Arbeitsmigrant/innen im Fischereisektor – ITF fordert irische Regierung zu Maßnahmen auf

Nur zwei Tage nach der Warnung der ITF, dass das Genehmigungsverfahren der irischen Regierung für Arbeitsmigrant/innen im Fischereisektor "Sklaverei legitimiere", räumte der ehemalige Arbeitsminister ein, ihm seien alarmierende Vorwürfe über Missbrauch zu Ohren gekommen, und forderte die Regierung auf, das System aufzugeben.

Das System zur Legalisierung des Status und zum Schutz der Rechte von Arbeitsmigrant/innen wurde Anfang 2016 eingeführt, nachdem mehrere Medienagenturen in Zusammenarbeit mit der ITF das Ausmaß der Ausbeutung in der irischen Fischereiwirtschaft enthüllt hatten. Die Regierung stellte 500 auf ein Jahr begrenzte Genehmigungen für Schiffseigner aus, die dazu verpflichtet wurden, Arbeitsmigrant/innen die gesetzliche Mindestheuer auszuzahlen und einen anwaltlich abgesegneten Vertrag mit ihnen abzuschließen. Die ITF begrüßte zwar, dass die Regierung in der Frage aktiv wurde, gab aber gleichzeitig zu bedenken, dass die Genehmigungen ohne wirksame Inspektionen und Durchsetzungsmechanismen wertlos seien.

Mehrere der 68 Arbeitsmigrant/innen im Fischereisektor, die am 6. Februar 2017 an einer Veranstaltung der ITF teilnahmen, berichteten von Unterbezahlung und Arbeitsüberlastung, u. a. 100-Stunden Wochen ohne ausreichende Ruhezeiten. Der ITF-Koordinator für Irland und Großbritannien Ken Fleming mahnte daraufhin unverzüglichen Handlungsbedarf an, um diese Missstände zu beenden. Er forderte eine Aufenthaltserlaubnis für alle Wanderarbeitnehmer/innen ohne Papiere im irischen Fischereisektor und fügte hinzu, dass Schiffseignern, die gegen die Arbeitsgesetze verstoßen, die Fanglizenz entzogen werden sollte.

"Selbst Senator Gerald Nash, der als Arbeitsminister an der Gestaltung des Programms mitwirkte, hat nun zugegeben, dass das Genehmigungssystem der Regierung gescheitert ist," so Fleming.

"Regierungsinspektionen haben ergeben, dass ein Viertel aller Wanderarbeitskräfte von dem System nicht erfasst wird. Manche Reeder schlagen Nutzen aus dem System, indem sie ihre Besatzungen nicht mehr nach Fanganteilen entlohnen, sondern ihnen Mindestheuern auszahlen, mit der Folge, dass einige von ihnen über 100 Stunden pro Woche arbeiten und dafür nur 350 Euro erhalten."

Die ITF will das Europäische Parlament noch im Februar über die Situation unterrichten und befindet sich im Gespräch mit dem Vorsitzenden der irischen Kommission für Arbeitsbeziehungen, der Workplace Relations Commission.

Hier aktuelle Zeitungsberichte zum Thema – Irish Times und The Guardian.

Kommentare hinzufügen

Alle Kommentare