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Mehr als die Zukunft unserer Bewegung
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Ein Bericht von Ingo Marowsky, dem Leiter einer ITF-Initiative, die mehr junge Menschen zur Mitarbeit in ihren Gewerkschaften und der ITF motivieren will, über die Hintergründe des Projekts
 | | Junge Gewerkschaftsmitglieder - die nächste Führungsgeneration |
Oft wird gesagt, dass junge Beschäftigte die Zukunft der Gewerkschaftsbewegung sind. Unserer Erfahrung nach sind sie in ihren Gewerkschaften bereits engagiert darum bemüht, Veränderungen herbeizuführen. Um es klar zu sagen: Die jungen Verkehrsbeschäftigten, die sich seit einiger Zeit bei uns engagieren, als Organisationsbeauftragte oder aktive Mitglieder, sind keineswegs eine Zukunftsvision, sondern bringen schon hier und jetzt die Dinge in Bewegung.
Pål Haugen Strand
 | | Pål Haugen Strand |
Beruf und Arbeitgeber: Flugbegleiter, SAS, Scandinavian Airlines Norge A/S (Norwegen)
Was ist deine Funktion in der Gewerkschaft? Ich bin Mitglied der SAS Norge Kabinforening (SNK), die dem norwegischen Gewerkschaftsdachverband PARAT angeschlossen ist. Ich gehöre einem Ausschuss aus Vertreter/innen der beiden Kabinenpersonalgewerkschaften und des Unternehmens an. Wir befassen uns mit Themen rund um die Arbeitszeitregelung. Ich bin auch Mitglied des Gremiums der Luftfahrtsektion von PARAT, die die Beschäftigten in fast allen Bereichen des norwegischen Luftverkehrssektors organisiert, darunter Pilot/innen, Kabinenpersonal, Bodenverkehrsdienste sowie das Personal in der Flugzeugbetankung und im Cateringbereich.
Mit welchen Problemen bist du bei deiner Arbeit konfrontiert und wie hilft deine Gewerkschaft? Die größte Sorge bereitet mir die allgemeine Situation bei der SAS und wie es mit ihr weitergeht. Es scheint klar zu sein, dass sie mit einem größeren Unternehmen fusionieren muss, um überleben zu können, der Lufthansa, British Airways oder einer anderen großen Fluggesellschaft, die die SAS übernehmen will.
Die Gewerkschaft hat uns in der Zeit vor dem Zusammenschluss mit der SAS dabei unterstützt, angemessene Bezahlung und Beschäftigungsbedingungen durchzusetzen. Während der Fusion sorgte die Gewerkschaft dafür, dass die Dinge möglichst korrekt abliefen. Der wichtigste Grund für meine Mitgliedschaft in der Gewerkschaft besteht für mich darin, meinen Teil zu ihrer Unterstützung beizutragen. Die Gewerkschaft ist auf die Unterstützung der Beschäftigten angewiesen, um ihre Arbeit tun zu können. Günstige Versicherungen sind ein weiterer Grund, Mitglied zu sein.
Warum sollten Gewerkschaften jüngere Beschäftigte zur Mitarbeit motivieren? Für die Gewerkschaft ist es wichtig, mehr junge Menschen in ihre Bewegung einzubeziehen. Junge Beschäftigte sind nicht nur die Zukunft, sie stellen schon heute einen großen Teil der Belegschaften. Wenn die Gewerkschaften ihre Stoßkraft gegen die Arbeitgeber aufrechterhalten wollen, müssen sie für ausreichende Unterstützung unter den Beschäftigten sorgen. Wir müssen sicherstellen, dass die heutigen jungen Beschäftigten morgen korrekte Beschäftigungsbedingungen haben.
Dina Feller
Beruf und Arbeitgeber: Purserin (Kabinenpersonal), LAN Airlines (Argentinien)
Gewerkschaftsfunktion: Vertrauensfrau und Koordinatorin des regionalen ITF-Projekts bei LAN
Mit welchen Problemen bist du bei deiner Arbeit konfrontiert und wie hilft deine Gewerkschaft? Unsere größten Probleme sind die gewerkschaftsfeindlichen Praktiken des Unternehmens, neoliberale Politik und Sozialdumping. Die Gewerkschaft ist Kabinenpersonalmitgliedern dabei behilflich, zu besseren Arbeitgebern zu wechseln und die Organisationsarbeit innerhalb der gewerkschaftsfeindlichen Fluggesellschaft LAN zu verstärken. Die gewerkschaftliche Organisierung der Beschäftigten ist das wichtigste Instrument, um Verbesserungen am Arbeitsplatz durchzusetzen.
