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Warten und hoffen

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MONATE NACH DER WAFFENRUHE IM LIBANON DAUERT DIE NOT DER HAFENBESCHÄFTIGTEN AN, ABER DIE SOLIDARITÄT IHRER KOLLEG/INNEN IN DEN HÄFEN WELTWEIT IST UNGEBROCHEN, SO BILAL MALKAWI

Ich erinnere mich noch gut an meinen Besuch im Hafen von Beirut im Jahre 2005. Damals war er voller Leben, und Tag und Nacht konnte man das geschäftige Treiben von Tausenden von Beschäftigten beobachten. Seit dem sechswöchigen bewaffneten Konflikt, der den Libanon im Juli und August 2006 verheerte, habe ich den Hafen dreimal besucht. Unmittelbar nach der Waffenruhe war er größtenteils leer und leblos. Auch jetzt ist er noch zu ruhig und alles andere als betriebsam.

Bei meinem ersten Besuch nach der Waffenruhe traf ich auf zahlreiche Beschäftigte, die untätig herumsaßen und versuchten, in den Gesichtern der Hafenbesucher zu lesen, was die Zukunft bringen würde. Zwei Hafenbeschäftigte kamen bei den Auseinandersetzungen ums Leben, und weitere 800 verloren als direkte Folge der Feindseligkeiten und der andauernden israelischen Blockade ihre Arbeit.

Natürlich war Beirut nicht der einzige betroffene Hafen. In allen fünf großen Häfen des Landes kam es zu Störungen des Hafenbetriebs und zum Abbau von Arbeitsplätzen, wovon vorwiegend Aushilfskräfte betroffen waren. Auch andere Verkehrssektoren litten unter den Blockaden, die im September nach Protesten der ITF-Mitgliedsgewerkschaften und anderer Gruppen aufgehoben wurden.

Auch nach Aufhebung der Blockaden konnten nur 300 von 1.000 Aushilfskräften ihre Arbeit wieder aufnehmen. Anders als arbeitslos gewordene fest angestellte Beschäftigte erhalten die Aushilfskräfte, die als Tagelöhner eingestellt wurden, von der Regierung keine finanzielle Unterstützung. Für diese Beschäftigten und die Familien der Verstorbenen wurde von den Gewerkschaften der Seeleute und der Hafenbeschäftigten ein Fonds eingerichtet, der ihr Überleben sichern soll, bis der Hafenbetrieb wieder soweit hergestellt ist, dass sie eine realistische Aussicht auf Arbeit haben.

Ich war mehrmals im Libanon, um die Spenden der ITF und ihrer Mitgliedsorganisationen, darunter die uns angeschlossenen nordischen Gewerkschaften, ver.di aus Deutschland, die amerikanische Gewerkschaft der Hafenbeschäftigten ILWU, der japanische Rat der Hafenarbeitergewerkschaften (ZENKOKU-KOWAN) sowie der britische Gewerkschaftsdachverband TUC, zu verteilen.

Zum Zeitpunkt der Niederschrift war der Hafenbetrieb noch immer stark eingeschränkt und kam nur langsam wieder in Schwung. Der Libanon gilt nach wie vor als Kriegsgebiet, weshalb Schiffe, die die Häfen anlaufen, unerschwingliche hohe Versicherungsbeiträge zahlen müssen. Der Schiffsverkehr wurde daher größtenteils nach Syrien und Zypern umgeleitet, und es ist schwer zu sagen, wann er wieder zurückkommen wird.

Bei meinem ersten Besuch im August war ich stolz, als mich der Präsident der Seeleutegewerkschaft Naser Nazal Gewerkschaftsmitgliedern als ITF-Vertreter vorstellte, der ihnen die Grüße von Kolleg/innen in den Häfen und anderen Verkehrssektoren aus der ganzen Welt überbrachte.

Alle nahmen mit Begeisterung an unseren Gesprächen teil. Einige klangen stark und unbeirrbar, andere fassungslos und unfähig zu begreifen, warum ihnen all dies widerfuhr.

Als ich mit Hilfsleistungen für die Not leidenden Beschäftigten zurückkehrte, berichtete ich ihnen von der solidarischen Anteilnahme der Verkehrsbeschäftigten der ganzen Welt. Der Vater eines der verstorbenen Beschäftigten kam auf mich zu und sagte:

„Ich weiß, dass 4,5 Millionen Verkehrsbeschäftigte mir und meiner Familie ihr Mitgefühl ausgesprochen haben. Ich bin Gott zutiefst dankbar für diese Einstellung und die gemeinsame Sprache, die die Beschäftigten auf der ganzen Welt sprechen.“

Dutzende von Beschäftigten nahmen dann das Spendengeld entgegen und bedankten sich für den kleinen Betrag, den wir ihnen geben konnten. Was ihnen aber noch mehr bedeutete, so betonten sie, sei das Wissen um die Unterstützung und Solidarität ihrer Kolleg/innen in dieser Krisensituation.

Sie schrieben ihre Namen auf eine libanesische Fahne und baten mich, sie als Geschenk für die ITF in London mitzunehmen.

Bei all diesem Leid ist es für uns in der arabischen Welt ermutigend zu sehen, dass die Verkehrsbeschäftigten weltweit geschlossener zusammenstehen und den Problemen ihrer Kolleg/innen in diesem Teil der Welt größeres Verständnis entgegenbringen. Im Gegenzug haben die Verkehrsbeschäftigten der Region ein starkes Zugehörigkeitsgefühl zur weltweiten ITF-Familie entwickelt.

Bilal Malkawi ist Leiter des ITF-Büros für die arabische Welt in Amman.

 



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Issue 26 January 2007

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