsbereiche werden vorwiegend Frauen eingesetzt. In diesen Bereichen handelt es sich oft um Stellen mit ungünstigen Bedingungen, d. h. sie sind schlecht bezahlt, werden manchmal nur als Teilzeit- oder befristete Stellen angeboten, bieten wenig Arbeitsplatzsicherheit oder schließen eine Gewerkschaftszugehörigkeit aus.
• Gleichzeitig rufen Stellenstreichungen und Umstrukturierungen infolge eines aggressiven, ungehinderten Wettbewerbs, aber auch im Zuge von Privatisierungen und einer Reduzierung von Sozialleistungen infolge von staatlichen Restrukturierungen bei den Beschäftigten Ängste hervor und sorgen dafür, dass die Arbeitnehmer/innen ihre Erwartungen zurückschrauben.
• In einem solchen Klima werden Beschäftigte untereinander sowie Frauen gegen Männer ausgespielt. So entsteht ein Arbeitsumfeld, in dem Einschüchterung und Angst vorherrschen und die Arbeitnehmer/innen sich oft machtlos fühlen. Verhindert werden kann dies durch eine hohe Gewerkschaftszugehörigkeit unter der Belegschaft, die eine entsprechende Schlagkraft der Gewerkschaft mit sich bringt. In einer globalisierten Wirtschaft ist eine starke internationale Gewerkschaftsorganisation wichtiger denn je für die Arbeitnehmerinnen in der Verkehrswirtschaft.
5. BESCHLIESST, die Lebensbedingungen der Arbeitnehmerinnen in der Verkehrswirtschaft zu verbessern, indem sie ihnen Ängste nimmt, die Gewerkschaften schlagkräftiger macht und die gewerkschaftliche Solidarität erhöht, und fordert die ITF insbesondere auf:
i. mit der Unterstützung von Maßnahmen zur Stärkung der Gewerkschaften in der ITF fortzufahren, indem sie durch strukturelle und satzungsbezogene Maßnahmen sowie durch Schulungs- und Bildungsarbeit (einschließlich der Schulung von Führungskräften) eine stärkere Beteiligung von Frauen an der Gewerkschaftsarbeit und innerhalb der Belegschaften fördert.
ii. sich um eine stärkere Unterstützung dieser Ziele seitens der männlichen Kollegen zu bemühen, mit ihnen Bündnisse zu schließen und gegebenenfalls das Bewusstsein von männlichen ebenso wie weiblichen Beschäftigten durch Sensibilisierungskampagnen für geschlechtsspezifische Belange zu schärfen.
iii. weitere Umfragen bei Gewerkschaften in der ITF zu unterstützen, um herauszufinden, in welchen Bereichen sich die Einbindung von Arbeitnehmerinnen in der Verkehrswirtschaft in die Gewerkschaftsarbeit verbessern lässt.
iv. weiterhin den Internationalen Frauentag am 8. März als Aktionstag im Rahmen der Kampagne Women Transporting the World (Frauen bewegen die Welt) als Teil der Initiative der Globalen Gewerkschaften zu fördern und die Gewerkschaften in der ITF aufzufordern, diesen Tag in den nächsten vier Jahren zu begehen; außerdem die Möglichkeiten im Rahmen der ITF-Kampagnen zu nutzen, um nicht gewerkschaftlich organisierte Arbeitnehmerinnen zum aktiven Engagement und zum Beitritt zu den Gewerkschaften zu veranlassen, wobei insbesondere neue Wege zur Mitgliederwerbung unter Beschäftigten transnationaler Unternehmen gefunden werden müssen.
v. eine geschlechtsspezifische Analyse über die Auswirkungen der Globalisierung auf die Arbeit von Beschäftigten in der Verkehrswirtschaft zu erstellen, die als Grundlage für künftige Kampagnenstrategien zur Durchsetzung der Grundrechte für Arbeitnehmerinnen in der Verkehrswirtschaft genutzt werden kann.
vi. darauf zu drängen, dass Gleichstellungsfragen bei Diskussionen innerhalb der internationalen Gewerkschaftsbewegung ganz oben auf der Tagesordnung stehen.
vii. gegen Einschüchterung und Gewalt zu kämpfen.
viii. Daten über Unternehmen in der Verkehrswirtschaft zu sammeln, die unverhohlen diskriminieren, und Öffentlichkeitskampagnen zu starten, um diese Unternehmen anzuprangern.
ix. sich in multinationalen Unternehmen und transnationalen Zusammenschlüssen für die Erarbeitung von Verhaltenskodexen für den Umgang zwischen den Geschlechtern einzusetzen, unter anderem auch mit positiven Aktionsprogrammen zur Bekämpfung von Geschlechtersegregation am Arbeitsplatz.
x. mit anderen Globalen Gewerkschaftsverbänden zusammenzuarbeiten, um ein oder mehrere multinationale Unternehmen für die Durchführung von Projekten im Rahmen der Bildungsarbeit und Mitgliederwerbung, schwerpunktmäßig für Frauen im Logistik- und Verkehrssektor, zu gewinnen.
xi. mit anderen Globalen Gewerkschaftsverbänden zusammenzuarbeiten, um eine Logistik-Arbeitsgruppe oder -konferenz einzurichten, in der geschlechtsspezifische Themen im Vordergrund stehen.
xii. an einer Callcenter-Arbeitsgruppe mitzuwirken oder eine solche Arbeitsgruppe einzurichten, die sich mit einer Ausweitung optimierter Mitgliederwerbestrategien und Verhaltenskodexe befasst.
xiii. so bald wie möglich den Bereich Telearbeit in der Verkehrswirtschaft wissenschaftlich zu analysieren, um herauszufinden, inwieweit die Unternehmen sie einzuführen versuchen, und darauf hinzuweisen, wie negativ sich eine solche Zersplitterung auf die Kundenbetreuung auswirken kann.
xiv. eine sektionsübergreifende Initiative zur Mitgliederwerbung unter stationär eingesetztem Personal zu unterstützen und diese Initiative auf weitere ITF-Sektionen auszuweiten.
xv. die Zusammenarbeit mit der Sektion Zivilluftfahrt und den maritimen Sektionen zu fördern, um zu gewährleisten, dass Sozialleistungen wie Mutterschaftsregelungen nicht im Zuge der Beschäftigung ausländischen Personals verloren gehen; in diesem Zusammenhang muss die bestehende Zusammenarbeit mit der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) und anderen zuständigen Organisationen hinsichtlich der Erarbeitung entsprechender internationaler Bestimmungen ausgebaut werden.
xvi. unter den angeschlossenen Gewerkschaften eine Umfrage durchzuführen, um das Ausmaß und die Art der informellen Arbeit in der Verkehrswirtschaft festzustellen.
6. VERABSCHIEDET Entschließungen zu den Themen
- Gewalt gegen Frauen – ein gesellschaftliches Problem
- Wanderarbeitnehmerinnen im Verkehr
- Die Rechte der Arbeitnehmerinnen
- Frauen und Globalisierung bei Air Afrique.
7. UNTERSTÜTZT die vom 31. Oktober bis 2. November in Sydney (Australien) stattfindende 2. Weltkonferenz lesbischer und schwuler Gewerkschafter/innen, "Workers Out".