Warum sollten Gewerkschaften jüngere Beschäftigte zur Mitarbeit motivieren? Unternehmen wie LAN verfolgen eine spezielle Personalpolitik im Hinblick auf junge Arbeitnehmer/innen. Sie können Beschäftigungsbedingungen unterlaufen, indem sie junge Beschäftigte einstellen, die sich leichter ersetzen lassen als erfahrene Mitarbeiter/innen. Was die Gewerkschaften betrifft, so ist es im Interesse eines nachhaltigen Kampfes essenziell, jungen Arbeitnehmer/innen verantwortungsvolle Aufgaben zu übertragen und sie in Organisationspraktiken einzubeziehen.
Roger Barahona
 | | Dina Feller |
Beruf und Arbeitgeber: Schleppbootkapitän, Smit Habour Towage (Panama)
Gewerkschaftsfunktion: Finanzbeauftragter, Sindicato de Trabajadores de Servicio de Remolcadores, Barcazas y Afines de Panama
Mit welchen Problemen bist du bei deiner Arbeit konfrontiert und wie hilft deine Gewerkschaft? Unser Hauptproblem ist die Sicherheit. Die meisten Arbeitgeber kümmern sich nicht darum, ihnen geht es nur ums Geldverdienen. Uns werden immer mehr Aufgaben übertragen, ohne Rücksicht auf die Sicherheit. Um unsere Arbeit sicher ausüben zu können, sollten wir regelmäßige und angemessene Ruhepausen haben.
Mit Unterstützung der Gewerkschaft konnten wir bessere Arbeitszeitregelungen durchsetzen. Anfangs wurde in unserem Unternehmen in Achtstundenschichten gearbeitet. Im Jahre 1993 wurde jedoch eine neue Regelung eingeführt, wonach auf zehn Tage Arbeit an Bord eine fünftägige Ruhepause folgte. Dank des hartnäckigen Engagements der Gewerkschaft wurde das System so geändert, dass sich jeweils fünf Arbeits- und Ruhetage abwechseln.
Es ist sehr wichtig, Mitglied in einer Gewerkschaft zu sein, weil wir uns für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen für alle einsetzen können. Momentan befinden wir uns in einer schwierigen Lage. Unsere Bezahlung wurde für 15 Jahre ausgehandelt und liegt mittlerweile unter dem globalen und nationalen Marktniveau.
Warum sollten Gewerkschaften jüngere Beschäftigte zur Mitarbeit motivieren? Meiner Meinung besteht die Politik der Unternehmen darin, die gewerkschaftliche Organisierung ihrer Betriebe zu verhindern. Das macht es für uns schwierig, weshalb wir junge Leute brauchen, um die Stärke der Gewerkschaft aufrechtzuerhalten und Veränderungen herbeizuführen.
Carsten Ganser
Beruf und Gewerkschaftsfunktion: Bundesjugendsekretär, Transnet (Deutschland)
Mit welchen Problemen bist du bei deiner Arbeit konfrontiert und wie hilft deine Gewerkschaft? Ich setze mich täglich für die Verbesserung der Beschäftigungsbedingungen junger Arbeitnehmer/innen ein und bemühe mich um eine bessere Qualität der Berufsausbildung.
Als Jugendsekretär leiste ich ständig Überzeugungsarbeit unter jungen Menschen, um ihnen zu vermitteln, dass die Gewerkschaftsmitgliedschaft für alle Beschäftigten wichtig ist.
Warum ist es wichtig, dass junge Menschen Gewerkschaften beitreten? Die jungen Menschen von heute sind unsere Zukunft. Wir müssen etwas gegen Liberalisierung, Sozialdumping als Folge der Globalisierung und den Konkurrenzkampf innerhalb der jetzigen Generation tun. Aus diesem Grund müssen wir junge Menschen stärker in die Politik einbeziehen, sowohl bei den Gewerkschaften als auch bei den Regierungen in aller Welt.
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Die ITF ist stolz auf ihre Arbeit zur Förderung der aktiven Beteiligung junger Gewerkschaftsmitglieder. Für mich persönlich ist es eine großartige Erfahrung, am Wandel teilzunehmen, der ihnen den Zugang eröffnet, und ich empfinde große Ehrfurcht vor der Aufgabe, für diese Arbeit verantwortlich zu sein. Wir haben eine Reihe von Veranstaltungen für junge Arbeitnehmer/innen organisiert. Das Teilnehmer/innenspektrum war wahrhaft beeindruckend.
