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Contexto de página: Página principal > Revista 'Transporte Internacional' > Nr. 35 / April 2009 > Buchbesprechung
Wenn man in historischen ITF-Dokumenten stöbert, stößt man schnell auf die Titelschlagzeile des alten ITF-Magazins aus den 1940er und 50er Jahren. In geschwungenen Lettern verkündet sie den selbstbewussten Slogan "Verkehrsbeschäftigte verbinden die Welt!". Die vorliegende Neuerscheinung, deren Niederschrift und Produktion von der Nordischen Transportarbeiter-Föderation (NTF) koordiniert wurde, befasst sich nun mit der Frage, wie die Welt miteinander verbunden ist und die innerhalb der Arbeitswelt bestehenden Widersprüche überwunden werden können, mit besonderem Blickwinkel auf die Rolle der Verkehrsbeschäftigten.
Sozialdumping
Zentrales Thema des vorliegenden Buches ist die Untersuchung der Problematik des Sozialdumping – wenn Billigarbeitskräfte aus Ländern oder Sektoren mit niedrigem Lohnniveau die Arbeitsmärkte überfluten und die Bezahlung drücken. Mit diesem Muster sind die Verkehrsbeschäftigten seit der Mitte des 20. Jahrhunderts konfrontiert, zunächst nur im maritimen Sektor, heute in der gesamten Branche. Der Kampf gegen die negativen Folgen von Sozialdumping – Ausbeutung, Diskriminierung und die Herausbildung eines Niedriglohn-Dienstleistungssektors – lässt sich über die Mitgliedschaft in Gewerkschaften und Solidarität führen, so die Argumentation des aus zehn Kapiteln bestehenden Werks. Das Buch geht insbesondere auf die Folgen der supranationalen EU-Deregulierung und der von der Vorherrschaft Chinas bedrohten globalisierten Wirtschaft für die Verkehrsbeschäftigten ein. Nach einer Analyse der einzelnen Verkehrssektoren schlagen die Autoren Lösungen vor, die traditionellen Gewerkschaftsansätzen entsprechen und denen das "nordische Modell" von Gewerkschaftsanerkennung, Gleichheitsgrundsätzen und Kollektivverhandlungsstrukturen zugrunde liegt.
Nationale Gewerkschaften brauchen Informationsaustausch als möglichen Ansatzpunkt für Kooperationen bis hin zu grenzüberschreitenden Aktionen, so die These der Autoren. Verkehrsgewerkschaften sollten dazu bereit sein, Arbeitskampfmaßnahmen als Mittel einzusetzen. Gleichzeitig sollten sie Bündnisse aufbauen. Sie müssen zudem Strategien umsetzen, um beide durch Sozialdumping gespaltene Beschäftigtengruppen als Mitglieder zu gewinnen: die, deren Arbeitsplätze durch die zuströmenden Niedriglohnbeschäftigten bedroht sind, und die, die womöglich Chancen in der Übernahme solcher Arbeitsplätze sehen. Kommunikation und das Erlernen von Fremdsprachen sowie Bildung und Fortbildung gewinnen damit eine bedeutende Rolle.
Das alles wirft Fragen für die internationale Gewerkschaftsbewegung auf, mahnen die Autoren. Bislang beruhten Entscheidungsabläufe in Gewerkschaftsverbänden, so auch in der NTF, auf Konsensfindung und dem Respekt vor der Autonomie jeder einzelnen Mitgliedsorganisation. Muss sich dies ändern, so die Frage der Autoren, und braucht die NTF einen größeren Zuständigkeitsbereich? Sind die ihr angeschlossenen Gewerkschaften dazu bereit, der NTF Entscheidungen zu überlassen? Würden sie einer Organisation finanzielle Mittel zur Verfügung stellen, die stärker als bisher als aktiver Entscheidungsträger auftritt, verkehrspolitische Debatten organisiert und sich in Themen wie den Klimawandel einmischt? Würden supranationale Kollektivverhandlungen für die gesamten nordischen Länder funktionieren? Und könnte die NTF Aktivitäten koordinieren, die Gewerkschaften in den baltischen Ländern und der EU bis hin zur Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) zugute kommen?
Tatsächlich bringt dieses Buch keine eindeutigen Lösungen, aber das ist auch nicht seine Absicht. Vielmehr will es Diskussionen anregen und fordert – in exzellenter Gewerkschaftstradition – in seinem Fazit die Entwicklung eines Aktionsplans. Inhaltlich ist dem Buch wenig entgegenzusetzen: es bietet eine ausgewogene und umfassende Weltsicht für Verkehrsgewerkschaften. Für nicht-nordische Gewerkschaften mag diese allerdings etwas zu sehr auf den nordischen Raum zentriert sein.
Die nordische Sicht
"Das Buch befasst sich hauptsächlich mit dem Problem des Sozialdumping baltischer Länder in den nordischen Staaten," fasst ITF-Generalsekretär David Cockroft zusammen. "Immer mehr nordische Unternehmen gründen Tochtergesellschaften im Baltikum und in Russland und beschäftigen dann zu schlechteren Bedingungen ausländisches Fahrpersonal, das finnische Arbeitskräfte verdrängt." Im Großen und Ganzen stimmt es, dass das Buch und die darin enthaltenen Beispiele eine nordische Perspektive wiedergeben. Es fällt allerdings schwer, sich vorzustellen, dass die NTF Aktivitäten auf der Ebene der EU oder der IAO organisiert. (Wenn das so sein soll, welche Rolle haben dann noch die ETF oder die ITF?)
Andererseits sind viele der hier aufgeworfenen Fragen identisch mit denen, die sich der gesamten Gewerkschaftsbewegung stellen, bis hin zur alles übergreifenden Frage, wie globale, regionale und nationale Gewerkschaften auf globale, regionale und nationale Krisen reagieren? Bei dieser Diskussion dürfen wir uns selbst auch keine Grenzen auferlegen.
Einigen Leser/innen wird dieses Buch nicht viel radikal Neues vermitteln. Seine Leistung besteht jedoch darin, dass es viele ungelöste Fragen und Perspektiven der heutigen Gewerkschaftsbewegung in Europa und darüber hinaus zusammenfasst. Wenn "The Worth of Work" in vielen der darin angesprochenen Bereiche Maßnahmen nach sich zieht, wird die NTF der Gewerkschaftswelt einen Gefallen getan haben.
Página inicial:
Issue 35 - April 2009
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