Bestätigung des Ryanair-Verwaltungsratschefs mit noch schwächerer Mehrheit als verlautbart

Ryanair-Verwaltungsratschef David Bonderman hatte bei seiner Wiederwahl eine noch geringere Aktionärsmehrheit auf seiner Seite als berichtet, so das Ergebnis neuer gewerkschaftlicher Nachforschungen.

Die Internationale Transportarbeiter-Föderation (ITF) und die Europäische Transportarbeiter-Föderation (ETF) haben nach der Jahreshauptversammlung von Ryanair im letzten Monat das Protokoll der Aktionärsabstimmung analysiert. Demnach stimmten noch weniger Investoren für Bonderman als zunächst verlautbart wurde.

Am 20. September hatte Ryanair angegeben, dass 70,5 % der Stimmen für und 29,5 % gegen Bonderman abgegeben wurden. Werden allerdings die Enthaltungen einbezogen, geht die Unterstützung für den Verwaltungsratschef auf 67 % zurück.

Rechnet man die Anteile im Eigentum der Verwaltungsratsmitglieder heraus, sinkt diese Zahl weiter auf 65 %. Diese Ergebnisse machen Bonderman nun zum unbeliebtesten Verwaltungsratschef des irischen Aktienindex ISEQ20. Der Grad der Ablehnung übertrifft die Opposition gegen einen durchschnittlichen irischen Unternehmensleiter um mehr als das Zehnfache.

Es liegen zwar noch keine Berichte von allen Investoren vor, aber nach bisherigen Erkenntnissen haben große Vermögensverwalter, darunter Columbia Threadneedle und Janus Henderson, gegen seine Wiederwahl gestimmt, während andere, z. B. Allianz, sich enthielten. Alle drei gehören zu den 20 wichtigsten Aktionären des Unternehmens.

Unabhängig davon geht aus veröffentlichten Daten hervor, dass einige Vermögensverwaltungen ihre Anteile an Ryanair seit der letzten Hauptversammlung reduziert haben. Demnach hat Capital Group seine Beteiligung vom 17,01 % am 21. August auf 14,54 % am 15. Oktober und FMR (Teil von Fidelity) von 4,94 % am 6. August auf 3 % am 16. Oktober gesenkt.

Unter Verweis auf die Unfähigkeit von Bonderman, die Geschäftsführung von Ryanair zur Verantwortung zu ziehen, appellierten ITF und ETF Anfang September in einem Schreiben an die Aktionäre, der Wiederwahl von Bonderman zum Verwaltungsratschef nicht zuzustimmen. Diesem Appell schlossen sich die Investorenberatergruppen Glass Lewis, ISS und PRIC an, die alle starke Vorbehalte gegen das Corporate-Governance-Modell von Ryanair zum Ausdruck brachten.

Nach der Hauptversammlung forderte die britische Pensionskasse Local Authority Pension Fund Forum (LAPFF) – einer der großen institutionellen Investoren, die Bonderman ihre Stimme verweigerten – im Jahr 2019 einen neuen Verwaltungsratschef zu ernennen. Sollte dies nicht geschehen, wird die LAPFF den Antrag stellen, Bonderman auf der nächstjährigen Hauptversammlung abzusetzen.

Indessen verhallen die Forderungen der Beschäftigten bei Ryanair nach wie vor ungehört. Vereinzelt wurden zwar Anerkennungsverträge unterzeichnet, aber für die große Mehrheit der Angestellten von Ryanair haben sich seit der Ankündigung des Unternehmens vom letzten Dezember, mit den Gewerkschaften in Verhandlungen zu treten, weder Bezahlung noch Beschäftigungsbedingungen verbessert.

 

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