"Die jungen Verkehrsbeschäftigten, die sich seit einiger Zeit bei uns engagieren, sind keineswegs eine Zukunftsvision, sondern bringen schon hier und jetzt die Dinge in Bewegung."
 | | Carsten Ganser |
Sie stammten aus allen Teilen der Welt, repräsentierten sämtliche ITF-Sektionen, erreichten mit einem hohen Frauenanteil eine ausgeglichene Geschlechterverteilung und waren in der Mehrheit jünger als 35 Jahre. Sie alle bringen eine Begeisterung und einen Schwung in unsere Veranstaltungen mit, wie ich es seit langer Zeit nicht erlebt habe, sodass in mir Erinnerungen an alte Zeiten geweckt werden.
Auch wir, die heute in unseren jeweiligen Organisationen leitende Positionen innehaben, haben unseren Weg meist vor Jahrzehnten angetreten und mussten uns mit den Älteren "da oben", die wir als geschlossene Kader wahrnahmen, auseinandersetzen. Wir alle engagierten uns weit über das verlangte Maß hinaus für Veränderungen, die unsere Organisationen unserer Meinung nach brauchten. Die jungen aktiven Gewerkschaftsmitglieder, die ich heute sehe, tun dasselbe. In kürzester Zeit und bis in die Nachtstunden schuftend – ich habe ihre müden, aber begeisterten Augen am folgenden Morgen gesehen – legten sie ein ganzes Spektrum von Vorschlägen für die Weiterentwicklung dieser Tätigkeit vor.
"Die Politik der Unternehmen besteht darin, die gewerkschaftliche Organisierung ihrer Betriebe zu verhindern. Das macht es für uns schwierig, weshalb wir junge Leute brauchen, um die Stärke der Gewerkschaft aufrechtzuerhalten und Veränderungen herbeizuführen."
Sowohl die Organisationen, die aktive Mitglieder entsenden, als auch der ITF-Vorstand unterstützen dieses neue Arbeitsfeld mit großem Enthusiasmus und haben bislang auch die dafür notwendigen Ressourcen zur Verfügung gestellt. Als Mittler zwischen denen, die nach vorne drängen, und denen, die als die Älteren bezeichnet werden, lässt es mich schmunzeln, dass einige meiner Generation sich immer noch daran erinnern, wie schwer es für uns selber war, und deshalb denen, die uns nachfolgen, gerne den Weg erleichtern wollen.
Warum ist diese Arbeit für die ITF und die ihr angeschlossenen Gewerkschaften so wichtig? Einige werden fragen, was sie uns bringt. Ich sage, dass junge aktive Gewerkschaftsmitglieder die Sache der Gewerkschaftsbewegung verfechten, wie es bereits Generationen vor uns getan haben. Darüber hinaus sind sie aber auch die potenziellen Führungskräfte, die die Arbeit zur Verbesserung der beruflichen und privaten Lebenswelt von Männern und Frauen fortsetzen werden.
Junge Menschen sind die Aktivist/innen, die gegen Diskriminierung, Unterdrückung, Armut und Umweltzerstörung kämpfen werden. Sie sind die Aktivist/innen, die immer wieder Solidaritätsbündnisse schmieden werden, vor Ort an ihren Arbeitsplätzen, gemeinsam in ihren Regionen und global unter dem Dach der ITF. Sie werden die Organisationsarbeit in den Betrieben übernehmen, wenn wir schon längst nicht mehr dabei sind, und es tut gut zu sehen, wie engagiert sie herangehen. Und nicht zuletzt werden sie weiter Brücken zu Nicht-Regierungsorganisationen schlagen, auf althergebrachte Art und Weise, aber auch durch Nutzung neuer zeitgemäßer Technologien. Es gibt moderne Wege zur Durchführung von Gewerkschaftsarbeit, und sie nutzen sie. Ich freue mich darüber, dass die ITF, die nunmehr ehrwürdige 112 Jahre alt ist, diesen neuen Ansatz zur Bewältigung der vor uns liegenden Herausforderungen fördert.
Dies sind nur einige der Gründe, warum unsere Arbeit mit jungen Gewerkschaftsmitgliedern so wichtig ist. Ich bitte die uns angeschlossenen Gewerkschaften, diese Tätigkeit weiter zu unterstützen, junge Beschäftigte zu unseren Veranstaltungen zu entsenden und ihnen dabei behilflich sein, ihr volles Potenzial auszuschöpfen.
Ingo Marowsky ist Koordinator für regions- und sektionsübergreifende Tätigkeit bei der ITF und zuständig für junge Arbeitnehmer/innen. Weitere Informationen auf Anfrage per Email an young@itf.org.uk oder im Internet unter www.itfglobal.org/youngworkers.
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